bedeckt München 27°

CSU: Otto Wiesheu:"Die Grünen sind nicht unser Maßstab"

Die CSU will bis 2020 aus der Atomenergie aussteigen - zum Ärger von Otto Wiesheu: Der Wirtschaftspolitiker warnt seine Partei vor einem unüberlegten Ausstieg aus der Atomkraft.

Annette Ramelsberger

Otto Wiesheu war jahrelang Wirtschaftsminister in Bayern, danach Bahn-Vorstand und einer der profiliertesten CSU-Politiker. Er ist Präsident des Wirtschaftsbeirats der Union. Wiesheu warnt seine Partei eindringlich vor einer unüberlegten Abkehr von der Atomenergie.

Otto Wiesheu, 2009

Otto Wiesheu, 2009 Otto Wiesheu, CSU-Politiker und Präsident des Wirtschaftsbeirats der Union, in seinem Büro am Münchner Hofgarten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Erkennen Sie Ihre Partei noch, Herr Wiesheu? Die CSU hat jetzt die Frauenquote, die Wehrpflicht ist abgeschafft, und jetzt will die CSU auch noch schnellstens aus der Atomkraft aussteigen.

Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Herausforderungen. Aber wir müssen stets genau überlegen, was ist richtig und was falsch. Das ist der Gradmesser für die Politik. Und nicht die Frage: Was kommt gerade an? Wir müssen uns danach richten, worauf es ankommt.

Richtet sich die CSU in der Energiepolitik zu sehr nach der öffentlichen Meinung?

Die CSU hat sich immer für Lösungen eingesetzt, die langfristig tragfähig sind, auch wenn sie aktuell nicht den Beifall der Leute finden. Auch jetzt müssen wir den Atomausstieg vom Ende her denken. Ich warne davor, Einzelereignisse als Wandel der Welt einzuschätzen. Andere Länder ziehen andere Folgerungen aus Fukushima als Deutschland. Die Frage ist schon, ob wir die Einzigen sind, die die richtige Entscheidung treffen. Sonst haben wir am Ende den Atomausstieg in Deutschland und beziehen Atomstrom aus dem Ausland.

Aber der Parteivorsitzende will den Atomausstieg innerhalb eines Jahrzehnts durchsetzen. Ist das realistisch?

Wir haben uns von der Atomenergie generell schon 2010 verabschiedet. Man kann den Ausstieg auch beschleunigen. Man kann sich dabei auch ehrgeizige Ziele setzen. Aber wir müssen auch den Weg zu diesem Ziel beschreiben. Wir können nicht ein Datum festsetzen, ohne dass wir wissen, ob die Umsetzung in diesem Zeitraum realistisch ist. Ein Weg, der nur mit Hoffnungswerten beschrieben wird, ist kein verlässlicher Weg. Das geht nicht auf. Erst wenn der Weg stimmt, ist auch das Datum stimmig.

Parteichef Seehofer hat den Atomausstieg aber zu seiner Sache gemacht. Hat er sich da verrannt?

Entscheidend ist, was sich in welchem Zeitraum realisieren lässt. Wir können nicht nach der Methode Politik machen: Schaun wir mal, dann sehen wir schon. Ich warne davor, den Atomausstieg wie eine Polizei- oder Schulreform zu behandeln. Bei Polizei und Schule kann der Staat in seinem Bereich Veränderungen anordnen - und auch da müssen wir hoffen, dass es funktioniert. Bei der Energiewende aber ist er auf die Mitwirkung von Industrie und Bevölkerung angewiesen. Das geht nicht einfach per Anordnung.

Umweltminister Markus Söder hat gera de sein Konzept vorgelegt. Mehr Gaskraftwerke, mehr Solarenergie, mehr Windkraft. Ist Ihnen das handfest genug?

Wir müssen sicherstellen können, dass die Leitungen für die Windkraftwerke in dieser kurzen Zeit ausgebaut werden können. Wir müssen wissen, wie schnell die Genehmigungsverfahren ablaufen, wie groß die Bürgerproteste werden. Ob wir die Kraftwerke so schnell bauen können. Gerade bei den Speicherkraftwerken sehe ich große Probleme: Wie groß sollen sie sein? Wo sollen sie hin? So ein Speicherkraftwerk ist mit dem Aufstauen von Wasser verbunden. Da wird geschützte Natur betroffen sein.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB