Spendenaktion:Alles für die Gams

Thomas Huber; Thomas Huber

Extremkletterer Thomas Huber wirbt jetzt für den Schutz der Gams.

(Foto: Stefan Wiebel)

Der Landesjagdverband wirbt mit dem Kletterer Thomas Huber für die Rettung der Wildart. Womöglich geht es der aber besser als befürchtet.

Von Christian Sebald

Thomas Huber ist einer der bekanntesten Extrem-Bergsteiger der Gegenwart. Der ältere der beiden Huber-Buam klettert seit seinem zehnten Lebensjahr, zumeist mit seinem Bruder Alexander. Mit ihm, aber auch alleine hat der mittlerweile 54-jährige Alpinist aus Berchtesgaden jede Menge schier übermenschlich schwierige Kletterrouten weltweit begangen und immer wieder Rekorde gebrochen. Seine wohl größte Leidenschaft ist das Speedklettern. Der preisgekrönte Dokumentarfilm "Am Limit" von 2007 zeigt, wie die Huber-Buam im kalifornischen Yosemite-Nationalpark die 1000 Meter hohe Felswand des El Capitain hinaufstürmen. Ihr Rekord am 8. Oktober 2007: 2:45:45 Stunden. Die Erstdurchsteigung der Wand 1958 hatte 45 Tage gedauert.

Jetzt ist Thomas Huber in eine neue Rolle geschlüpft. Seit Kurzem ist er "internationaler Botschafter" des neuen Gamsprojekts, das der bayerische Jagdverband (BJV) mit der Salzburger Jägerschaft und weiteren österreichischen Jägerorganisationen gestartet hat. Mit dem Projekt wollen die Jäger nicht nur für die Gams werben und die Akzeptanz der Wildart stärken. Sondern sie wollen außerdem Forschungen anstoßen und die Lebensräume der Gämsen verbessern, die für gewöhnlich über der Waldgrenze in den Felsregionen liegen. Denn darin sind sich der Jagdverband und die anderen Organisationen einig: "Es ist fünf nach zwölf" für die Gams, so haben sie es via Pressemitteilung zum Start des Projekts wissen lassen.

Der Jäger-Präsident und CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch nennt das neue Projekt denn auch sein "aktuelles Lieblingsthema". Dazu muss man wissen, dass seit Jahren in den bayerischen Alpenregionen ein wüster Streit um die Gams tobt. Viele Jäger und BJV-Funktionäre, aber auch Tierschützer sind der Überzeugung, dass es schlecht steht um die Gämsen in Bayern. "Katastrophale Verhältnisse", "überjagt" und "instabile Bestände" lauten die Formulierungen, bisweilen wird sogar von "Ausrottung" gesprochen.

Die Deutsche Wildtierstiftung mit Sitz in Hamburg hat schon seit Jahren das Projekt "Gamswild in Bayern" laufen, mit dem sie Verbesserungen für die Art erreichen will. Neue Nahrung hat der Streit vor einem Jahr erfahren, als das Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Gams auf die Vorwarnliste der Roten Liste nahm. Zwar sagen die BfN-Experten, dass die Bestände in Bayern stabil sind - sie werden auf 15 000 bis 20 000 Tiere geschätzt. Aber die Gams ist im Vergleich zu anderen Wildarten selten. Außerdem stellen die Klimakrise, der boomende Bergtourismus und die vergleichsweise scharfe Jagd ein Risiko für die Art dar. Deshalb die Vorwarnstufe.

"Wenn der Gams da ist, dann passt alles", sagt Huber

Die Förster entgegnen, dass die Gämsen vielerorts eine Gefahr für den Bergwald sind. Vor allem für den Schutzwald, der Ortschaften, Straßen und andere Verkehrswege vor Muren, Lawinen und Sturzfluten bewahren soll. Denn die Gämsen fressen vielerorts die Triebe der jungen Bäume zusammen, so dass die Bergwälder nicht von alleine nachwachsen können. In Schutzwald-Sanierungsgebieten dürfen Gämsen deshalb sogar außerhalb der Jagdzeit geschossen werden. Das sind die Gebiete, in die Millionen Euro gesteckt werden, damit ein Schutzwald heranwächst. An der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft laufen seit fünf Jahren aufwendige Forschungen über die Gams. Erste Resultate deuten darauf hin, dass es nicht so schlecht um sie steht, wie manche befürchten.

Nun also wirbt Thomas Huber für die Gams. Das Motto lautet "Kletterer für Kletterer". In einem stimmungsvollen Clip auf der BJV-Homepage kann man dem Extrem-Bergsteiger, der inzwischen auch den Jagdschein hat, zusehen, wie er an einem Nebeltag im Gebirge unterwegs ist. Dazu sagt er: "Seit ich als Kind am Berg unterwegs bin, war immer der Gams unser Begleiter." Beim Zustieg und beim Klettern sehe er "unsere tierischen Kameraden" rechts und links von sich. Die Wendigkeit und Sicherheit begeistere ihn, sagt Huber. "Wenn der Gams da ist, dann passt alles."

Außerdem hat der BJV im Internet einen Spendenaufruf gestartet. Für Forschungen und Verbesserungen der Gams-Lebensräume will er 9999 Euro einsammeln. Stand Dienstag waren neun Spenden zugesagt. Ihr Volumen: 355 Euro. Eine BJV-Sprecherin sagte, insgesamt sei aber ein "erfreulicher fünfstelliger Betrag" eingegangen. Offenbar sei das Vertrauen in die Banküberweisung größer als in eine Spendenplattform.

© SZ vom 15.09.2021/mba
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