CSU ohne Guttenberg:Held weg, alles weg

Karl-Theodor zu Guttenberg war für die CSU so etwas wie ein Messias. Doch die Lichtgestalt ist weg. Wer bleibt, ist Parteichef Seehofer. Und der strickt schon fleißig an der Legendenbildung um Guttenberg - sicher nicht aus reiner Nächstenliebe.

Annette Ramelsberger

Es wird schon bald wunderbare Geschichten über Karl-Theodor zu Guttenberg geben: Wie die kleine, tapfere CSU ihren jungen Helden aus den bayerischen Bergen ins große Berlin gesandt hat, in strahlender Rüstung. Wie er dort viele gute Taten vollbrachte und die Wehrpflicht abschaffte. Wie das Volk ihn liebte und er gerade dabei war, ganz allein die Schlacht in Afghanistan zu gewinnen - als er von bösen Linken hinterrücks gemeuchelt wurde.

Seehofer gibt Personalien bekannt

CSU-Chef Horst Seehofer strickt schon fleißig an der Legendenbildung zu Guttenberg - aus gutem Grund.

(Foto: dpa)

Es sind Geschichten, in denen das Wort Doktor und Plagiat nicht mehr vorkommen wird, und die an den Stammtischen und unter den Herrgottswinkeln weitergegeben werden wie einst die Saga vom Märchenkönig Ludwig II, den auch dunkle Mächte gemeuchelt haben mussten, weil ein Selbstmord im Starnberger See ja so gar nicht heldenhaft wirkt.

Einer, der diese Legendenbildung eifrigst betreiben wird, ist Horst Seehofer - ausgerechnet der CSU-Parteichef, der gerade noch als "Parteivorsitzender von Guttenbergs Gnaden" verspottet wurde und dessen politischer Abstieg mit dem Aufstieg Guttenbergs untrennbar verbunden schien. Schon fängt Seehofer damit an: Er zeiht Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Bundestagspräsident Norbert Lammert von der CDU, dem CSU-Helden Guttenberg in den Rücken gefallen zu sein. Zur Dolchstoßlegende ist es da nicht mehr weit.

Seehofer nutzt die Gelegenheit, sich als Schutzengel des gefallenen Stars Guttenberg zu stilisieren. Schon vergangene Woche ließ er durchblicken, er habe den jungen Minister von einem Rücktritt abgehalten und dafür seine ganze Erfahrung mit persönlichen und politischen Krisen in die Waagschale geworfen. Nun, da alles nichts nützte, wird Seehofer zur fortschreitenden Heiligenverehrung Guttenbergs beitragen - wohl wissend, dass der ehemalige Rivale so schnell nicht wieder kommt.

Seehofer tut dies nicht aus lauter Liebe zu Guttenberg, er tut es für sich selbst. Er lenkt dadurch den Glanz des gestrauchelten Helden wenigstens ein wenig auf sich und seine Partei. Beide können sie ihn nötig gebrauchen. Seehofer selbst, weil er neben dem dynamischen Guttenberg immer ein wenig grau aussieht - wie ein Mann eben, der Strippen in Hinterzimmern zieht, keiner, der auf dem Times Square die Hände ausbreitet oder im Laufschritt die Transall am Hindukusch erklimmt.

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