Bamberg "Eine heimliche Liebe war keine Option"

Aus seinem alten Leben stammt die Pietà an der Wand. In Stefan Hartmanns neuem Leben ist Sandra Dorn die wichtigste Frau.

(Foto: Matthias Hoch)

Stefan Hartmann war katholischer Priester bei Bamberg. Seinen Beruf hat er aufgegeben - für die Liebe seines Lebens.

Von Katja Auer, Bamberg

Stefan Hartmann will bald heiraten. Er hat die Frau seines Lebens gefunden, jetzt wollen die beiden ganz offiziell zusammen sein. Es ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, denn Stefan Hartmann ist katholischer Priester. Oder er war einer, denn nach 33 Jahren hat er den Papst um Dispens gebeten, also darum, ihn von seinen priesterlichen Pflichten zu entbinden. Auch vom Zölibat. Mit 61 Jahren fängt Stefan Hartmann zusammen mit Sandra Dorn ganz neu an.

"Eine heimliche Liebe war kein Option", sagt er. Die gibt es, nicht jeder Pfarrer hält es aus, ein Leben lang alleine zu sein, auch wenn er es bei der Priesterweihe versprochen hat. Hartmann hat es erlebt, das Alleinsein, die Einsamkeit.

Deswegen hat er öffentlich den Zölibat kritisiert, ist im Fernsehen aufgetreten und hat sich zu seiner Tochter bekannt, die er als junger Priester gezeugt hat. Viele Jahre musste er sie verheimlichen, das sei ein großer Fehler gewesen, sagt er heute.

Momentan ist er arbeitslos

Ein zweites Mal wollte er den nicht machen. Deswegen bekennt er sich zu Sandra Dorn, auch wenn er dafür seinen Beruf und sein Einkommen aufgeben musste. Nach 14 Jahren verließ er seine Gemeinde in Oberhaid im Landkreis Bamberg, zog aus dem großen Pfarrhaus in eine kleine Wohnung um. Momentan ist er arbeitslos und versucht nun, sich als Redner für Trauerfeiern und freudige Anlässe selbständig zu machen. "Das Positive überwiegt", sagt er, viel mehr habe er gewonnen als verloren.

Von der Kirche ist er dennoch enttäuscht. Er hatte gehofft, dass er weiter beschäftigt werden könnte, als Pastoralreferent vielleicht, irgendsowas. Aber das sieht das Kirchenrecht nicht vor. Dennoch sehen die beiden optimistisch in die Zukunft. Die Liebe sei ein Gottesgeschenk, sagt Sandra Dorn. Das wollen sie beide annehmen.

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