bedeckt München 17°

Verkehrswende:Bamberg probt den Verleih von Elektro-Tretrollern

Vorstellung der Bird E-Scooter in Bamberg

So sehen die E-Scooter der Firma Bird aus.

(Foto: dpa)

Noch sind die Gefährte allerdings gar nicht legal. Sobald eine Verordnung in Kraft tritt, will die Stadt als erste in Deutschland 100 Tretroller aufstellen.

Auch wenn sie wieder auf vielen Wunschzetteln stehen dürften: Bisher darf man elektrische Skateboards, Tretroller und andere leichte Flitzer mit Zusatzantrieb nur in der eigenen Auffahrt spazieren fahren. Während in Österreich, Dänemark oder Schweden vor allem batteriebetriebene Tretroller schon zum Straßenbild gehören und sich in amerikanischen Großstädten bereits Protest gegen die Flut dieser trendigen Gefährte regt, sind sie in Deutschland immer noch verboten. Eine Ausnahme wurde bisher nur für die wuchtigen Stehroller gemacht, die man unter dem Herstellernamen als Segways kennt.

Das soll sich ändern. Das Verkehrsministerium arbeitet seit Monaten an einer Verordnung, um elektrische Kleinstfahrzeuge zu legalisieren. Solange will man in Bamberg allerdings nicht mehr warten. Die fränkische Stadt hat am Mittwoch eine Partnerschaft mit der Firma Bird bekannt gegeben, einem amerikanischen Unternehmen, das sich auf den Verleih von leichten Elektro-Tretrollern spezialisiert hat. Sobald die neue Verordnung in Kraft tritt, so haben die Partner vereinbart, werden in der Stadt 100 Gefährte aufgestellt, die wie etwas massiv geratene Kinder-Klapproller aussehen und auf zwölf bis maximal zwanzig Kilometer pro Stunde beschleunigen.

Verkehrspolitik E-Scooter - gefragt, aber ausgebremst
Mobilität

E-Scooter - gefragt, aber ausgebremst

Sie sind weltweit im Trend und ungemein praktisch, doch in Deutschland scheitern Elektro-Tretroller bislang an der Bürokratie. Das soll sich bald ändern.   Von Markus Balser, Berlin, und Uwe Ritzer, Zirndorf

Volljährige Kunden können sie dann übers Smartphone buchen und nach der Fahrt einfach wieder abstellen. Und weil Bird und Bamberg auch wirklich die allerersten sein wollen, die Elektroroller auf deutsche Straßen bringen, soll es schon im Dezember mit einem "Feldversuch" losgehen. Dabei werden 15 Testfahrer die Alltagstauglichkeit der Mikroflitzer auf dem holprigen Kopfsteinpflaster Bambergs erproben. Das Projekt wurde am Mittwoch schon gefeiert, obwohl die Sondergenehmigung der Bezirksregierung noch nicht vorlag. Zu groß war die Sorge von Bird, doch noch von einem Konkurrenten überholt zu werden.

Denn auch wenn die Gefährte noch gar nicht legal sind, ist der Markt bereits heiß umkämpft. Sowohl das deutsche Start-up Voi, das in Schweden und Spanien Elektro-Tretroller verleiht, als auch die amerikanische Firma Lime, die wie Bird schon in Wien aktiv wurde, haben kürzlich angekündigt, dass sie so schnell wie möglich in einer deutschen Stadt ein Pilotprojekt starten wollen. Sie warten ungeduldig auf die neue Verordnung aus Berlin, die mal für Ende 2018 in Aussicht gestellt war.

Die erste Fassung gilt bei Herstellern und grünen Verkehrspolitikern nicht als großer Wurf, weil das Ministerium sowohl einen Mofa-Führerschein als auch eine Versicherungsplakette forderte. Ein echter Beitrag zur Mobilitätswende sei das nicht, lästern die Grünen. Sie gehen davon aus, dass mehr Leute aufs Auto verzichten würden, wenn sie die letzten Meter von der Bushaltestelle bis zur Haustür mit einem handlichen Elektrogefährt zurücklegen könnten, das ohne große bürokratische Hürden zu fahren ist.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat zwar signalisiert, dass er die Sache noch einmal wohlwollend prüfen werde. Wahrscheinlich werden die neuen Genehmigungen aber nur für Fahrzeuge mit einer Lenkstange gelten und damit faktisch alle anderen Modelle als Tretroller ausschließen. Das Elektro-Skateboard vom Christkind bleibt dann weiter ein Fall für den Hinterhof.

Elektromobilität und alternative Antriebe Elektro-Spielzeug für die Straße

E-Roller und Skateboards

Elektro-Spielzeug für die Straße

Noch sind Tretroller mit Batterie und E-Skateboards im Verkehr weitgehend verboten. Doch das soll sich ändern. Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.   Von Svenja Gelowicz