CSU-Aufsteiger Albert Füracker Söders Zwillingsbruder

Zwei Spezl auf der Regierungsbank: Staatssekretär Albert Füracker und sein Chef, Finanzminister Markus Söder.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Albert Füracker soll beim Bezirkparteitag zum neuen Vorsitzenden der Oberpfalz-CSU gewählt werden.
  • Er ist der einzige Kandidat als Nachfolger von Sozialministerin Emilia Müller.
  • Der Landwirt aus der oberpfälzischen Provinz ist derzeit Staatssekretär ins Finanz- und Heimatministerium.
Von Wolfgang Wittl, Barbing

Es ist ihr erster größerer Parteiauftritt nach ihrem Krankenhausaufenthalt, doch trotz aller Strapazen will Emilia Müller ihn sich nicht entgehen lassen. Die Bühne wird sogar umgebaut werden müssen, da Müller mit ihren Kräften haushalten muss. Nach dem Bruch ihres Beckenrings vor einem Monat geht die Sozialministerin immer noch an Krücken. Manch einer der CSU-Delegierten, die in Barbing bei Regensburg zum Bezirkparteitag zusammenkommen, könnte darin ein Bild voller Symbolik erkennen: Hier die humpelnde Ministerin, dort der baumlange, vor Vitalität strotzende Staatssekretär, der ihr als Chef der Oberpfälzer CSU nachfolgen soll. Doch Albert Füracker würde so etwas natürlich nie behaupten.

Sofern nicht ein mittleres Wunder geschieht, wird Füracker, 47, am Samstag mit deutlicher Mehrheit zum neuen Vorsitzenden der Oberpfalz-CSU gewählt. Nicht nur, weil er der einzige Kandidat sein wird, sondern weil schon seit einiger Zeit alles auf ihn zugelaufen ist. Ein starker Typ sei dieser Füracker, sagen Parteifreunde, sie meinen das wörtlich. Und dass jetzt der richtige Zeitpunkt für den Stabwechsel gekommen sei. Müller bezeichnet ihren Rückzug als "Vernunftentscheidung", das Thema Asyl nimmt die Sozialministerium hinreichend in Anspruch. Als sie signalisierte, dass sie den Bezirksvorsitz nach sieben Jahren abgeben werde, gab es in der Oberpfalz keine Diskussionen: Füracker soll es machen. Und er will es jetzt auch.

Landwirt im Ministerium

Selbstverständlich war das nicht. Erst 2008 mit dem Einzug in den Landtag entschied sich für Füracker, dass er die Politik zum Beruf machen will. Bis dahin arbeitete er als Landwirt in einem Weiler mit 150 Einwohnern, die politische Saat ging zunächst im Kommunalen auf. Als 22-Jähriger war der vierfache Familienvater in den Kreistag von Neumarkt eingezogen, später wurde er zweiter Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Lupburg, stellvertretender Landrat und CSU-Kreisvorsitzender. In der JU war er vier Jahre Landes-Vize - übrigens unter einem gewissen Markus Söder. Der holte ihn 2013 als Staatssekretär ins Finanz- und Heimatministerium. Bereits damals galt Füracker als ministrabel.

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Wie zweieiige Zwillinge seien Söder und Füracker, heißt es im Landtag. Wenn der eine zum anderen befragt wird, loben sie sich fast mit identischen Worten. Strategisch klug, durchsetzungsstark, man arbeite "auf Augenhöhe" zusammen, sagt Söder. 1,90 Meter misst Füracker, sein Chef ist noch ein paar Zentimeter länger. Beide auf hohem Niveau, Söder einen Tick voraus - so könnte man sich auch das politische Selbstverständnis des Tandems vorstellen. Füracker nutzt die Freiheiten, die sein Chef ihm lässt. Breitbandausbau, Landesentwicklungsprogramm, Regionalmanagement, Behördenverlagerung: Füracker, der sich als glühender Verfechter des ländlichen Raums bezeichnet, räumt alle ihm anvertrauten Aufgaben zuverlässig ab, verlautet aus dem Ministerium. Andererseits weiß Füracker, wem er die Bühne zu überlassen hat. Es sei nicht seine Aufgabe, neben dem Minister aufzufallen.

Minister im nächsten Kabinett?

Die Bescheidenheit hat System im Fürackerschen Wortschatz. Wenn er seine Arbeit bewerten soll, klingt das so: Er habe nicht den Eindruck, dass alle Menschen über ihn schimpfen würden. Und dass er die Rolle annehme, die ihm zugeteilt werde. Als Söder unlängst einen seiner beiden Staatssekretäre an das überlastete Sozialministerium abgeben musste, war klar, dass es Johannes Hintersberger treffen würde. Dass der neue CSU-Bezirkschef Füracker unter seiner Vorgängerin Müller angesiedelt wäre, diese Konstellation wäre etwas seltsam gewesen. Ebenso wie die Vorstellung, dass Söder seinen Intimus hätte ziehen lassen. Zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben wird Füracker künftig also auch nach Berlin reisen, um Finanzfragen mit dem Bund zu klären - die nächste Erweiterung seines Horizonts, wie er sagt.

Wo dieser endet, ist im Moment nicht abzusehen. Von seinem Büro aus blickt Füracker direkt auf die Regierungszentrale. Als Staatskanzleichefin Christine Haderthauer wegen ihrer Modellbau-Affäre abtreten musste, wurde Füracker als aussichtsreicher Nachfolger gehandelt. Als sicher gilt in CSU-Kreisen, dass er im nächsten Kabinett als Minister vertreten sein wird - egal unter welchem Chef. Füracker spricht lieber über die Zusammenarbeit mit Kommunen, die Förderung schwächerer Regionen, solche Sachen. Eine seiner Stärken: Füracker wisse sehr genau, wann er sich zurückzunehmen habe, sagt ein Parteifreund.

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Nun aber ist der Zeitpunkt gekommen, den nächsten Schritt zu machen. Die Oberpfalz ist der zweitstärkste Bezirksverband der CSU, er wolle an Müllers gute Arbeit anknüpfen, erklärt Füracker. "Die Oberpfalz wird durch ihn stärker", sagt Söder. Auch die beiden Freunde dürften nicht schwächer werden. Dass Füracker ein gutes Resultat erzielen wird, steht für Beobachter außer Frage. Optimal wäre wohl ein Ergebnis von knapp 98 Prozent - etwas weniger, als Söder in seinem Bezirk erzielte.