Artenschutz:In Bayern gibt es so viele Störche wie nie zuvor

Storch in Raisting

Die Störche profitieren unter anderem von der Renaturierung in Bayern.

(Foto: dpa)

Renaturierung, wiedererrichtete Horste und verändertes Zugverhalten: Gleich mehrere Faktoren begünstigen die außergewöhnlichen Bruterfolge der Vögel.

Von Christian Sebald, Hilpoltstein

Die Wiederausbreitung der Störche ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Artenschutzes in Bayern. 1988 gab es keine 60 Brutpaare mehr. Die Sorge um die großen, bis auf die schwarzen Schwungfedern reinweißen Zugvögel mit dem markanten roten Schnabel war so groß, dass der Freistaat eines seiner ersten Artenhilfsprogramme für sie einrichtete. In seinem Rahmen wurden nasse Wiesen und andere Lebensräume renaturiert, Horste wiederhergerichtet und Gefahren wie offene Schlote entschärft.

Dieses Jahr, also nur gute 30 Jahre später, wurden mehr als 800 Storchen-Brutpaare in Bayern gezählt. "Mit so einem Riesenerfolg hat keiner gerechnet", sagt die Biologin und Storchen-Expertin des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Oda Wieding. "Wir haben anfangs ja nicht einmal geglaubt, dass wir die 250 Brutpaare erreichen können, die es um 1900 in Bayern gegeben hat."

Inzwischen sind im Freistaat die allermeisten Lebensräume wieder besiedelt, die für Störche taugen. Dieser Tage sammeln sich die Zugvögel in Vorbereitung ihres Winterflugs gen Süden wieder in größeren Trupps am Himmel. Am Oberlauf der Altmühl, im mittelfränkischen Herrieden, wurden unlängst auf einen Schlag 180 Störche gezählt. Wieding rechnet damit, dass sich dieses Jahr mehr als hundert Brutpaare neu angesiedelt haben im Freistaat. Die bevorzugten Regionen sind - wie in den vergangenen Jahren - Schwaben und Mittelfranken. Dem Storchen-Boom haben selbst die starken Regenfälle im Mai und Juni nicht schaden können.

Zwar hat es wegen der vielen Regenfälle einige Verluste unter den Jungvögeln gegeben. Der Grund: Wenn das Gefieder der Elterntiere nass wird, können diese nicht mehr so gut fliegen und Regenwürmer, Insekten und anderes Futter für die Jungen im Horst herbeischaffen, wie Wieding sagt. Wenn es ganz schlimm kommt, geht deshalb das eine oder andere Junge ein.

Vor allem im Voralpenland, wo es sehr viel mehr geregnet hat als weiter nördlich, haben die Brutpaare dieses Jahr oft nur eines von ihren durchschnittlich drei oder gar vier Jungen durchbekommen. In Nordschwaben, Franken und der Oberpfalz, wo es trockener war, waren die Bruterfolge dagegen sehr viel besser. "Bayernweit dürften die Verluste deshalb insgesamt weniger schlimm sein, als zunächst befürchtet", sagt Wieding. Die Biologin schätzt, dass im Freistaat dieses Jahr ungefähr 1500 junge Störche flügge geworden sind.

Das aufwendige Artenschutzprogramm ist übrigens nur ein Grund, warum es den Störchen in Bayern so viel besser geht als noch vor wenigen Jahrzehnten. Ein anderer, nicht weniger wichtiger Aspekt ist, dass sich sehr viele Störche längst den anstrengenden Winterflug in das subsaharische Afrika schenken, auf dem viele tödliche Gefahren lauern. "Sie bleiben stattdessen in Spanien oder Nordafrika", sagt Wieding.

Denn dort haben sie inzwischen ideale Überwinterungsbedingungen. Die offenen Müllkippen dort mit ihren Unmengen an Fleisch und Fischresten sind ein reichlich gedeckter Tisch für Störche. Auch der Strukturwandel der spanischen Landwirtschaft begünstigt die Vögel. Gerade in Südspanien legen die Bauern immer mehr Reisfelder an. "Das sind optimale Feuchtgebiete für Störche", sagt Wieding. "In so einem Reisfeld fühlen sie sich richtig wohl."

© SZ vom 14.08.2021/lfr
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