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CSU-Generalsekretär Scheuer:"Botschafter Ihres Mitgefühls"

Inzwischen ist es ruhig um die die Euro-V.I.P-Initiative geworden. Mit dem Verein "Herzpartie" macht Scheuer seit Ende 2011 sein eigenes Ding und sammelt Geld ein. Als "Botschafter Ihres Mitgefühls" stellt sich der Verein im Internet vor. Für eine Kinderklinik in Passau hat er einen Scheck in Höhe von 4000 Euro dabei. Für die Armenspeisung im Kloster Niedernburg spendiert er 2000 Euro. Schwester Sidonia erinnert sich noch gut an die Begegnung mit dem Wohltäter, ein freundlicher Mann stand damals in ihrer Küche. "Das Geld war für Lebensmittel bestimmt", erzählt sie.

Und auch im Förderverein der Kinderklinik hörte man nur Gutes über Scheuer und seine soziale Ader. Nur wo das Geld genau herkommt, dass wissen beide nicht. Mal ist bei den Terminen "von einem großzügigen Spender aus Bayern, der ungenannt bleiben möchte" die Rede. Mal habe man das Geld einem "erfolgreichen Unternehmer in den etwas höheren Jahren" zu verdanken. Mehr erfährt man von Scheuer nicht.

Als Mitbegründer und Schatzmeister für seinen Herzpartie-Verein hat Scheuer den Unternehmer und früheren Rallyesportler Christian Geistdörfer gewonnen. Scheuer und Geistdörfer teilen eine Leidenschaft: Motorsport. Sie fahren zusammen Oldtimer-Rallyes. Geistdörfer sagt, er engagiere sich gerne für andere. Wie viel Geld er in den Verein einbringt, möchte er nicht sagen.

Scheuer kann Wünsche erfüllen

Die Zusammenarbeit mit Scheuer könnte auch aus einem anderen Grund eine gute Sache für ihn gewesen sein: Er wünschte sich leichtere Zulassungsregeln für Rallyeautos im Straßenverkehr. Auch solche Wünsche kann Scheuer offenbar erfüllen. "Auf Initiative von Christian Geistdörfer" habe es in seinem Ministerium eine Besprechung gegeben, ist auf Scheuers Homepage nachzulesen. Wenig später, Ende Oktober 2012, gilt eine neue Richtlinie. Sie fiel in Scheuers Zuständigkeitsbereich, bestätigt eine Ministeriumssprecherin.

Wieder verschwimmen Grenzen. Scheuer geht auf solche Nachfragen nicht ein. Geistdörfer erklärt, man möge seine Rolle nicht "überschätzen", er habe seinen Sachverstand als Praktiker eingebracht.

Wer sich anschaut, wer sonst noch hinter "Herzpartie" steckt, stößt auf ein Netzwerk an CSU-Politikern und deren Ehefrauen. Bei der Vereinsgründung am 10. Januar 2012 im Münchner Gasthof "Der Hufnagel" fungiert der Münchner CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume als Wahlleiter. Mitglied wurde er nicht, dafür aber seine Frau. Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Florian Hahn gehört mittlerweile dem Verein an. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl feierte er sich zweimal auf der Herzpartie-Seite als einen großzügigen Spendenüberbringer. Scheuers Verein geht auch auf Parteifreunde zu und fragt, wer in den Genuss von Spenden kommen sollte. So kommt das Kinderhospiz in Bad Grönenbach zu 2000 Euro - und der damalige Lokalpolitiker Klaus Holetschek (CSU) zum Fototermin mit Scheckübergabe.

Scheuer sucht gerade wieder Unterstützer für Herzpartie.

© SZ vom 07.02.2014/infu

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