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Strom für ankernde Schiffe:Anschluss ans Festnetz

Wenn Schiffe in Häfen ankern, bekommen sie ihren Strom meist durch Dieselaggregate. Dabei kursiert schon seit Jahren der Slogan: "Schiffe an die Steckdose" um die CO2-Emission der Häfen zu senken. Doch noch hakt es bei der Verlegung von Landstromleitungen für Schiffe.

Der ehemalige schleswig-holsteinische Umweltminister Uwe Döring (SPD) war ein Mann klarer Worte. Als in den Badeorten an der Lübecker Bucht immer öfter Klagen über die Luftverschmutzung durch Schiffe laut wurden, erfand sein Stab 2008 den plakativen Slogan "Schiffe an die Steckdose". Nach einem ersten Anlauf in Lübeck ist es jetzt aber wieder ruhig um Landstromanschlüsse für Schiffe geworden. Und auch weltweit ist die baldige Einführung nicht in Sicht.

Schiffe an der Anlegestelle von Warnemünde: Die baldige Einführung von Landstromleitungen ist nicht in Sicht.

(Foto: APN)

Die erste Schiffs-Steckdose wurde im August 2008 in Lübeck eingeweiht. Der Frachter TransPaper der schwedischen Reederei TransAtlantic und seine beiden Schwestern TransPulp und TransTimber können seither während jedem ihrer wöchentlichen Besuche in Lübeck die Motoren während der Liegezeit abstellen. Eigentlich der Traum von Anwohnern und Kommunalpolitik, aber: Alle anderen Schiffe im Lübecker Hafen nutzen während der Liegezeit weiterhin ihre Dieselmotoren für die Stromerzeugung.

Besonderes Augenmerk richtet sich auf Kreuzfahrtschiffe und Fähren. Denn Kabinen, Küchen, Klimaanlagen und die Beleuchtung der Schiffe benötigen auch im Hafen Strom. "Ganz so einfach ist das ja nicht", sagt Richard Vogel, Geschäftsführer der Kreuzfahrtreederei TUI Cruises. Und bei der Taufe des zweiten Schiffes im Mai riss dem Reeder in Hamburg dann auch der Geduldsfaden: "Schiffe fahren von Hafen zu Hafen, deshalb muss das Problem mit der Stromversorgung in den Häfen gelöst werden.

Ein Schiff umzurüsten ist relativ einfach. Das hat aber nur Sinn, wenn es endlich auch international einheitliche Standards gibt." Da es solche Standards für den Landstrom nicht gibt, setzen die Reeder lieber aufs Sparen. Brennstoffzellen, Solartechnik, Energiesparlampen und moderne Klimatechnik kommt immer öfter an Bord von Fähren und Kreuzfahrern zum Einsatz.

Die Schornsteine der großen Luxusliner stehen vor allem in Hamburg immer wieder im Fokus. Seit die Wohnbebauung bis auf wenige hundert Meter an die Kreuzfahrt-Terminals herangerückt ist, mehren sich Proteste der Anwohner. Und spätestens, seit Wissenschaftler der Universität Delaware eine Modellrechnung präsentierten, wonach weltweit jährlich angeblich rund 60.000 Menschen wegen der Schiffsabgase sterben, war es für Viele in der Hansestadt mit der Liebe zur Schifffahrt erstmal vorbei.

Ernüchterndes Ergebnis der EU-Untersuchung

Mittlerweile aber ist es auch in Hamburg wieder ruhiger geworden. Den Grund dafür liefert die Statistik: Den rund 100 Traumschiffen, die von Mai bis Oktober Hamburg anlaufen, stehen in jedem Jahr gut 10.000 Handelsschiffe gegenüber - die meisten sind große Containerfrachter, die viel größere Antriebsmotoren haben als zum Beispiel die Queen Mary 2.

Mittlerweile hat auch die EU-Kommission das Thema Landanschluss untersuchen lassen. Das Ergebnis war für die Landstrom-Befürworter ernüchternd. Denn der Strom kommt in Norddeutschland noch überwiegend aus Kohlekraftwerken. Diese Art der Stromerzeugung verursacht aber wesentlich höhere CO2-Emissionen als die Dieselmotoren der Schiffe; auch der Wirkungsgrad der Karftwerkturbinen ist weit niedriger als der eines modernen Schiffsdiesels. Vom Landstrom würden also nur die unmittelbaren Hafenanwohner profitieren.

In Norwegen ist man bereits weiter. Zusammen mit der Hafenverwaltung Oslo und dem Stromanbieter Hafslund Net wurde im Mai von der norwegischen Fährreederei Color Line die erste Landstromanlage gebaut. Mit dem Stromanschluss sollen zukünftig pro Jahr 3000 Tonnen CO2 und 50 Tonnen Stickoxide eingespart werden, die bis dahin von den beiden Fährschiffen Color Fantasy und Color Magic in den Himmel über Oslo geblasen wurden. Der Strom für die Schiffe kommt aus Wasserkraftwerken nordwestlich von Oslo.

In Schweden, Finnland, den Niederlanden und Belgien gibt es ebenfalls Landstromprojekte, ebenso in den Häfen Vancouver und Los Angeles. Hier wird der Strom jedoch zu einem Großteil durch Kernkraft oder erneuerbare Wind- und Wasserkraftwerke eingespeist. Letzteres wird in Norddeutschland erst ab 2020 möglich sein - dann soll der durch Offshore-Windparks vor der Küste Schleswig-Holsteins erzeugte Strom ausreichen, um Kohle- und Kernkraftwerke zu ersetzen.

Landstrom für Marine attraktiv

Das Gutachten der EU-Kommission kommt außerdem zu dem Schluss, dass Landstrom generell nur unwesentlich zur Luftverbesserung an den Küsten beiträgt. Denn der Großteil der von der Schifffahrt verursachten Emissionen wird während der Fahrt von den Schiffen ausgestoßen, wenn die Motoren unter Voll-Last laufen.

Bei einer großen Fähre oder einem Kreuzfahrtschiff wird im Hafen nur etwa ein Viertel der Motorleistung benötigt. An Bord eines modernen Kreuzfahrtschiffes müssen die vier bis sechs Dieselmotoren im Seebetrieb zwischen 25 und 35 Megawatt erzeugen. Im Hafen reichen meist vier bis fünf Megawatt für den Betrieb aus - besonders im kühlen Nordeuropa.

Die einzigen Schiffe in deutschen Häfen, die bereits seit langem ausnahmslos über Landstromanschlüsse verfügen, sind die Einheiten der Marine. Bereits seit den sechziger Jahren werden in den deutschen Stützpunkten alle Schiffe und Boote der Marine mit Landstrom versorgt. Der Grund: Die Kosten für die Betriebsstunden der Antriebsmotoren auf Fregatten oder Versorgungsschiffen sind deutlich höher als die Strompreise aus der Kohleverstromung.

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