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Zwiespältige Umweltbilanz:Erst ab 100 000 Kilometern ergibt ein E-Auto Sinn

Trotz alledem kann das Elektroauto seine Umweltbilanz wieder ausgleichen - wenn es richtig genutzt wird. Entscheidend dafür sind zwei Faktoren: Wie viel der Nutzer fährt und welchen Strom er tankt. Mit dem heutigen Strommix bringt ein Elektroauto nur bei intensiver Nutzung Vorteile für die Umwelt. Mehr als 50 Prozent des deutschen Stroms stammen noch immer aus den fossilen Brennstoffen Braunkohle, Steinkohle und Erdgas. Wer insgesamt weniger als 100 000 Kilometer mit dem Auto fahren will, kann sich den Aufpreis für ein E-Fahrzeug deshalb sparen. Eine staatlich finanzierte Kaufprämie hätte in diesem Fall ebenso wenig Sinn.

Ganz anders sieht das mit Ökostrom aus. Mit Windenergie kann ein Elektroauto seine schmutzige Herstellung schon nach 30 000 Kilometern ausgleichen. "Um der Umwelt etwas Gutes zu tun, müsste dieser grüne Strom aber natürlich zusätzlich bereitgestellt werden", sagt Roberta Graf, Projektleiterin für Gesamtheitliche Bilanzierung beim Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Stuttgart. Wenn die Pläne der Bundesregierung aufgehen und bis 2020 wirklich eine Million Elektrofahrzeuge auf den deutschen Straßen fahren, müssten dementsprechend auch die erneuerbaren Energien noch viel stärker ausgebaut werden. Denn die haben bislang vor allem die wegfallende Kernenergie ersetzt.

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Plug-in-Hybride schönen die Statistik

"Elektrofahrzeuge sind unverzichtbar, um den Straßenverkehr zukünftig auf erneuerbare Energien umzustellen. Aber Elektroauto ist nicht gleich Elektroauto", sagt Julius Jöhrens vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung. Gerade Plug-in-Hybride werden von Autoherstellern dazu genutzt, die Statistik zu schönen. Denn für deren Neuwagenflotten gelten in der EU Grenzwerte für CO₂-Emissionen.

Hybridautos fahren beim Start mit Strom aus der Steckdose und wechseln dann zum Verbrennungsmotor. Ihre Abgaswerte sind gemischt. Auf dem Prüfstand fährt das Auto zunächst eine Batterie leer - und muss dann nur noch 25 Kilometer mit Benzin oder Diesel zurücklegen. Der Porsche Panamera Hybrid etwa kommt mit seiner Batterie ganze 36 Kilometer weit. Die offiziellen Abgaswerte sind trotzdem top. Mit 71 Gramm CO₂ stößt er pro hundert Kilometer gerade mal ein Drittel seines konventionellen Gegenstücks aus.

Die Frage ist nur, ob eine Strecke von 36 Kilometern dem durchschnittlichen Fahrverhalten von Porschefahrern entspricht und ob das Fahrzeug nach der Fahrt konsequent an die Steckdose gehängt wird. Jöhrens wagt das zu bezweifeln: "Die Berechnung greift zu kurz. Auf diese Weise werden falsche Anreize gesetzt." Die Forderung seiner Studie für das Umweltbundesamt ist deshalb klar: Die Bewertung der Effizienz von Fahrzeugen muss neu überdacht werden. Damit die Fördergelder bei der Umwelt auch wirklich ankommen.

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