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Neues Produktionsverfahren:Honda stellt Auto aus dem 3-D-Drucker vor

Ausdrucken, anschrauben - fertig: Dieses Auto aus dem 3-D-Drucker entstammt einer Kooperation des japanischen Start-ups Kabuku und des Autoherstellers Honda.

(Foto: PR)

Der Honda Micro ist dank des Verfahrens komplett modular aufgebaut und kann so höchst individuell gestaltet werden. Damit rückt die Autoproduktion endlich näher an den Menschen heran.

Hätte der 3-D-Druck eine PR-Abteilung, sollte man die vielleicht mal einbestellen. Da wurden doch klassische Terminfehler gemacht! Schon vor zehn Jahren wurde der 3-D-Drucker als revolutionäres, zukunftsentscheidenes Wunderding vorgestellt, und so getan, als ob man sich spätestens übermorgen damit das neue Ecksofa ausdrucken könnte. Tatsächlich sah der zutiefst zukunftsbereite Endverbraucher aber jahrelang gar nichts, was über schief geschmolzene Spielfigürchen, kurios selbstgestaltetes Sexspielzeug und ein paar offenbar künstlerisch wertvolle Einzelteile hinausging.

Und jetzt, liebe PR, wo man die Sache beinahe vergessen hat, beginnt die 3-D-Technolgie Produkte auf die Straße zu spucken, die wirklich zugänglich und von Praxisnutzen umweht scheinen - und keiner nimmt so recht davon Notiz.

3-D-Druck als an eine Art wundersam gesteuertes Bleigießen

Vor einigen Monaten schon stellte Airbus mit seiner AP-Works-Manufaktur ein E-Motorrad vor, dessen Korpus aus einem organisch strukturierten Exoskelett besteht, hergestellt in einem speziellen 3-D-Aluminiumdruck-Verfahren, sehr leicht, sehr Zukunft, leider auch noch sehr limitiert. Honda legt jetzt mit einem kleinen Auto aus dem 3-D-Drucker nach, wobei man die Technik vielleicht mal von dem Annex "-Drucker" befreien sollte. Wer je die Arbeit einer solchen Maschine beobachtet hat, sieht sich dabei weniger an einen Druckvorgang als an eine Art wundersam gesteuertes Bleigießen erinnert.

Der Micro nun entstand ebenfalls in der Motorradabteilung des japanischen Konzerns, die ihm ein stabiles Knochengerüst verpasste, das mit 3-D-Modulen verkleidet wird. Die maßgebliche Technik für diese Hülle lieferte ein 3-D-Start-up namens Kabuku. Das kecke Wägelchen macht seinem Namen alle Ehre - konzipiert für eine Person, leicht und mit dem E-Motor maximal 70 km/h schnell, unterscheiden es nur das Dach und die vier Räder vom Roller. Und natürlich die Möglichkeit, den Großteil der Karosserie auf Knopfdruck produzieren und per Mausklick Modifikationen am Erscheinungsbild vornehmen zu können.

Die Form des Wagens ist ein unverbindlicher Vorschlag

Das ist der eigentlich interessante Hebel, den diese Technologie heute ansetzen kann. Bei der Vorstellung auf der Ceatec-Messe wurden deswegen gleichzeitig mit dem ersten fahrbereiten Micro, der als Lieferwagen von einer Keksmanufaktur geordert worden war, auch mögliche Alternativen vorgestellt. Seine Erscheinung ließe sich, so Honda, hier und jetzt problemlos auch für einen Fischhändler oder die Transportbedürfnisse eines Kaffeerösters anpassen. Die Form des Wagens ist also eher ein unverbindlicher Vorschlag.

Sollte das Prinzip irgendwann flächendeckend Schule machen, wäre das für die Produktgestaltung ein Sprung in eine andere Dimension - fast genau hundert Jahre, nachdem Henry Ford das Laufband eingeführt und das Auto damit zum genormten Massenprodukt gemacht hat.

Der 3-D-Drucker ist das Anti-Fließband, wenn er jedes Produkt neu konzipieren kann und Innenraumlösungen, Staumodule und Hülle ganz variabel werden. Schon jetzt mühen sich Autohersteller, dem Kunden mehr Gestaltungsmöglichkeiten anzubieten und stellen ihm - etwa beim neuen Citroën C3 - einen bunten Baukasten an Dach- und Seitenteilen zur Verfügung. Das ist freilich nur individuelle Tünche. Könnte man tatsächlich irgendwann die Formgebung von Fall zu Fall anpassen und jedes Fahrzeug ohne große Mehrkosten neu designen, wäre die Produktion näher an den Menschen gerückt. So nah beim Endverbraucher ist der 3-D-Druck aber noch nicht. Der Micro richtet sich erst mal nur an Geschäftskunden.