CSU-Chef lästert über Finanzminister Seehofers neuer Liebling

Fast jede Führungskraft in der CSU hat schon mal die Faust in der Tasche geballt. Die Europapolitiker Markus Ferber und Manfred Weber sind darunter, auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Er gehörte einst zum Lager um dem früheren Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der für Seehofer heute nur noch ein "Glühwürmchen" ist. Landesgruppen-Chefin Gerda Hasselfeldt ist ihm zu brav. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer kann er nicht wirklich leiden - das beruht auf Gegenseitigkeit.

Namentlich lässt sich niemand über diese Schattenseiten des Chefs aus, nur jene, die nichts mehr zu verlieren haben. Der frühere Innenstaatssekretär Bernd Weiß, der im Streit 2009 von seinem Amt zurückgetreten ist, hat Seehofer erst vor wenigen Wochen so beschrieben: "Seehofer ist generell ganz klar von oben herunter. Er verlangt Unterordnung."

Im Establishment der Partei ist Seehofer immer ein Außenseiter gewesen, nie der Mannschaftsspieler. Personal beurteilt er danach, ob es ihm etwas bringt oder nicht und ob es ihm gefährlich werden kann oder nicht. "Wenn einer gute Presse hat, dann gefällt ihm das", sagt ein Kabinettsmitglied. Söder hatte lange gute Presse: Er räumte das Thema BayernLB ab, wurde schnell in den Staatsfinanzen heimisch und deckte für die CSU die Flanke der Euro-Rettungskritiker ab. Erst gab Söder nur den Mahner, dann den Henker: Die Griechen müssen raus aus der Eurozone, notfalls müssten die Deutschen Griechenland "vom Rettungsseil" schneiden.

Da war die Presse plötzlich nicht mehr gut, der Mainstream ein anderer. Und Seehofer hatte plötzlich einen neuen Liebling entdeckt: Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Im September verpflichtete Seehofer Aigner für die Landtagswahl, sie wechselt im nächsten Jahr nach München. Für Söder heißt das, er kann sich hinten anstellen, wenn es in der Partei etwas zu verteilen gibt. Seither ist das Verhältnis zwischen Söder und Seehofer schwieriger geworden.

"Das würde ja bedeuten, dass ich nicht ehrlich bin"

Am Sonntag rauschten beide wieder zusammen. Seehofer hat plötzlich seine Griechenland-Begeisterung entdeckt und Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras in seinen Amtssitz zum Abendessen eingeladen. Seinen Finanzminister Söder hat Seehofer nicht mitgenommen - ein offener Affront. Söder rächte sich mit einem Kommentar auf Twitter, in dem er sich als "ehrlichen" Politiker darstellte, was Seehofer empörte: "Das würde ja bedeuten, dass ich nicht ehrlich bin." Tags darauf war Söder mit einem Interview ganz groß in der Bild. Seehofer und Samaras waren nur ein kleineres Thema. Auch das gefiel dem Chef wohl nicht.

Als Seehofer sich am Dienstag nach der Landtagsfeier verabschiedet, sagt er mehreren Menschen denselben Satz: "Macht's so weiter." Das ist, wie alles an Seehofer, mehrdeutig. Man kann es als Resignation, als Überheblichkeit oder als Warnung lesen. Dann ist er weg. Man trifft sich spätestens und ausgerechnet in Söders Heimat Nürnberg wieder.

Dort tagt das Kabinett am kommenden Dienstag zum Jahresabschluss auf der Kaiserburg, und Söder ist der Hausherr. Man will gemeinsam über den Christkindlesmarkt gehen, Gelegenheit für viele schöne Bilder voll adventlicher Harmonie und weihnachtlichem Frieden. Im Anschluss treffen sich die Minister zur Weihnachtsfeier. Journalisten sind diesmal nicht hinzugebeten.