Museum von Ernst Piëch Im Namen des Patriarchen

Ernst Piëch erfüllt sich im Alter von 84 Jahren einen Lebenstraum. Sein neues Museum bei Salzburg ist eine Hommage an Großvater Ferdinand Porsche. Ein Rundgang.

Von Georg Kacher

Den Herbst und Winter verbringt Ernst Piëch in England. Dort baut er Wein an und genießt das milde Klima. Im Frühjahr und Sommer lebt der ältere Bruder von Ferdinand Piëch samt Gattin am Mattsee. Dort, vor den Toren von Salzburg, hat der 84jährige Enkel von Ferdinand Porsche Mitte Juni eine "neue Erlebniswelt rund um Meilensteine der Mobilität" eröffnet. Ihr Name: Fahr(T)raum.

Mit EU-Geldern und Unterstützung des Landes entstand in einer früheren Schuhfabrik ein Museum der besonderen Art: hell, einladend, kinderfreundlich, didaktisch auf neuestem Stand. Und vor allem: lebendig. Die Exponate sind keine Asservatenleichen, sondern voll funktionsfähig. Das beweist nicht nur ihre Teilnahme an Veranstaltungen wie der London-Brighton-Rallye oder dem Gaisbergrennen. Das bezeugen auch Gebrauchsspuren wie Bremsstaub-Patina, kleine Öllachen und die eine oder andere Straßenzulassung.

Eine Piëch-Sammlung ohne einen einzigen Porsche

Obwohl sich in den Hallen am Ortseingang alles um den berühmten Autopionier dreht, steht in der Sammlung kein einziger Porsche. "Stimmt, stimmt aber auch nicht," relativiert der Hausherr, dessen freundlicher Sprachduktus mit der einsilbigen Intonation des Bruders nicht viel gemein hat. "Zum einen haben wir einen original KdF-Wagen von 1938, der unter der Leitung von Ferdinand Porsche entwickelt wurde. Und zum anderen zeigen wir vom Lohner-Porsche bis zum Steyr eine Reihe österreichische Fahrzeuge, an deren Konstruktion Porsche maßgeblich beteiligt war. Ich persönlich interessiere mich besonders für die Marke Austro Daimler, wo mein Großvater in seiner frühen Schaffensphase bemerkenswerte Arbeit geleistet hat." Bemerkenswert ist auch der Bildband, den Piëch zusammen mit dem US-Autor Karl Ludvigsen zum Thema Austro Daimler verfasst hat. "Wir haben die wichtigsten Autos neu fotografiert, die Historie aufgearbeitet und präsentieren bislang unveröffentlichte Dokumente."

Fahr(T)raum spannt den Porsche-Bogen vom Lohner Mixte Hybridwagen (1901) bis zum Steyr 30 (1931). Warum kein echter Porsche mit von der Partie ist? Weil nicht der Vater, sondern der Sohn Ferry mit dem 356 das erste Auto auf die Räder stellte, das den Namen der Familie trug. Der Käfer firmierte als VW, der Silberpfeil als Auto Union, der Sascha als Austro Daimler (AD). Warum war AD damals so wichtig für Porsche, und heute für Piëch? Weil der geniale Techniker schon 1906 dort anheuerte und nicht nur Sport- und Luxuswagen konstruierte, sondern auch Flugmotoren und Militärfahrzeuge.