Abschiebeflug nach Kabul Krank, suizidgefährdet, abgeschoben

Erneut sind abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben worden, Flüchtlingshelfern zufolge bräuchten einige von ihnen Hilfe. Sie machen sich Sorgen.

Erneut sind in der Nacht zum Mittwoch aus Bayern abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben worden. Wie ein Asylhelfer bestätigte, ist die vom Flughafen Leipzig/Halle gestartete Maschine planmäßig in Kabul gelandet. Mit an Bord waren wieder auch afghanische Flüchtlinge, die nach Einschätzung des Bayerischen Flüchtlingsrats während ihrer Zeit in Bayern weder Straftaten begangen haben noch als Gefährder aufgefallen sind. Stattdessen seien unter ihnen "Fälle, die suizidgefährdet oder krank sind". Das bayerische Innenministerium wollte - wie bereits bei anderen Fällen zuvor - auch zur aktuellen Abschiebung nicht Stellung nehmen.

Wie sich im Laufe des Dienstags herausgestellt hatte, ist im Kreis Dachau einer der Afghanen von den Polizeibeamten, die ihn abholen wollten, nicht vorgefunden worden. Daraufhin seien die Beamten in die Berufsschule gegangen, die der junge Mann besucht hatte. Doch auch dort sei er nicht angetroffen worden. Sein Aufenthaltsort ist bislang unbekannt.

Gefährlich wird es nun indessen für einen weiteren Afghanen, der im Großraum München festgenommen worden war und daraufhin im Abschiebeflieger saß. "Er hat in Afghanistan vier Jahre lang für die US-Armee gearbeitet, ein Bruder von ihm ist deswegen von den Taliban ermordet worden", teilte der Bayerische Flüchtlingsrat in einer Stellungnahme mit. "Um diesen Menschen muss man sich jetzt wirklich Sorgen machen", sagte Stephan Dünnwald, einer der Sprecher des Flüchtlingsrats. Nach der Landung in Kabul habe der Afghane seinem bayerischen Unterstützer am Telefon mitgeteilt, er bange nun um sein Leben.

Hart traf es aber auch jenen jungen Mann, der am Dienstag in der Früh im niederbayerischen Vilsbiburg verhaftet worden war. Er hatte als Schüler einer Berufsintegrationsklasse schon erfolgreich ein Praktikum in einem Hotel absolviert. Am kommenden Dienstag sollte er in der Universitätsklinik Regensburg zu einer für ihn dringlich gebotenen Operation erscheinen. "Ohne die", so sagte Dünnwald, "droht ihm nach Auskunft der Uniklinik Regensburg bald die völlige Taubheit". Es sei nicht zu erwarten, dass der nun mittellos dastehende Flüchtling in Afghanistan noch die Möglichkeit habe, diese Behandlung durchführen zu lassen. Das Abschieben solcher Menschen sei "herzlos".

Aus der Psychiatrie direkt nach Afghanistan abgeschoben

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