Reifenabnutzung:Achtung, Feinstaub!

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Reifenabnutzung: Stop-and-go in Städten: Im Ampeltakt müssen Autos besonders oft bremsen und beschleunigen. Dabei entsteht Reifenabrieb.

Stop-and-go in Städten: Im Ampeltakt müssen Autos besonders oft bremsen und beschleunigen. Dabei entsteht Reifenabrieb.

(Foto: Christoph Hardt/imago images/Future Image)

Schwere Batterieautos erzeugen mehr Reifenabrieb - und verschlechtern dadurch die Stadtluft.

Von Joachim Becker und Peter Ilg

Feinstaub reizt die Atemwege, je feiner er ist, desto leichter können die Partikel in das Lungengewebe eindringen. In Ballungsgebieten stammt der Staub vor allem aus dem Straßenverkehr - aus (Diesel-)Motoren, aber auch aus dem Bremsen- und Reifenabrieb. Die Kraftübertragung zwischen Reifen und Fahrbahn raspelt permanent etwas Gummi von der Oberfläche. Die feinen Reifenreste gelangen ins Grundwasser, können bei trockener Witterung aber auch als Partikel-Nebel in der Luft wirbeln. Laut dem ADAC macht der synthetische Kautschuk, der zu Kunststoffen zählt, als Abrieb von Autoreifen rund ein Drittel aller Mikroplastik-Emissionen in Deutschland aus. Der Verkehrsclub misst den Reifenverschleiß sowohl bei Konvoifahrten im Realbetrieb als auch im Labor auf einem Rollenprüfstand.

"Seit Jahren steigt der Reifenabrieb tendenziell an, was an der stetig steigenden Motorleistung, dem Trend hin zu schweren SUVs und den dadurch immer größeren Reifendimensionen liegt", sagt Dino Silvestro, Leiter Fahrzeugtest beim ADAC. Der Abrieb ist bei Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen relativ ähnlich. Der Verkehrsclub hat bei Reifentests ermittelt, dass der Abrieb eines Fahrzeugs für alle vier Reifen bei rund 120 Gramm pro 1000 Kilometer liegt. "Bei 650 Milliarden Kilometern, die jährlich in Deutschland gefahren werden, ergibt das eine Masse von 80 000 bis 90 000 Tonnen Abrieb", so Silvestro.

Die Elektromobilität könnte das Problem noch verstärken, denn die Stromer sind ein paar Hundert Kilogramm schwerer als Autos mit Verbrennungsmotor. Außerdem haben sie häufig mehr Leistung und entwickeln aus dem Stand ihr maximales Drehmoment. All das kostet Profil, das auf der Straße liegen bleibt. Die Testorganisation Emissions Analytics warnt, dass der Reifenabrieb mittlerweile viel größere Probleme bereite als die Abgase von Neuwagen: "Für jeweils 100 Kilogramm mehr Gewicht steigen die Reifenemissionen um fast sechs Milligramm pro Kilometer. Ein vollelektrischer Jaguar I-Pace würde wegen eines Mehrgewichts von 443 Kilogramm zum Beispiel 16 Prozent mehr Reifenpartikel emittieren als ein vergleichbarer Jaguar F-Pace."

Voraussichtlich von 2026 an wird es in Europa Abriebgrenzen für Reifen geben. Wie hoch sie sein werden, steht noch nicht fest. "Wir gehen davon aus, dass es erst einmal einen erfüllbaren Grenzwert geben wird, dann werden voraussichtlich die Grenzwerte im Laufe der Jahre reduziert", sagt Andreas Schlenke von Continental. Den Abrieb von Reifen zu reduzieren, sei kein großes Problem. "Doch mündet dies in einen Zielkonflikt mit der Sicherheit", so der Experte. Die Luft verbessern und dafür einen längeren Bremsweg in Kauf nehmen? Der könnte bei einem Unfall den entscheidenden Unterschied ausmachen.

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