Sport-Limousinen im Vergleich Diesen Luxus-Flundern fehlt der letzte Schliff

Vergleichstest: Peugeot 508 und VW Arteon

(Foto: Fotos: VW, Peugeot; Montage: SZ.de)

Die neuen Coupé-Limousinen VW Arteon und Peugeot 508 wollen schick, sportlich und funktional sein - und reichen doch nicht an Premium-Konkurrenten heran.

Von Joachim Becker

Noch hat die SUV-Welle nicht alle anderen Karosserievarianten überrollt. Aber die klassische Limousine ist außer in China bereits so gut wie tot. Als eine der letzten Bastionen gegen aufgeblasene Hochdachautos bleiben platt gebügelte Schönlinge wie der VW Arteon. Die Schräghecklimousine hat das VW-Flaggschiff Phaeton beerbt - zusammen mit dem Touareg, der stolze 30 Zentimeter höher ist. Mit etwas Offroad-Lametta macht der SUV auf Abenteurer, während der Arteon den eleganten Sportler gibt. Doch das sind alles nur Attitüden, denn beide werden hauptsächlich auf dem Großstadtboulevard bewegt.

Peugeot hat seine Toplimousine ebenfalls sechs Zentimeter tiefer gelegt. Mit 1,40 Metern ist der neue 508 noch flacher als der Arteon und das gemeinsame Vorbild Mercedes CLS. 2003 hatten die Stuttgarter mit ihrer ersten luxuriösen Flunder ein neues Fahrzeugsegment geschaffen: Die Eleganz und die rahmenlosen Türen eines Coupés in Verbindung mit dem Komfort und der Funktionalität einer Limousine. Ein Auto, das den Fahrer jünger, entspannter und genussfreudiger wirken lässt als eine S-Klasse: Offenes Hemd statt Schlips und Anzug sozusagen. Sollen die anderen doch schauen, wie sie sich unter dem niedrigen Dach im Fond einfädeln. Akrobatisch wird diese Übung, wenn sich die riesigen Coupé-Türen in engen Parklücken nur einen Spalt weit öffnen lassen. Drinnen finden vier Erwachsene bequem Platz, im "lediglich" 4,75 Meter langen 508 wird es schon enger. Das ist der Fluch der flachen Form.

Natürlich hat Mercedes die Schräghecklimousine nicht erfunden, sondern frech über die Alpen geschaut. Seit den 50er-Jahren entwickelten sich unter den italienischen Sportwagenschönheiten auch einige GT-Modelle. Zweitürer mit Heckklappe, die mit ihren sanft abfallenden Dachlinien auch heute noch erstaunlich schlank und stilbildend sind. Weil sie auf Langstreckenfahrten eingesetzt wurden, waren die "Gran Turismos" ein bisschen komfortabler abgestimmt. Die fließenden und kraftvoll gestreckten Formen nannten die Italiener "Bella Figura". Was beileibe nicht nur eine Bikinifigur meint, sondern auch eine lässig entspannte Grundhaltung.

An diesem Coolness-Faktor müssen sich heutige Coupés jeder Couleur messen. Doch was, wenn plötzlich lauter Flundern (außer den unvermeidlichen SUVs) nebeneinander in der Tiefgarage stehen? Es droht eine gewisse Verwechselbarkeit, der die neuen Viertürer ja gerade entkommen wollten.

Die Front des Peugeot 508 erinnert an das Monza-Konzept, das Opel 2013 auf der IAA gezeigt hat. Das wäre im Prinzip kein Problem, wenn der Peugeot mit seinen Säbelzahnlichtern an den beiden Seiten des Kühlermauls nicht so aussehen würde, wie wir uns einen Opel immer gewünscht hätten. Macht nichts, gehört ja jetzt zum selben PSA-Konzern, zumal der Franzose mit einer leicht überspannten Seitenlinie den Bogen genauso raus hat wie CLS und Arteon. Der VW gibt sich mit seinem riesigen Lamellenkühler noch aggressiver und besonders im Schulterbereich der C-Säulen noch muskulöser, während der Peugeot am Ende etwas nüchtern und schüchtern wirkt.

Autos mit rahmenlosen Scheiben versprechen Individualität, sie wollen sich von gewöhnlichen Limousinen absetzen und den Fahrer mit entspannter Großzügigkeit schmücken. Moderner und selbstbewusster als ein Passat wirkt der Arteon allemal, obwohl er mit ihm eng verwandt ist. Aber wie das so ist mit der buckeligen Verwandtschaft: Der Arteon wäre ohne seine Baukastenbrüder teurer, gerade deshalb muss er jede Familienähnlichkeit so gut wie möglich überspielen. Der Grat zwischen elegantem Verwöhnaroma, neuen Proportionen und praktischer Vernunft ist schmal, jeder stilistische Fehltritt kann sich rächen.