Kronach:Auf den Spuren der eigenen Geschichte

Kronach: Freiwillige Helfer der Archäologischen Arbeitsgruppe Kronach legen die Steinfundamente eines Turms aus dem 12. Jahrhundert frei.

Freiwillige Helfer der Archäologischen Arbeitsgruppe Kronach legen die Steinfundamente eines Turms aus dem 12. Jahrhundert frei.

(Foto: Pia Bayer/dpa)

In Oberfranken beteiligen sich Freiwillige bei einem archäologischen Projekt. Die Erkenntnisse durch die Ausgrabungen könnten die Stadthistorie verändern.

Von Kathrin Zeilmann /dpa, Kronach

Die Geschichte der eigenen Stadt neu erforschen - in Kronach ist das derzeit möglich: Im Herbst haben bereits freiwillige Helferinnen und Helfer unter Anleitung eines Archäologen gegraben, im nächsten Jahr ist ein weiteres Projekt geplant. Die Ergebnisse liefern spannende Fragen zur Geschichte der Stadt und der Region. Ausgangspunkt sind zwei Türme aus der Salierzeit und Keramiken aus dem Frühmittelalter. "Die Grabungen bei Friesen werden als eines der wichtigsten Forschungsobjekte Oberfrankens eingestuft", sagte Bürgermeisterin Angela Hofmann. "Die Einmaligkeit von ältesten Keramikfunden im Kreisgebiet Kronach und der salischen Burg werfen interessante Fragen in Bezug auf die früheste Kronacher Stadtgeschichte auf."

Und darum geht es: 1989 entdeckte Gregor Förtsch nahe dem Kronacher Ortsteil Friesen Keramiken aus dem 8. bis 10. Jahrhundert. Zunächst habe man ausschließen müssen, dass die Keramiken zufällig - etwa durch Bodenaustausch - dorthin gelangt seien. "Ich wollte diesem Fund unbedingt auf dem Grund gehen", sagte Förtsch, Chef der Archäologischen Arbeitsgruppe Kronach. Die erste Grabung habe man selbst finanziert und sei zunächst auf einen gepflasterten Feldweg gestoßen. Und dann schließlich habe man die Fundamente zweier steinerner Gebäude entdeckt mit je einem quadratischen Grundriss von zehn auf neun Metern und einer Mauerdicke von 2,40 Meter. Es habe sich um eine salische Burg mit Palas und Wehrturm gehandelt. Nach Förtschs Einschätzung dürfte dies kein gewöhnliches Bauwerk gewesen sein, "das war schon etwas Besseres, dem Reichsadel oder Bischöfen vorbehalten".

Die Salierzeit geht auf das ostfränkische Geschlecht der Salier zurück, das von 1024 bis 1125 Könige und Kaiser stellte. Ihre Stammgebiete lagen am Rhein. Wie also kam der salische Baustil in eine damals entlegene Gegend, die weit entfernt vom Rhein lag? Das ist eine der vielen Fragen, die die archäologischen Funde bei Kronach aufwerfen. Eine Fachtagung im kommenden Jahr soll tiefere Einblicke in die Bewertung der Funde liefern und auch zum Ausmaß der Siedlung.

Dass freiwillige Helferinnen und Helfer an archäologischen Projekten im Freistaat beteiligt sind, ist nach Auskunft des Landesamts für Denkmalpflege eher selten der Fall. "Der Großteil der archäologischen Untersuchungen in Bayern sind Rettungsgrabungen im Zuge von Baumaßnahmen und werden von professionellen Grabungsfirmen übernommen", teilte eine Sprecherin mit. Dennoch gebe es immer mal wieder Lehr- oder Ehrenamtsgrabungen, die aber stets unter fachlicher, archäologischer Leitung stünden.

Das ehrenamtliche Engagement für die Bodendenkmalpflege habe in Bayern eine lange Tradition. "Privatpersonen, Heimatpflegerinnen und Heimatpfleger, Arbeitskreise und Vereine leisten ehrenamtlich einen wichtigen Beitrag für die Erfassung, Erhaltung und Vermittlung des archäologischen Erbes des Freistaats." Im konkreten Fall Kronach arbeiteten Kommune, freiwillige Helfer und das Landesamt für Denkmalpflege in enger Abstimmung miteinander, versicherten alle Beteiligten.

Und wie soll es konkret für die Fundamente der beiden Saliertürme in Kronach weitergehen? Die Grabung diente Dokumentationszwecken, die Fundamente sind inzwischen wieder professionell überdeckt worden. Förtsch würde an der Stelle der Funde gerne ausführlich informieren, etwa mit Tafeln: "Das ist unsere Geschichte, das ist interessant und wichtig", sagte er. "Und sie gibt uns immer noch Rätsel auf."

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