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Neue SPD-Spitze in Bayern:Aufschwung oder Auflösung

Digitaler Landesparteitag der Bayern-SPD

Florian von Brunn und Ronja Endres auf dem digitalen Landesparteitag der Bayern-SPD

(Foto: dpa)

Wofür steht die SPD in Bayern? Ronja Endres und Florian von Brunn werden darauf eine Antwort geben müssen. Sonst wird es nichts mit dem Neustart.

Kommentar von Katja Auer

Den Neustart hat Ronja Endres bei ihrer Wahl als neue SPD-Co-Vorsitzende ausgerufen, gar die Trendwende versprochen. Es ist der SPD ja zu wünschen, aber man muss kein großes Zyniker sein, um auf derlei Ankündigungen gedanklich ein müdes "schon wieder" zu ergänzen. Dabei droht der Bayern-SPD längst die Auflösung im politischen Nirwana.

Von Optimismus und Aufbruchstimmung war auch vor vier Jahren die Rede, damals wurde Natascha Kohnen zur SPD-Chefin gewählt. Mit mehr Herz und weniger Kopf wollte sie die SPD voranbringen. Acht Jahre zuvor übernahm der damals 36-jährige Florian Pronold die Partei von SPD-Urviech Ludwig Stiegler, mit dem Generationenwechsel sollte endlich der Aufschwung kommen.

Die SPD ist kaum wahrzunehmen

Stattdessen ist der Niedergang konsequent fortgeschritten, historisch schlechte 9,7 Prozent bei der Landtagswahl 2018, den jüngsten Umfragen zufolge muss die SPD bald um den Wiedereinzug in den Landtag fürchten. Allein am Führungspersonal kann es nicht liegen, die Neuen waren stets motiviert, die SPD ist jünger geworden, weiblicher, mit Arif Taşdelen als neuem Generalsekretär bildet sie nun auch Menschen mit Migrationshintergrund in der Spitze ab.

Doch von den meisten Wählern ist die Bayern-SPD weiter entfernt denn je. Gremien und interne Strukturen scheinen die Genossen mehr zu beschäftigen als das echte Leben. Dabei gibt es Armut im reichen Bayern, das Wohnen ist teuer, die Arbeitswelt verändert sich, alles ureigene Themen der SPD. Und ist nicht Solidarität notwendiger denn je? Die SPD jedoch ist kaum wahrzunehmen.

Bei der desaströsen Landtagswahl 2018 verlor die SPD etwa 200 000 Stimmen an die Grünen, um die 100 000 an die CSU und noch einmal fast doppelt so viele an alle anderen Parteien. In alle Richtungen flüchteten die ehemaligen SPD-Wähler, obwohl ein Angebot fehlt für jene, denen die Grünen zu elitär sind und die CSU zu söderig wird.

Wofür steht die SPD in Bayern, diese Frage blieb in den vergangenen Jahren stets offen. Ronja Endres und Florian von Brunn werden darauf eine Antwort geben müssen, sonst wird es nichts mit dem Neustart. Und niemand will das hernach bestätigen müssen mit einem müden "schon wieder".

© SZ vom 26.04.2021
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