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Peugeot streicht 8000 Stellen in Frankreich:Spar-Orgie in Paris

200 Millionen Euro hat der französische Autobauer seit Mitte 2011 verbrannt - pro Monat. PSA ist zu einem Symbol für die Misere von Europas Massenherstellern insgesamt geworden. Ein Erklärungsversuch.

Es gab Zeiten, da waren Autos mehr als nur Fortbewegungsmittel. Sie transportierten Botschaften. Der Fiat Cinquecento zum Beispiel. Er war der Beleg dafür, dass Italien in der Moderne angekommen war. Ein Land, in dem man ab sofort nur noch am Wochenende, zum Spaß und in bunten Trikots Fahrrad fuhr. Aber nicht mehr, weil man es musste. In Frankreich gab es zwei Autos, die zeigten, wo das Land gerade stand und wo es hin wollte. Das eine, das war der Citroën 2CV. In Deutschland nannte man das kleine Auto mit luftgekühltem Zweizylinder-Boxermotor liebevoll "Ente". Tatsächlich aber stand der kalkulierte Design-Anachronismus für Égalité. Gleichheit.

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8000 Stellen weg: Die Gewerkschaften sprechen von einem "Erdbeben" und einer "Kriegserklärung". Sie drohen mit Protesten und Streiks und wissen doch, dass sie allzu viel nicht erreichen können.

(Foto: dpa)

Und dann gab es den Citroën DS, jenes wundersame Ding, das mit einer hydropneumatischen Federung arbeitete. Parkte man, senkte sich der Wagen allmählich ab. Es gibt eine Szene in dem Film Fantomas gegen Interpol aus dem Jahre 1965, da hebt Jean Marais als Fantomas mit einem DS ab. Der Citroën als fliegende Gangster-Limousine, mit Flügeln und feurigen Raketendüsen, der 2CV als entschiedenes Statement gegen die Wucht der großen Limousinen. Frankreichs Autoindustrie, in jenen Jahren bewegte sie sich zwischen Nonkonformismus und futuristischen Visionen.

Und die Franzosen liebten ihre Autos gerade deshalb. Auch wenn diese meistens kleiner waren als deutsche oder amerikanische Autos. Sie waren auf ihre Art französisch. Deshalb stehen sie nun alle unter Schock: die Politiker, die Gewerkschafter, die Arbeiter sowieso. Denn die Botschaft am Donnerstag war verheerend. 8000 Stellen will PSA Peugeot Citroën im ganzen Land streichen, die traditionsreiche Fabrik von Aulnay-sous-Bois nördlich von Paris mit ihren 3000 Mitarbeitern soll ganz geschlossen werden. Premierminister Jean-Marc Ayrault spricht von einem "Schock", die Gewerkschaften reden von einem "Erdbeben" und einer "Kriegserklärung". Sie drohen mit Protesten und Streiks. Und wissen doch, dass sie allzu viel nicht erreichen können.

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