Bahn: Augsburg-München Nervenprobe mit der Bummelbahn

Die Bahnpendler zwischen Augsburg und München müssen sich auf erhebliche Einschränkungen im Zugverkehr einstellen - bis nächste Woche.

Von Stefan Mayr

Alle Bahnpendler zwischen Augsburg und München stehen in den kommenden Tagen vor der Wahl: entweder sehr früh aufstehen oder Fahrgemeinschaften fürs Auto bilden oder gleich frei nehmen. Jeder Fahrgast, der auf seinen gewohnten Zug wartet, muss sich auf böse Überraschungen gefasst machen: Etliche Züge fallen aus, zudem drohen große Verspätungen oder das Umsteigen auf Ersatzbusse. Letztere brauchen bis zu 90Minuten länger als die normale Zugverbindung - eine Steigerung um 200 Prozent. Die Störungen dauern von diesem Freitagmorgen bis Dienstagfrüh vier Uhr.

Auf der Bahnstrecke zwischen München und Augsburg kommt es in den nächsten Tagen zu erheblichen Behinderungen. Klicken Sie auf die Lupe, um die Grafik zu vergrößern.

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Ursache ist der vierspurige Ausbau der meistbefahrenen Bahnstrecke Deutschlands. Im Abschnitt zwischen Haspelmoor und Olching werden jetzt die neuen Gleise in Betrieb genommen. Die Bahn nennt dies "einen Meilenstein" auf dem Weg zur geplanten Fertigstellung der viergleisigen Strecke. Für die vielen Berufspendler ist es erst einmal eine verschärfte Nervenprobe. So brach bereits am Donnerstag Gelächter auf den Bahnsteigen des Augsburger Hauptbahnhofs aus. Per Durchsage waren die Fahrgäste aufgefordert worden, sich im Internet über die Einschränkungen zu informieren - weil die Broschüren bereits vergriffen seien.

Am schlimmsten betroffen sind die Benutzer des Regionalverkehrs. Hier werden einige Züge ersatzlos gestrichen, oder sie enden vorzeitig in Mering oder Pasing. Die Fahrgäste müssen auf andere Züge oder Ersatzbusse umsteigen. Für jene Regionalzüge, die über Geltendorf umgeleitet werden, kündigt die Bahn eine halbstündige Verspätung an.

Immerhin hat die Bahn einige Fernverkehrszüge für Reisende mit Nahverkehrstickets freigegeben - allerdings nicht alle. Auch die ICEs werden sich durch die Umleitungen um etwa eine halbe Stunde verspäten. Die Fernzüge aus Würzburg/Nürnberg werden ausschließlich über Ingolstadt umgeleitet - und fahren Augsburg und Pasing erst gar nicht an. Dies gilt auch in die Gegenrichtung. Weitere Informationen im Internet unter www.bahn.de/bauarbeiten.

Wenn die viergleisige Strecke im Juni 2011 endgültig dem Verkehr übergeben wird, sollen 600Züge pro Tag zwischen Augsburg und München verkehren. "Das hätte viel schneller gehen können", sagt Winfried Karg vom Fahrgastverband Pro Bahn. Tatsächlich wird auf der Strecke bereits seit 1998 gebaut. "Der Spatenstich mit Ministerpräsident Edmund Stoiber und Bundesfinanzminister Theo Waigel war damals nur ein Wahlkampf-Gag, denn für den Gesamtausbau war kein Geld da", sagt Karg.

Deshalb sei 13 Jahre lang "immer nur ein bisschen" weitergewerkelt worden. Seitdem musste der Verkehr stets auf zwei Gleisen mit baubedingten Störungen abgewickelt werden. Ab 2011 erwartet Karg jedoch deutliche Verbesserungen.