Fußgängerschutz:Crashtest-Dummy

BMW hui, Audi pfui: Beim Fußgängerschutz hinkt so mancher Hersteller hinterher. Jetzt soll der Schutz der Schwachen bei den offiziellen Crashtests endlich mehr Gewicht bekommen.

Joachim Becker

Zebras waren nie vom Aussterben bedroht, Zebrastreifen schon: 1967 gab es in West-Berlin mehr als 700 markierte Fußgängerüberwege, 1990 dagegen nur noch 79. Die Markierungen mussten weg, weil sie den Verkehrsfluss gestört hätten.

Fußgängerschutz

Crashtests der Prüforganisation Dekra zeigen die Folgen einer Kollision bei nur 30 km/h: Der Fußgänger wird ruckartig von null auf 30 km/h beschleunigt, schlägt auf der Motorhaube auf und wird von dem bremsenden Auto zurückgeschleudert.

Doch es gibt noch einen anderen Grund: Ohne den begleitenden Schutz durch Ampeln sind Passanten beim Queren der Straße nicht wirklich sicher, im vergangenen Jahr ereigneten sich 16 Prozent der Fußgängerunfälle mit Personenschäden auf Zebrastreifen, mehr als 90 Prozent aller Fußgängerunfälle passieren innerorts. Nicht schnelle Autobahnen, sondern der hoch verdichtete Stadtverkehr trägt entscheidend dazu bei, dass Verkehrsunfälle bis 2030 weltweit zur fünfthäufigsten Todesursache avancieren werden.

Rund ein Viertel der Unfalltoten in Deutschland sind Fußgänger und Radfahrer, Autofahrer haben im ungleichen Kampf um knappe Verkehrsflächen die besseren Chancen - sie kommen bei einem Fußgängercrash meist mit dem Schrecken oder einem Blechschaden davon. Aber, so die Diagnose von Jörg Ahlgrimm, dem Leiter der Unfallanalyse bei der Dekra: "Schwache, ungeschützte Verkehrsteilnehmer profitieren von den Verbesserungen an Fahrzeugen bisher nur sehr wenig."

Und Crashtests der Prüforganisation zeigen die Folgen einer Kollision bei nur 30 km/h: Der Fußgänger wird ruckartig von null auf 30 km/h beschleunigt, schlägt auf der Motorhaube auf und wird von dem bremsenden Auto zurückgeschleudert. Obwohl der Dummy acht Meter von der Unfallstelle liegen blieb, wurde die Überlebenswahrscheinlichkeit in diesem Fall hoch eingeschätzt. Voraussetzung dafür aber ist, dass der Kopf nicht mit voller Wucht gegen eine harte Struktur geprallt ist.

So können besonders große und leistungsstarke Autos mit ihren harten Fronten und vollgepackten Motorräumen zur ernsten Gefahr für andere werden, wie ein Crashtest des ADAC vor kurzem zeigte. Unter den getesteten Geländewagen schnitt der Audi Q5 am schlechtesten ab. Mit zwölf Punkten im EuroNCAP-Prüfverfahren erzielte er sogar drei Punkte weniger als der 2006 getestete Q7. Der Mercedes GLK erreichte 16 Punkte, zehn Punkte mehr als die M-Klasse.

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