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Bamberg:Bambergs Kniefall vor dem Kapital

Amphibienfahrzeug

Amphibienflussfahrten müssen genehmigt werden.

(Foto: dpa)

Die Stadt ist auf erbärmliche Weise vor Michael Stoschek eingeknickt. Der Brose-Gesellschafter und wohl einer der reichsten Menschen der Republik darf nun mit seinem Amphibienfahrzeug losschippern.

Kolumne von Olaf Przybilla

Aus Bamberg muss eine zutiefst menschliche Geschichte erzählt werden, leider aber auch eine, die einem die Haare zu Berge stehen lässt. Die Geschichte macht einen schon deshalb so beklommen, weil man nicht anders kann, als Bamberg zu mögen: fabelhaft zum Anschauen, von lebensklugen Menschen bewohnt, grundentspannt. So einer Stadt attestiert keiner gerne, dass sie - Verzeihung: fast schon erbärmlich - eingeknickt ist vor der Macht des Kapitals. Und vor dem Nervpotenzial eines Menschen, der offenbar durchdrungen ist vom Gedanken, dass er das erreichen können muss, was er erreichen will.

Es ist so: Michael Stoschek, Brose-Gesellschafter und wohl einer der reichsten Menschen der Republik, wird am Montag auf der Sandkerwa mit einem Amphibienfahrzeug fahren dürfen. Das Ganze hat eine bizarre Vorgeschichte, seit sich Käpt'n Stoschek bei einer ersten, ungenehmigten Amphibienflussfahrt 2015 gehörigen Ärger mit der Stadt eingehandelt hatte. Dann näherte man sich an, da wurde die Stadt schon mürbe. 2016 durfte Stoschek also in die Regnitz stechen, mit einer albern anmutenden Begründung: Er nahm einen Vertreter des Bayerischen Roten Kreuzes mit, somit war diese Fahrt zweifelsohne von öffentlichem Interesse.

Die Sandkerwa ist ein besonderes Ereignis, ganz klar.

Nun darf er auch ohne diese Auflage mit seinem - angeblich aus alten Wehrmachtsbeständen übrig gebliebenen - Schwimmwagen losschippern. Warum? Die Stadtjuristen haben alle relevanten Gesetzestexte noch mal akribisch durchgeackert, Bayerisches Wassergesetz, Bayerisches Wasserhaushaltsgesetz und die Bayerische Schifffahrtsverordnung. Und siehe da: Wenn ein besonderes Ereignis vorliegt, dann dürfe man so etwas eben schon. Die Sandkerwa ist ein besonderes Ereignis, ganz klar. Fragt sich nur: War sie das nicht womöglich schon früher?

Einziger Trost: Es gebe "keine Lex Stoschek", beteuert eine Stadtsprecherin (die das zweifelhafte Vergnügen hat, die Flexibilität von Stadtjuristen erklären zu müssen). Weil, sagt sie: Sollte etwa die Süddeutsche Zeitung auch eine Kerwa-Fahrt mit einem Amphibienfahrzeug anmelden - "es würde genehmigt"! Hach.

© SZ vom 24.08.2018/smb

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