Bayerische Dialekte "Dem sei Goje war a ganz a Letzi!"

Die Jenischen, die hier lebten, behielten ihre traditionelle Lebensweise als wandernde Bauarbeiter und Hausierer bis in die 1930er Jahre bei. Unter der NS-Diktatur wurden sie gezwungen, ortsfeste Arbeit anzunehmen, danach wurde das Rotwelsche kaum noch gesprochen.

Und doch ist die Sprache nicht ausgestorben. Klepsch lernte bei seinen Forschungen eine Anzahl älterer Bürger kennen, die über einen stattlichen jenischen Wortschatz verfügen. Der Bauarbeiter heißt bei ihnen Hirtlingsbuckler, abgeleitet vom Wort Hirtling (Stein) und buckeln (hart arbeiten). Die Milch nennen sie Gleisi, hier scheint das Verb gleißen durch, und die Kuh, die Gleisi gibt, ist entsprechend das Gleisidrampel.

Einen andere Ursprung fand Klepsch für das Lachoudische in Schopfloch, das zum Teil in der jüdischen Bevölkerung wurzelt, die im 19. Jahrhundert dort lebte und das in Süddeutschland gängige Südwestjiddische sprach. Viele Juden waren damals Viehhändler, die aus ihrem Jiddisch und aus dem Hebräischen eine eigene Geschäftssprache entwickelten, die für Außenstehende völlig unverständlich war.

Die Juden nannten sie Leschón hakkódesch (Heilige Sprache), wobei der Name zu Lachoudisch und damit bis zur Unkenntlichkeit verballhornt wurde, wie Klepsch festgestellt hat.

Das heutige Lachoudisch in Schopfloch ist weder eine Variante des Rotwelschen noch geht es auf das alltägliche Jiddisch zurück, sondern ist nichts anderes als die Viehhändlersprache, die teilweise von der ganzen Dorfbevölkerung als Geheimsprache verwendet wurde. "Bekaan Suss is a Massik!" - Dieses Pferd ist ein Quälgeist. "Was schuckt die Bore?" Was kostet die Kuh? Schuck heißt hier: die Mark.

Wie eng christliches und jüdisches Leben in Schopfloch verzahnt waren, zeigt das Brauchtum. So schaute im Spätherbst statt des Nikolaus der jüdische Balmerouche bei den Kindern vorbei. Schließlich sprachen auch die christlichen Viehhändler Lachoudisch, wenn sie vor fremden Zuhörern sicher sein wollten. "Dem sei Goje war a ganz a Letzi!" - Dem seine Ehefrau war eine Freche.

Kratzers Wortschatz

Singsang vor der Haustür

Mit der Zeit, so sagt Klepsch, sei das Lachoudische zur Alltagssprache geworden. Bis die Nazis die Juden aus Schopfloch vertrieben, in den Vernichtungslagern ermordeten und das Lachoudische verboten. "Die Sprache auszurotten, gelang ihnen aber nicht", sagt Klepsch. Nur, dass man nun statt Lachoudisch "laaf schmuesn" (schlecht sprechen) sagte, denn man tat ja etwas Verbotenes.

Die Schopflocher, die Klepsch kennengelernt hat, sprechen Lachoudisch in unterschiedlichem Maß. Manche kennen noch Hunderte Wörter. Lachoudisch hat sich heute zur familiären Geheimsprache gewandelt. Während der Untersuchungen von Klepsch verwendeten Schopflocher Kinder, die in Dinkelsbühl aufs Gymnasium gingen, auf dem Pausenhof Lachoudisch, um Neuigkeiten auszutauschen.