Coburg Unseriöse Arbeitsweise

Bei der Frankfurter Buchmesse hat er mit seiner Literatur-Agentur, die seinen Namen trägt, nach eigenen Angaben einen "Doppelstand". Laut Messe ist er dort allerdings nicht erschienen. Dem Veranstalter sind im Umgang mit unseriösen Agenten die Hände gebunden: Solange eine Strafe auf Bewährung ausgesetzt ist, könne man einen Agenten nicht abweisen, sagt eine Sprecherin.

Weil nicht auszuschließen ist, dass der 73-Jährige doch noch endlich seriös arbeiten wird, darf er öffentlich nicht an den Pranger gestellt werden. Das wäre geschäftsschädigend, und er könnte Schadenersatz geltend machen. Und weil er nicht prominent ist, hat er auch Anspruch darauf, dass sein Name nicht genannt wird. Bekannt ist der Agent in der Literatur-Szene trotzdem.

Sein Treiben sorgt nicht nur bei geprellten Autoren für Unmut, sondern auch in Verlagskreisen. Gerhard Groß aus Augsburg etwa versucht seit langer Zeit, Axel P. zur Herausgabe von Original-Fotografien mit dem Dichter Bertolt Brecht zu bewegen. Die Mutter von Groß, Paula Banholzer, war die Jugendliebe Brechts, von ihm bekam sie als 18-Jährige ein uneheliches Kind. Banholzer veröffentlichte mit Axel P. ihre Erinnerungen an Brecht - damals übergab sie P. einige Original-Fotografien mit Brecht. Mit dabei war ein bis heute unveröffentlichtes Bild, auf dem Brecht eine weiße Mozartperücke trägt.

Ein ungewöhnliches Foto von beträchtlichem Wert. Doch es ist offenbar verschollen. "Diese Arbeitsweise ist äußerst unseriös", sagt Matthias Reiner vom Suhrkamp-Verlag über das Vorgehen Axel P.s. Bei derart wertvollem Material sei es "absolut unüblich", sich Originale geben zu lassen - "und wenn, dann muss man einen Vertrag aufsetzen mit einer Regelung für den Fall des Verlustes."

Ein Angebot zur Seelsorge

Axel P. schickte der betagten Paula Banholzer Kopien zurück, die er von den Originalen abfotografiert hatte - mit dem Hinweis, diese seien noch besser als die Originale. "Diese Kopien sind dilettantisch" betont Reiner, für eine Veröffentlichung seien sie ungeeignet. Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung beteuert Axel P., er habe die Originale schon vor Jahrzehnten zurückgegeben. Einen Beleg kann er aber nicht vorweisen. Über das Urteil vom 29.September will er gar nicht sprechen.

Stattdessen lässt er seinen Anwalt anrufen und mit rechtlichen Schritten drohen. Axel P. lebt nach eigenen Angaben von 365 Euro Rente plus 1000 Euro als angestellter Buchhändler. So hat er es vor Gericht angegeben. Im Teilnehmer-Register der Buchmesse taucht er dagegen als "Geschäftsführer" auf.

Pfarrer Arnold aus Untersiemau hat das Kapitel Axel P. auf seine Weise abgeschlossen: "Ich habe ihm einen seelsorgerischen Brief geschrieben und angeboten, er kann jederzeit beichten, wenn er das Bedürfnis hat." Axel P. hat noch nicht geantwortet. Im Internet kündigt er bereits seinen Auftritt auf der Leipziger Buchmesse an.