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Affing in Schwaben:Wenn man sich im eigenen Haus nicht mehr sicher fühlt

Die freiwilligen Helfer

Die Zettel hängen auf zerstörten Scheiben von Schaukästen oder auf einem Stromkasten. "Statt Gaffen Spenden!!" Man sieht jedem Buchstaben an, welch große Wut im Schreiber kochte. Schon am Tag nach dem Tornado kamen viele Menschen nach Affing. Einige nur zum Schauen und Fotografieren. Die meisten allerdings zum Helfen.

"Das war wirklich gigantisch", sagt Manfred Haas, der Cousin und Nachbar von Marlen und Stefan Haas. Teilweise wildfremde Menschen aus anderen Orten packten bei ihm mit an, um den Schutt wegzuräumen. "Leider kenne ich die Namen nicht, aber ich möchte mich ganz herzlich bedanken", sagt Manfred Haas.

Noch heute rufen Leute bei ihm an und bieten Hilfe an. "Diese positive Erfahrung hilft den Menschen bei der Verarbeitung des Geschehens unheimlich", sagt Edgar Krumpen von der Psychosozialen Notfallversorgung. Auch der Fußball-Bundesligist FC Augsburg unterstützt die Betroffenen. Torhüter Marwin Hitz versteigert sein Trikot, in dem er gegen Leverkusen in letzter Sekunde sein Tor des Monats erzielte. Die Auktion läuft bis Mittwoch, das Höchstgebot lag am Dienstagnachmittag bei 1009,07 Euro. Angebote nimmt der FCA unter der Mailadresse aktionen@fcaugsburg.de entgegen.

Vor dem Sturm stand hier ein Stall, danach türmte sich Schutt auf. Heute ist alles aufgeräumt, was die Zukunft bringt, weiß Manfred Haas nicht.

(Foto: Stefan Mayr)

Die Härtefälle

Nur einer von vielen Härtefällen ist Michael Lichtenstern, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Affing. Er arbeitete nach dem Unwetter drei Tage und Nächte quasi durch. Was er dabei vergessen hat: sein eigenes Haus. Es regnete hinein, jetzt muss der Boden rausgerissen werden.

Die Zukunft

Es ist eine traumatische Erfahrung, die zumindest Opfer von Wohnungseinbrüchen ansatzweise nachvollziehen können: Wenn man in den eigenen Wänden keinen Schutz mehr findet und sogar um sein Leben fürchten muss, wo kann man sich dann überhaupt noch sicher fühlen? Mit 250 Kilometern pro Stunde schlug die Naturgewalt zu, nach Angaben von Betroffenen war nach acht Sekunden alles vorbei. "Ob ein Trauma bleibt oder nicht, kann man bei jedem Einzelnen frühestens in eineinhalb Monaten beurteilen", sagt Krumpen von der Psychosozialen Notfallversorgung.

Marlen Haas erzählt, wie vor Kurzem die Lampe ihrer Dunstabzugshaube geflackert hat. "Sofort hatte ich wieder die Bilder und die Blitze vor Augen", sagt sie und schüttelt den Kopf. Ob ihre und all die anderen Kinder jemals wieder bei stärkerem Wind unter dem Dach schlafen werden? Das weiß niemand. "Es gibt gute und schlechte Phasen", sagt Vincenzo Sarcone über seinen Sohn Elia. Die Eltern sind mit ihm zu einem Psychologen nach Augsburg gefahren, um mit ihm über die Windhose zu sprechen. Bis vor zwei Wochen kannte der Bub das Wort Tornado gar nicht. Neulich hat er seinen Papa gefragt: "Kommt der Tornado wieder?"

© SZ vom 27.05.2015/vewo
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