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Vernetzte Fahrzeuge:HUK-Coburg will ein eigenes Werkstattnetz aufbauen

Stattdessen hat die HUK mit 1450 Werkstätten Verträge - gute Auslastung durch Unfallfahrzeuge gegen niedrigere Stundensätze. Inzwischen haben die Coburger das Angebot ausgebaut. 60 Prozent der Neukunden nutzen bereits Tarife mit Werkstattbindung, die in der Kaskoversicherung um 20 Prozent günstiger sind. Dafür müssen sie nach einem Blechschaden zur Vertragswerkstatt der HUK gehen und können sich nicht einfach eine Werkstatt aussuchen.

Jetzt gehen die Coburger noch einen Schritt weiter: Unter dem Namen "Autoservice" soll in drei bis vier Jahren ein eigenes Netz von 200 bis 300 Werkstätten flächendeckend zur Verfügung stehen. Dort können die Kunden auch preiswert Reifen kaufen, Inspektionen und andere Arbeiten ausführen lassen, die nichts mit einem Versicherungsschaden zu tun haben. Auch in der Autofinanzierung tummelt sich der Versicherer inzwischen.

Die Allianz ist Juniorpartner von VW

Noch lässt sich mit der Kraftfahrtversicherung gutes Geld verdienen. 25 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr, satte 3,5 Prozent mehr als 2014 hat die Versicherung von Autos, Lkw, Mopeds und Motorrädern in Deutschland 2015 eingebracht. Zudem gilt die Kraftfahrtversicherung als Einstiegssparte - wer eine Kfz-Versicherung bei HUK-Coburg oder Allianz hat, schließt dort vielleicht auch andere Verträge ab, so das Kalkül.

Doch bei neuen Dienstleistungen sind die Versicherer Spätstarter - und vielleicht kommen sie zu spät: Die Autohersteller wollen alle Services rund um das Auto aus einer Hand anbieten - Versicherung inklusive. Noch kooperieren sie mit Versicherungsunternehmen, suchen aber immer mehr die führende Rolle in dieser Partnerschaft. Das beste Beispiel ist die VW-Autoversicherung, die mehrheitlich dem Autobauer gehört. Die Allianz ist Juniorpartner.

Besonders verlockend sind Dienste rund um das hochautomatisierte Auto

Auch bei der Datenhoheit über das Auto zeigen sich die Hersteller wenig kompromissbereit. Bisher gibt es kaum einheitliche Datenformate oder Marken-übergreifende Sicherheitsstandards - geschweige denn den Willen zur Kooperation auf einem freien Marktplatz der Fahrzeugdaten. Energisch mahnt der Vorstandsvorsitzende der Allianz Deutschland AG deshalb Fairness im Wettbewerb um die Kundenservices im Fahrzeug an: "Wenn ein Marktteilnehmer diesen Zugang aufgrund technischer Privilegien begrenzen kann, ist der faire Wettbewerb gestört", sagt Manfred Knof.

Die Versicherer wollen nicht nur Pannen- oder Unfallwagen in das eigene Netz von Partnerwerkstätten locken, um Kosten zu sparen. Noch verlockender sind Dienste rund um das hochautomatisierte Auto: Die Fahrroboter brauchen mehr Informationen, als ihre bordeigenen Sensoren liefern können. Erst als mobile Endgeräte eines nahezu allwissenden Supercomputers in der Cloud werden die rollenden Maschinen so klug agieren wie die besten menschlichen Fahrer. Wenn das Auto der Zukunft sauber, sicher, automatisiert und vernetzt sein wird, dann bedeutet das: weniger Unfälle, sinkende Versicherungsprämien - und perspektivisch auch weniger Autoversicherer.

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