bedeckt München 22°

Bienensterben:"Die Bevölkerung hat Anspruch auf den Schutz der Natur"

Aber das ist es nicht alleine, was Schäffer ärgert. Alle wissenschaftlichen Analysen kommen zu dem Ergebnis, dass es die industrielle Landwirtschaft mit ihrem massiven Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln ist, auf deren Konto der dramatische Schwund von Flora und Fauna geht. Dabei flössen Milliarden Steuergeld in die Landwirtschaft. "Die Bevölkerung hat Anspruch auf den Schutz der Natur. Denn es ist auch ihre, nicht nur die der Bauern."

Dabei richtet sich seine Kritik weniger gegen die Bauern. Sondern vor allem gegen die Politik. "Denn sie trägt die Verantwortung für das System der industriellen Landwirtschaft", sagt Schäffer. Die Bauern sind für ihn Opfer "einer völlig verfehlten Agrarpolitik". Der ungebremste Artenverlust müsse jedem klar machen, dass die bisherige Agrarpolitik gescheitert sei.

Zeitgeist Zeit, in Panik zu geraten
Klimawandel

Zeit, in Panik zu geraten

Beim Klimawandel liegen Handlung und Folge zu weit auseinander, um eine schlüssige Erzählung zu ergeben - für normale Gehirne. Über die Macht der Greta Thunberg.   Von Philipp Bovermann

Die Forderungen des Volksbegehrens, etwa nach Uferrandstreifen, auf denen nicht geackert werden darf, oder einem Biotopverbund von mindestens zehn Prozent des Offenlandes haben für Schäffer nichts mit "Bauern-Bashing" zu tun. Für ihn handelt es sich um Minimalstandards einer nachhaltigen Landwirtschaft, "die ihren Namen verdient". Auch wolle man sie "mit den Bauern, nicht gegen sie" umsetzen: "Das wird nicht ohne neue Förderprogramme gehen. Unser Volksbegehren ist ein gigantisches Investitionsprogramm in eine nachhaltige Landwirtschaft."

Im Bauernverband dagegen warnen sie vor einem weiteren Niedergang, und sogar vor einem Hofsterben. Geld würde er wohl verlieren, wenn etwa die Förderung für Gewässerrandstreifen wegfalle, falls diese Pflicht seien, sagt Mayerhofer. Ihn treibt etwas anderes mehr um, das ihm das Volksbegehren streitig mache: Flexibilität. Zum Beispiel bei den gewünschten strengen Regeln für Hecken: "Ich muss wirtschaften, mein Boden ist mein Kapital. Wenn ich da den Ackerstatus verliere, ist das ein Wertverlust." Oder bei Pflanzenschutzmitteln: Da erprobe er mechanische Alternativen und versuche zu reduzieren, müsse jedoch flexibel bleiben bei Bedarf. "Ich tue, was ich kann. Aber die Gesetze der Ökonomie sind schlecht auszuhebeln."

Und die 30-Prozent-Öko-Quote im Volksbegehren? "Wie soll das gehen? Mit Zwang?", fragt Mayerhofer. Der Markt mit entsprechenden Preisen sei nicht da, er kenne Bauern, die Bio-Produkte als konventionelle verkaufen, um sie abzusetzen. Und solange jeder gern im Schnellimbiss sitze, brauche man da nicht zu träumen. Er habe seine Lage sondiert. Die Schweine, "die krieg' ich nie in Öko rein", außer mit einer halben Million Euro Investment, mindestens. Einen Fachmann für Öko-Landbau habe er bestellt. Die Umstellung gehe nur für den ganzen Betrieb und das sei schier unmöglich; häppchenweise probieren würde Mayerhofer gern, wenn er denn dürfte.

Ihn empört die Vorschreiberei, die Quoten; Reden mit den Bauern, gemeinsames Entwickeln von Ideen, kluge Anreize - das wäre sinnvoller. Wie man in Niederbayern sage: "Die Leute mit der Pelzhaube einfangen." Die Zukunft der Landwirtschaft ist für ihn ein Zusammenwachsen von Öko und konventionell, ein Hybrid, das Beste aus beidem. Und man dürfe den Bedarf an Lebensmitteln nicht außer Acht lassen.

Politik in Bayern "Wir wollen gesellschaftlichen Frieden schaffen"
Volksbegehren Artenvielfalt

"Wir wollen gesellschaftlichen Frieden schaffen"

Ministerpräsident Markus Söder wollte das Ergebnis des Volksbegehrens abwarten. Wegen der großen Resonanz kündigt er nun schon vorab einen runden Tisch an. Die Grünen sprechen von "wirkungslosen Konsensrunden".   Von Wolfgang Wittl

Schäffer hingegen kann die Furcht vor der 30-Prozent-Öko-Quote nicht nachvollziehen. "Das ist genauso wie bei vielen anderen Forderungen von uns", sagt der LBV-Chef. "Wir verlangen, dass die Staatsregierung sie sich als Ziel vornimmt und ihre Agrarpolitik darauf ausrichtet." Keiner wolle und könne Bauern zum Umstellen zwingen. Vorbild des Volksbegehrens sei vielmehr das Öko-Programm des früheren Agrarministers Helmut Brunner (CSU). Der hatte 2012 angekündigt, die Zahl der Biobauern bis 2020 zu verdoppeln - unter anderem durch neue Kooperationen mit Vermarktern.

"Jetzt haben wir gut 9000 Biohöfe in Bayern", sagt der Chef von Bioland Bayern, Josef Wetzstein. "Das sind zehn Prozent der bayerischen Bauern. Bald begrüßen wir den zehntausendsten Biobauern." 2012 gab es nur sechs Prozent Biobauern. Für Wetzstein ist das 30-Prozent-Ziel "durchaus zu schaffen". Zumal die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln boomt. Das zeigt die neue Kooperation von Bioland und Lidl. "Die Discounter-Kette wäre sie nicht eingegangen, wenn ihre Marktstrategen keine Absatzchancen für unsere Produkte sähen", sagt Wetzstein. "Und wir haben einen neuen Markt." Bioland unterstützt das Volksbegehren.

Georg Mayerhofer sagt, manchmal verliere er "momentan ein bisschen den Mut". Angesichts der scharfen Debatte, angesichts der "Spaltung" - durch das Volksbegehren, aber etwa auch durch die "Wir haben es satt"-Demos. Da gehe vieles "unter die Gürtellinie", auf Facebook herrsche "Krieg". Wenn er mit Leuten diskutiere, seien einige "ideologisch verbohrt", andere "gar nicht so weit weg". Als Feind sieht er keinen. Dass manche Bauern die Initiatoren des Volksbegehrens "Öko-Populisten" nennen, sei ihm "zu happig", das sei nicht dazu geeignet, Brücken zu bauen. Das Volksbegehren sei es aber ebenfalls nicht.

Umwelt und Naturschutz in Bayern Die letzten Apollos

Volksbegehren Artenvielfalt

Die letzten Apollos

Moderne Landwirtschaft, Flächenfraß, Bodenversiegelung: Sie bedrohen die Lebensräume der Schmetterlinge und anderer Wildtiere. Der Rote Apollo steht beispielhaft für den Niedergang der Insektenwelt - und dessen Ursachen.