Inzwischen 11,6 Hektar am Tag:Flächenverbrauch steigt unvermindert an

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Grüne und Bund Naturschutz werfen Staatsregierung Versagen vor und fordern verpflichtende Obergrenze.

Der Flächenverbrauch ist abermals kräftig angestiegen. Das hat jetzt das Landesamt für Statistik bekannt gegeben. Danach sind 2020 jeden Tag 11,6 Hektar freie Landschaft in Flächen für Siedlungen, Gewerbe- und Industriegebiete, Straßen und andere Verkehrswege umgewandelt worden. Aufs Jahr gesehen hat sich das auf eine Gesamtfläche von 4424 Hektar summiert. Das entspricht einer Stadt von der Größenordnung des oberfränkischen Forchheim. 2019 lag der Flächenverbrauch bei 10,8 Hektar am Tag, 2018 waren es zehn Hektar.

Aus Sicht von Naturschützern, aber auch von Raumplanern und anderen Experten zählt der Flächenfraß zu den drängendsten Umweltproblemen in Bayern. Der Freistaat nimmt dabei bundesweit einen Spitzenplatz ein - obwohl CSU und Freie Wählern 2018 in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen haben, ihn auf fünf Hektar zu halbieren. Als Grund, warum das Ziel verfehlt wird, nennen Experten, dass sich Staatsregierung und Kommunen weigern, verbindliche Vorgaben für das Flächensparen zu erlassen und ausschließlich auf Modellprojekte, Bündnisse und andere freiwillige Maßnahmen setzen

Grüne und Bund Naturschutz (BN) kommentieren die abermalige Steigerung denn auch scharf. "Nach Jahrzehnten des politischen Laissez-faire und der maximalen Unverbindlichkeit beim Schutz von Wiesen, Feldern und Wäldern brauchen wir endlich einen Pflichtwert beim Flächenverbrauch", sagt der Chef der Landtags-Grünen, Ludwig Hartmann. "Die Staatsregierung verfehlt abermals, was sie leisten müsste - den Erhalt unserer einmaligen Kulturlandschaft." Bayern verliere alle drei Tage die landwirtschaftliche Fläche eines durchschnittlichen Bauernhofs. Der BN-Landesbeauftragte Martin Geilhufe spricht von einer "Bankrotterklärung der Staatsregierung". Der Schutz der freien Landschaften dürfe nicht weiter stiefmütterlich behandelt werden. Die Richtgröße von fünf Hektar Flächenverbrauch am Tag von CSU und FW, "muss eine verbindliche Höchstgrenze werden". Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) sagte, Flächensparen bleibe ein zentrales Zukunftsthema. Er wies darauf hin, "dass das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum im Freistaat einen Flächenbedarf haben".

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