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Prozess um Brandschutz-Auflagen:Tandler verklagt den Freistaat

Gerold Tandler hat die Geschäftsführung an seine Tochter übergaben.

(Foto: Imago)
  • In einem Prozess geht es um die massiven Probleme der beiden Hotels der Familie Tandler in Altötting.
  • Derzeit dürfen keine Gäste dort nächtigen, weil trotz mehrfacher Anordnung die schweren Mängel beim Brandschutz nicht beseitigt worden sind.
  • Tandler will mit der Klage versuchen, einen fließenden Übergang bei der Sperre ihrer Gastzimmer zu erreichen.

Von Heiner Effern, Altötting

Es klingt immer noch nach großer Politik, wenn eine Richterin die Sache "Tandler gegen den Freistaat Bayern" aufruft. Schließlich gilt der frühere bayerische Innen- und Finanzminister Gerold Tandler, der als Generalsekretär und Fraktionschef auch die CSU prägte, als einer der mächtigsten Männer in der Strauß-Ära und in den Jahren danach. Er steht aber auch für das Amigo-System der CSU, was sich insbesondere in seiner Verstrickung in die Steueraffäre um den Bäderkönig Zwick zeigte. Doch wenn es nun vor dem Verwaltungsgericht München "Tandler gegen den Freistaat" heißt, dann geht es längst nicht mehr um Politik. Es geht um die massiven Probleme der beiden Hotels der Familie Tandler in Altötting.

Das Hotel zur Post und der Gasthof Scharnagl sind historische Gebäude, die im Zentrum des Marienwallfahrtsortes liegen. Derzeit fällt aber jede Einnahme durch Hotelbesucher weg: In keinem der Häuser darf auf Anordnung des Landratsamtes Altötting ein Gast nächtigen, da trotz mehrfacher Anordnung die massiven Mängel im Brandschutz nicht beseitigt worden sind. An diesem Verbot werde sich nichts ändern, bevor alle Auflagen erfüllt seien, erklärten Vertreter des Landratsamtes vor Gericht. Die Vorsitzende Richterin Andrea Breit ließ erkennen, dass sie dieser Sichtweise folgt. "Das ist saugefährlich, was Sie da machen."

Die Töchter wollen einen Neuanfang

Dass die Sperre "uns nicht gut tut", sei klar, sagt Gerold Tandler. Ob der Verlust durch die wegfallende Vermietung der Zimmer existenzgefährdend für die beiden Hotels sei? "Nein", sagt Tandler. Im Übrigen müsse man mit seiner Tochter Gabriela Tandler-Langhammer sprechen, an die er die Geschäfte übergeben habe. Diese wagt nun mit ihrer Schwester einen kompletten Neuanfang, auch wirtschaftlich. Die Schulden einer Vorgängerfirma, die sich beim letzten veröffentlichten Jahresabschluss 2012 auf mehr als 3,2 Millionen Euro belaufen haben, seien kein Thema mehr. "Uns belasten keine Darlehen daraus." Sie habe bei der Übernahme um die Probleme mit dem Brandschutz gewusst und wolle diese möglichst schnell lösen. Sie habe zum Beispiel in der Post bereits eine Brandmeldeanlage einbauen lassen.

Sein erstes Hotel, die Post, erwarb Tandler 1976 als zweites Standbein neben der Politik. Später kaufte er noch den benachbarten Gasthof Scharnagl. Lediglich die Restaurants dürfen derzeit öffnen. Im Gasthof zur Post gilt die Sperrung der Obergeschosse bereits seit Oktober 2014. Für den Gasthof Scharnagl erging der Bescheid im März 2015. Trotzdem wohnen dort noch Gäste, räumt Gabriela Tandler-Langhammer vor Gericht ein.

Keine Hilfe von den Spezis

Wenn sich ihr Vater erhofft hat, dass ein CSU-Landrat einen ehemaligen Spitzenmann seiner Partei nicht hängen lässt, dann hat er sich in diesem Fall verrechnet. Der Altöttinger Kreischef Erwin Schneider selbst will sich nicht äußern, aber sein Sprecher sagt, dass hier alles exakt nach den Vorschriften abgelaufen sei. Auch wenn noch weitere Gespräche stattfänden, werde sich daran nichts ändern. Der Altöttinger Bürgermeister Herbert Hofauer (Freie Wähler) ist besorgt und auch überrascht, dass der Brandschutz sein erstes Hotel am Kapellplatz und auch den langjährigen Pilgergasthof Scharnagl noch längere Zeit lahmlegen könnte. "Ich habe gehört, dass die Post Ende Juli wieder öffnen soll. Für uns ist das Haus sehr wichtig."

Tandler wollte mit der Klage versuchen, einen fließenden Übergang bei der Sperre ihrer Gastzimmer zu erreichen. Die Räume im Scharnagl sollten erst geschlossen werden, wenn die Sanierung in der Post abgeschlossen ist. Immerhin habe man dort 300 000 Euro investiert. Die Vertreter des Landratsamts beeindruckt das nicht. "Es wird keinen Zeitpunkt geben, an dem ein fließender Übergang möglich ist", hieß es. Die Öffnung der Post könne sich noch hinziehen. Für die Zimmer im Gasthof Scharnagl bereite man die Versiegelung vor.

© SZ vom 29.07.2015/vewo

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