Neue Volvo-Strategie Alles auf Elektro? Das traut sich Volvo noch nicht

Einige Plug-in-Hybride bietet Volvo derzeit bereits an, zum Beispiel den XC90 Twin Engine. Er kostet mindestens 74 650 Euro.

(Foto: Volvo)
  • Volvo will nach und nach seine Modellpalette elektrifizieren.
  • Firmenchef Håkan Samuelsson beschwört "das Ende des ausschließlich vom Verbrennungsmotor angetriebenen Autos".
  • Doch das heißt noch lange nicht, dass Volvo bald nur noch rein elektrische Autos anbieten wird.
Von Thomas Harloff

"Verbrennungsmotoren bleiben noch mindestens 20 Jahre elementar." Diese Aussage vom Wiener Motorensyposium ist gerade einmal etwas mehr als zwei Monate alt. Sie stammt von Matthias Müller, dem Chef des Volkswagen-Konzerns. Volvo-Chef Håkan Samuelsson beschwört heute dagegen "das Ende des ausschließlich vom Verbrennungsmotor angetriebenen Autos." Das sind große Worte, und sie scheinen genau das Gegenteil von dem zu bedeuten, was Müller sagte. Doch stimmt das auch?

Müller kündigte auf dem Wiener Motorensymposium an, sechs Milliarden Euro in die Entwicklung alternativer Antriebe stecken zu wollen. Für Verbrennungsmotoren stehen dagegen im gleichen Zeitraum zehn Milliarden Euro zur Verfügung, damit diese "um zehn bis 15 Prozent effizienter und damit sauberer" werden als heute. Volvo will es genau andersherum angehen: Jedes neue Modell der Schweden wird von 2019 an über einen Elektromotor verfügen. Bis 2021 sollen fünf neue Elektroautos auf den Markt kommen. Hinzu kommen Hybridautos, die sich über die gesamte Modellpalette erstrecken.

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Zwei Automanager, zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen. Oder nur zwei total konträre PR-Strategien? So hart, wie es den Anschein hat, ist Volvos Schnitt nicht. Die Ankündigung schließt neben reinen Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden, deren Batterie sich extern an einer Steckdose oder Ladesäule füllen lässt, auch Autos mit 48-Volt-Hybridsystem ein. Wie sich die verschiedenen Antriebskonzepte über das künftige Volvo-Portfolio aufteilen, wollte ein Volvo-Sprecher auf Nachfrage noch nicht konkretisieren.

Wahrscheinlich ist, dass die 48-Volt-Systeme, sogenannte Mildhybride, den größten Anteil ausmachen werden. Solche Autos verfügen über ein zweites Bordnetz mit höherer Spannung, das einen kleinen Elektromotor oder Generator mit Energie speist. Dieser Unterstützer für den Verbrennungsmotor kann an verschiedenen Stellen im Antriebsstrang sitzen. Audi will die Technik beim neuen A8 zum Standard machen. Mercedes bringt sie bald flächendeckend über mehrere Baureihen hinweg. BMW wartet derzeit noch ab, bis sie günstiger wird.

Volvo traut sich zumindest ein bisschen was

Dem Sprecher zufolge handelt es sich bei Volvo um einen Startergenerator, der direkt am Verbrennungsmotor sitzt. Er soll den Verbrennungsmotor bei den Dingen entlasten, die den Spritverbrauch stark nach oben treiben. Zum Beispiel beim Anfahren oder Beschleunigen. Außerdem hilft er dabei, Bremsenergie zurückzugewinnen, dem Verbrennungsmotor auf der Autobahn oder Landstraße bei gemütlichem Tempo eine Pause zu gönnen (in der Fachsprache heißt das Segeln) oder die Klimaanlage anzutreiben. Experten sehen durch die 48-Volt-Elektrifizierung ein Spritsparpotenzial von 13 Prozent, im Stadtverkehr soll der Verbrauch um mehr als 20 Prozent sinken.

Alles auf Elektro? Das traut sich Volvo noch nicht. Und doch bewegen sich die Schweden klar weg von fossilen Brennstoffen hin zur Power aus der Steckdose. Erst vor zwei Wochen kündigten sie an, eine eigene Marke für Hochleistungs-Elektroautos aufbauen zu wollen, quasi einen skandinavischen Tesla-Konkurrenten.