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Bürgerentscheide zu Olympia:"Am Anfang war die Euphorie größer"

Für die organisiert in Traunstein Beate Rutkowski den Widerstand. Ihre Zentrale ist das kleine Büro des Bund Naturschutz, dessen Kreisvorsitzende sie ist. "Am Anfang war die Euphorie größer", glaubt sie. "Je mehr nachgedacht wird, desto mehr Sorgen und Kritik kommen." Die Gegenargumente sind auf dem Land nicht viel anders als in München: die einseitigen Verträge des IOC. Der hohe Flächenverbrauch. Die Natur- und Umweltzerstörung. Unkalkulierbare Kosten gerade für den finanzschwachen Alpenrand.

"Das Thema emotionalisiert", sagt sie. Bei ihrer Infoveranstaltung in Traunstein hätten die Sitzplätze nicht gereicht. Solch einen Zulauf ist der BN bei seinen Themen nicht gewohnt. "Mir ist ein Rätsel, wie die Bürgermeister mit gutem Gewissen für Winterspiele werben können. Den Menschen ist nicht klar, was auf sie zukommt", sagt Rutkowski.

Einer der voll hinter der Bewerbung steht, ist der Ruhpoldinger Bürgermeister Claus Pichler (SPD). Im voll besetzten Kurhaus wirbt er für die "einzigartige Chance". Planer Matthias Schöner und Chiemgau-Arena-Chef Engelbert Schweiger mühen sich dann redlich, Begeisterung für das Konzept zu erzeugen. Ausgerechnet die Bauern, die bei der 2018er Bewerbung in Garmisch am härtesten Widerstand leisteten, reißen die Veranstaltung heraus.

Olympiabewerbung Was Sie über die Bürgerentscheide wissen müssen
Olympiabewerbung 2022

Was Sie über die Bürgerentscheide wissen müssen

München will sich erneut um die Olympischen Winterspiele bewerben - mit einem leicht veränderten Konzept. Doch zuerst müssen die Bürger über München 2022 abstimmen. Bislang sieht es so aus, als würde das Quorum in der Landeshauptstadt erreicht. Was Sie über den Entscheid wissen müssen.   Fragen und Antworten von Anna Fischhaber und Ingrid Fuchs

Alle 15 hätten bereits die Absichtserklärungen für das temporäre Langlaufzentrum unterschrieben, sagt Hans Hallweger. "Mir stinkt's, wenn sich andere Leute über unsere Grundstücke Gedanken machen. Wir sind die Bauern." Sie würden schon aufpassen auf ihr Eigentum. "Wenn was geteert wird, wird's abgeblasen." Sein Kollege Josef Zeller sagt: "Wir müssen was tun für unsere Zukunft."

"Eine Geldmaschinerie"

Es steht im Ruhpoldinger Kurhaus aber auch Walter Pichler auf, selbst als Biathlet Bronzemedaillengewinner bei Winterspielen. "Warum einer wie ich gegen die Bewerbung ist?", fragt er, um gleich die Antwort zu geben: Die Spiele seien nichts anderes mehr als "eine Geldmaschinerie", von Doping verseucht, in den Kosten unkalkulierbar. Es bleibt eine Meinung der Stillen, im Saal ist es die Minderheit. Wie viele tatsächlich gegen Winterspiele sind? Bürgermeister Pichler glaubt an eine Mehrheit im Ort, im Landkreis will er sich nicht festlegen. So viele, dass es knapp wird, auf alle Fälle. Er hofft auf die Solidarität im Landkreis.

Die könnte schon in den Nachbarorten aufhören. Die Inzeller, Besitzer der modernsten Eislaufhalle Deutschlands, machten in einer Bürgerversammlung deutlich, dass sie nicht Journalisten in der Halle sehen wollen, sondern Eisschnellläufer. Bürgermeister Martin Hobmaier (CSU) erzählt von einer "explosiven Stimmung". Die habe sich erst gelegt, als er versprochen habe, noch mal zu verhandeln. Wenigstens die Eiszeit im Herbst vor den Spielen will er retten. In dieser Periode kommen viele Gäste zum Training. In Reit im Winkl wiederum haben sich viele Hoffnungen gemacht, die Langlaufwettbewerbe austragen zu können. Der Ärger, dass sie nun so gar nicht olympisch werden, könnte sich an der Wahlurne entladen.

Nur in Garmisch-Partenkirchen, der Hochburg sämtlicher Entladungen bei der Bewerbung 2018, scheint diesmal Eintracht zu herrschen. Die Entlastung im Konzept lässt viele an eine größere Ski-WM denken. Von einer olympischen Mehrheit gehen viele aus, doch muss die auch zur Wahl gehen. Sonst wird es auch hier knapp, manche Rechnung der letzten Bewerbung ist noch offen.

Bürgerentscheid zu Olympia 2022

Argumente am Alpenrand