bedeckt München 18°
vgwortpixel

USA:Invasion der Mini-Roller

Elektro-Roller Elektro-Scooter von Bird Rides

Elektro-Scooter der Firma Bird Rides auf den Straßen von San Francisco.

(Foto: Bloomberg)

Drei Start-ups platzieren derzeit Zehntausende Elektro-Scooter zum Mieten in US-Städten. Das führt zu Problemen, die frappierend an das Leihfahrrad-Debakel von Obike erinnern.

Einen Texaner vermutet man eher hinter dem Steuer eines riesigen Pick-up-Trucks als auf dem Trittbrett eines Mini-Rollers. Deshalb reiben sich die Spaziergänger in Austin, der texanischen Hauptstadt, erst einmal ungläubig die Augen, wenn sie bei ihrem Bummel durch die Innenstadt ständig von kleinen Scootern überholt werden. Die Gefährte erinnern an Kinderroller, nur dass sie elektrisch betrieben sind und von Erwachsenen gesteuert werden.

Aufgetaucht sind die Zweiräder erstmals vor vier Wochen. Mittlerweile schwirren sie in Massen durch die Innenstädte von Austin, San Francisco, Santa Monica und Washington D.C.

Verkehr in München Verleih-Konzepte dürfen auch mal scheitern
Nach angekündigtem Obike-Rückzug

Verleih-Konzepte dürfen auch mal scheitern

Aus den Fehlern von Obike in München werden andere Anbieter lernen - und damit hoffentlich dazu beitragen, dass sich künftig verschiedene Formen von Mobilität verbinden.   Kommentar von Nina Bovensiepen

Verantwortlich für die Invasion der Mini-Scooter sind drei Start-ups: Bird Rides, LimeBike und Spin. Mit insgesamt mehr als 250 Millionen Dollar Risikokapital ausgestattet haben sie nichts Geringeres vor, als die Personenbeförderung in den Städten zu revolutionieren.

Das Konzept ist simpel: Der Fahrgast kann die Elektro-Roller per App finden und mieten. Kommt er am Ziel an, lässt er das Gefährt stehen und loggt sich aus. Jede Fahrt kostet einen Dollar plus zehn bis 15 Cents pro Minute Fahrzeit. Um die Roller wieder aufzuladen, beschäftigen die Firmen sogenannte "Chargers". Sie klappern nachts die Straßen ab und laden die Gefährte über Nacht wieder auf. Dafür bekommen sie zwischen fünf und 20 Dollar pro Scooter.

Mit den Rollern kamen die Probleme

Die Scooter-Pioniere wollen neue Lösungen für die vom Verkehr verstopften Innenstädte finden, die Umweltbelastung senken und die Menschen unabhängiger vom Auto machen. Sie wollen die Transport-Industrie sprengen, sagen Macher der Start-ups gerne von sich selbst. Wie viele Roller sie derzeit auf den Straßen haben, wollen sie nicht sagen. Bekannt ist aber, dass alleine Bird Rides 22 500 Helme angeschafft hat.

Doch mit den Scootern kamen auch Probleme. Die betroffenen Städte fühlen sich überrumpelt. Statt erst einmal mit den Stadtverwaltungen zu verhandeln, verteilten die Start-ups die Roller ohne Absprache in den Innenstädten. Dabei sind viele Fragen überhaupt noch nicht geklärt. Die wichtigste: Wo dürfen die Scooter fahren? Nach derzeitigem Stand sind Radwege kein Problem. Auf Straßen und Gehwegen ist es verboten, mit den Rollern zu fahren, was die Fahrer aber nicht davon abzuhalten scheint. Außerdem gilt es zu klären, wo sie geparkt werden dürfen, denn ausgewiesene Abstellflächen fehlen bislang. Ob es eine Helmpflicht gibt, hängt von Bundesstaat und Bezirk ab. Und an welche Verkehrsregeln müssen sich die Scooter-Fahrer halten? An die der Straßenverkehrsordnung - in der Regel.

Im sonst so liberalen und neuer Technik gegenüber aufgeschlossenen San Francisco sehen sich die Roller einer immer größeren Gegnerschaft gegenüber. Anwohner beschweren sich bei der Stadt, sich regelrecht bedroht zu fühlen. Die Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde sei zu hoch, die Fahrer zu rüpelhaft und rücksichtslos, so die Klagen. Viele Fahrer rollern trotz Verbot auf den Gehwegen im Slalom entlang und parken die Dinger überall, wo sie gerade absteigen: vor Restauranteingängen, auf Fußgänger- und Radwegen, an Straßenkreuzungen, an Bushaltestellen, vor Hauseinfahrten.