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VW Polo GTI im Fahrbericht:Etwas mehr von allem

Der neue VW Polo GTI.

Der neue VW Polo GTI leistet 192 PS und kostet mindestens 22 275 Euro.

(Foto: STG)

VW spendiert dem Polo GTI eine Extraportion Leistung und einige Fahrspaß-Technologien. Dadurch wird ein gutes Auto noch besser - sowohl auf der Rennstrecke als auch im Alltag.

So schnell, so sportlich und so gut der Polo GTI derzeit auch ist, vielen Kunden reichten 180 PS und 229 km/h Spitze offenbar nicht zum Glücklichsein. Ob diese nun angefeuert sind von der erneut gewonnenen Rallye-Weltmeisterschaft, gefahren auf Polo WRC, oder man ganz einfach am Stammtisch derjenige sein will, dessen kleine Knallkiste den meisten Dampf unter der Haube haben soll, bleibt letztlich egal. VW erfüllt im kommenden Februar nicht nur die Lust auf mehr Leistung, sondern gibt dem GTI auch noch ein Innovationspaket mit auf den Weg.

Im Zentrum der Aufrüstung steht klar der Motor. Redet sonst alle Welt vom Downsizing, fährt VW dieses Mal in entgegengesetzter Richtung. Motto: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen. Trieb den kompakten Wolfsburger zuvor ein 1,4-Liter-TSI mit Turbo und Kompressor an (Twincharger), so packten die Entwickler dem Polo jetzt den im Konzern häufig verwendeten 1.8 TSI unters Blech. Das moderne Turboaggregat schickt zwölf PS mehr und - wichtiger - mit 320 auch 70 Newtonmeter mehr an Drehmoment ins Getriebe.

Mehr Leistung, weniger Verbrauch

Den Wert erreichten noch vor kurzem selbst gute Dieselmotoren kaum, außerdem wurde die Elastizität aus niedrigen Drehzahlen spürbar verbessert. Vor allem mit der erstmals im kleinen GTI verwendeten Sechsgang-Schaltbox. Der Vorgänger wurde ausschließlich mit einem Doppelkupplungsgetriebe (DSG) ausgeliefert. Damit verbraucht der Kompaktsportler nach Norm zwar 5,6 statt 6,0 Liter Benzin, kostet jedoch 1475 Euro Aufpreis. In der Spitze erreicht der GTI jetzt 236 km/h und braucht von null auf 100 km/h 6,7 Sekunden.

Wie professionell die VolkswagenIngenieure vorgegangen sind, zeigte das Topmodell der Baureihe schon in den ersten Kurven auf einer abgesperrten Rennstrecke. Bis weit in den Grenzbereich hinein bleibt der Wagen bestens beherrschbar, lässt sich präzise einlenken, wankt und untersteuert wenig. Auch weniger Geübte kommen mit dem Auto gut zurecht. Es verblüfft, wie ausbalanciert und geschmeidig der GTI abgestimmt ist. Selten hat ein Kleinwagen so viel Fahrspaß bereitet. Da lässt man als Entwickler schon gerne mal durchblicken, dass keiner der direkten Konkurrenten hier mithält.

VW Polo GTI.

Von seinen schwächeren Brüdern unterscheidet sich der stärkste Polo durch die typischen GTI-Merkmale.

(Foto: STG)

Fahrspaß-Hightech

Zudem verfügt der Polo GTI nicht nur serienmäßig über eine elektronische Differenzialsperre (XTS+), sondern auch über ein zweistufiges elektronisches Stabilitätssystem (ESC). Einmal gedrückt ist die Traktionskontrolle aus und das DSG arbeitet mit verkürzten Schaltstufen. Drei Sekunden gedrückt wechselt das ESC in den Sportmodus, regelt nun später ab und lässt sogar provozierte leichte Drifts zu. Gegen Aufpreis bietet VW noch einen sogenannten Sport Performance Kit an. Damit werden die Dämpfer härter, die Lenkung spitzer, das Gaspedal spontaner und der Sound des Motors lauter.

Doch auch abseits der Rennpiste zeigt der Polo GTI viel Professionalität. Seine Federung ist trotz aller Betonung der Sportlichkeit erstaunlich ausgewogen, weil sämtliche Achsführungslager in Längsrichtung weich und nur in Querrichtung härter ausgelegt wurden. Auch Rad- und Windgeräusche existieren praktisch nicht. Der Sport-Polo rollt so komfortabel wie ein Golf.

Typisches GTI-Design

Optisch gibt sich das im spanischen Pamplona gebaute Kraftpaket dagegen eher zurückhaltend, Krawall-Design ist seine Sache nicht. Den Polo zieren lediglich die typischen GTI-Merkmale. Dazu zählen der schwarze Wabengrill mit seiner bis in die Scheinwerfer reichenden roten Leiste, Dachspoiler und Doppelrohrauspuff, Leichtmetallfelgen und rote Bremssättel. Innen sollen ein dickes und unten abgeflachtes Dreispeichenlenkrad, Sportsitze mit Karo-Bezug und rote Ziernähte für eine Prise Rennatmosphäre sorgen.

Wie schon in den normalen Polo liefert VW auch im GTI eine überzeugende Vorstellung ab, was Verarbeitung und Materialanmutung angehen. Kein Konkurrent in dieser Klasse kann hier mithalten. So gesehen passt auch der Preis. Als zweitüriges Modell startet der Polo GTI mit 22 275 Euro. Wer ein wenig mehr Funktionalität möchte, bestellt den Viertürer. Er kostet 800 Euro zusätzlich.

© SZ vom 29.11.2014/harl
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