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Bayern-Ei-Prozess:Zeuge wies bereits 2015 auf Hygienemängel hin

Bereits vor vier Jahren kritisierte der damalige Produktionsleiter in mehreren E-Mails die Zustände in den Betrieben der Firma Bayern-EI. Vor Gericht wollte sich der Mann nicht dazu äußern.

Die Zustände bei Bayern-Ei waren bereits 2015 bekannt.

(Foto: dpa)
  • Der Nachfolger des angeklagten Ex-Chefs sagt aus, er habe mehrere Standorte der Firma als "sauber, ordentlich und gepflegt" erlebt.
  • Derselbe Zeuge hatte jedoch im März 2015 in E-Mails an die damaligen Verantwortlichen die Zustände in den Betrieben kritisiert.
  • 180 Konsumenten sollen wegen Hygienemängel in den Betrieben an Salmonellen erkrankt sein. Im Prozess sollen mehr als 100 Zeugen gehört werden.

Im Prozess um den Salmonellen-Skandal der Firma Bayern-Ei hat der Nachfolger des angeklagten Ex-Chefs Stefan Pohlmann als Zeuge ausgesagt. Zu seiner Zeit als Produktionsleiter und später als Geschäftsführer im Unternehmen wollte er sich am Dienstag vor dem Landgericht Regensburg nicht äußern. Vor seiner Anstellung im Januar 2015 habe der 31 Jahre alte Geflügelwirt aber einige Standorte von Bayern-Ei besucht und diese als "sauber, ordentlich und gepflegt" empfunden.

Im Verlauf des Prozesses verlas der Richter allerdings eine vom Zeugen verfasste E-Mail vom März 2015, die die Sauberkeit in einigen Ställen kritisiert. Konkret beklagte er darin Wasserstellen, Unkraut und Moos in den Fugen und nicht ordnungsgemäß entsorgte tote sowie halb tote Hühner. In einer weiteren verlesenen Nachricht vom Mai 2015 an den nun Angeklagten geht es um den Umgang mit Milbenbefall an einem Standort der Firma. Zu den E-Mails nahm der Zeuge keine Stellung. Das Gericht befragte den Mann aber zum Aufbau und zu allgemeinen Hygienevorrichtungen in der Hühnerfarm.

Vor Gericht in Bayern Faule Geschäfte mit verseuchten Eiern
Landgericht Regensburg

Faule Geschäfte mit verseuchten Eiern

Der Prozess gegen den früheren Chef der Firma Bayern-Ei hat begonnen. Im Zentrum steht die Frage, ob der Skandal um Salmonellen-Eier ein Betrug war, der einen Mann das Leben gekostet hat.   Von Andreas Glas und Kassian Stroh

Fünf Jahre nach dem Salmonellen-Skandal 2014 muss sich der ehemalige Chef des Legehennen-Mastbetriebs in Aiterhofen (Landkreis Straubing-Bogen) unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge, gewerbsmäßigen Betrugs sowie lebensmittel- und tierschutzrechtlichen Verstößen verantworten. Aus Sicht der Ermittler soll Pohlmann die Auslieferung von Eiern mit der Kennzeichnung Güteklasse A veranlasst haben, obwohl in den Produktionsstätten Salmonellen nachgewiesen worden waren. Zum Prozessauftakt am Montag schwieg er. Sein Verteidiger Ulrich Ziegert wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück.

Zwischen Juni und Oktober 2014 sollen mehr als 180 Konsumenten aus Deutschland, Österreich und Frankreich an Salmonellen erkrankt sein, 40 der Fälle kamen nun zur Anklage. Ein Mensch soll nach dem Verzehr von Bayern-Ei-Ware gestorben sein. Handelspartner zahlten für die gemäß der Anklage falsch gekennzeichneten, Salmonellen-kontaminierten Eier rund fünf Millionen Euro.

Der Prozess gegen den ehemaligen Chef der nun geschlossenen Firma Bayern-Ei ist zunächst bis Ende März 2020 terminiert. Es sollen mehr als 100 Zeugen gehört werden.