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Fahrradtest:Mit dem Rennrad durch den Neuschnee pflügen

Rose Xeon CDX Cross-4400 Gravelbike

Das Rose Xeon CDX Cross-4400 ist ein Gravelbike. Was natürlich viel besser klingt als "Schotterrad".

(Foto: Rose)

Gravelbikes sind geländegängige Rennräder mit etwas dickeren Reifen und Noppenprofil. Das macht sie perfekt für rutschigen Untergrund.

Von Sebastian Herrmann

Eine Radtour gleicht oft einer Schnitzeljagd. Ohne Landkarte geht es los und auch das Smartphone darf zu Hause bleiben - es geht ja darum, dem Alltag zu entfliehen. Die Räder knirschen über den Kies, der Wind streicht über das Grinsen im Gesicht - und schon hat sich der Radler verirrt.

Und wenn er nicht auf einer Tour ohne Navi, Karte oder Ortskenntnis die Orientierung verliert, dann kann er sich leicht im Labyrinth des stetig ausufernden Fahrradmarktes verirren. Bezeichnungen wie Mountainbike, Rennrad oder Stadtrad klingen regelrecht grob und undifferenziert. Wie uninformiert! Der Fahrradpendler ist heute ein Urban Cyclist oder Commuter! Wer ein Mountainbike kaufen will, der muss sich zwischen Kategorien wie All Mountain, Marathon, Cross Country, Trailbike, Enduro, Freeride, Dirtbike und zig anderen Wortschöpfungen entscheiden, ohne genau zu kapieren, was den Unterschied im Einzelnen eigentlich ausmacht. Und kaum hat er begriffen, was ein Cyclocrosser ist - eine Art geländegängiges Rennrad - taucht schon die nächste Unterart dieser Räder auf: das Gravelbike.

Wörtlich übersetzt handelt es sich um ein Schotterrad, das bisher vor allem auf dem amerikanischen Markt eine Rolle spielt. Seit kurzer Zeit wird es auch in Europa verkauft. Zum Beispiel bietet Rose Bikes, ein deutscher Hersteller, Gravelbikes in unterschiedlichen Ausstattungen an. Das Rose Xeon CDX Cross-4400 Gravel basiert auf dem Cyclocross-Rahmen der Firma. Und in diesem Umstand steckt auch die Antwort auf die Frage, was denn ein Gravelbike eigentlich ist: Ein Cyclocrosser, der mit etwas dickeren Reifen und anderen Laufrädern ausgestattet ist. Es ließe sich auch sagen: Es ist ein Rennrad, mit dem ein Radler wunderbar über Waldwege und Wurzeln rumpeln und auf glattem Asphalt zügig Tempo machen kann. Eine Art Allround-Universal-Rennrad. Aber das klingt halt nicht so gut.

Das Rad fährt sich wie ein alter Bekannter

Die Karbon-Laufräder des Rose Gravelbike stammen von Rose selbst. Das Eigenfabrikat der Firma erlaubt es auch, die Reifen "tubeless" zu fahren - also auf Schläuche zu verzichten und ein wenig Gewicht zu sparen. Bereift sind die Laufräder mit Schwalbe G-One Reifen. Die sind 38 Millimeter breit und haben ein Noppenprofil. Die Reifen rollen gut und bei Neuschnee hilft die Breite der Mäntel sicher durch die wattierte Gegend zu pflügen. Sogar auf rutschigem, leicht eisigem Untergrund bieten die Reifen das Gefühl, man habe das Rad gut unter Kontrolle. Auf Schotterwegen und verwurzeltem Gelände dämpfen die Reifen Erschütterungen erstaunlich gründlich weg. Und die Sattelstütze aus Karbon schluckt weitere Stöße, die sonst den Radlerleib durchschütteln.

Die Sitzposition auf dem Karbonrahmen ist sportlich aber sehr angenehm, das Rad fährt sich wie ein alter Bekannter. Auf die Waage bringt es - ohne Pedale - etwa 7,6 Kilogramm. Gewichtsmäßig bewegt es sich also in Rennradkategorien. Das Modell Rose Xeon CDX Cross-4400 Gravel ist mit einer Sram-Force-Schaltung ausgestattet und verfügt vorne an der Kurbel über lediglich ein Kettenblatt mit 42 Zähnen. Die 11-fach Kassette hat eine Abstufung von elf bis 32 Zähnen. Das bietet ein ausreichend großes Spektrum, um damit auch längere Steigungen zu fahren und gleichzeitig reicht es, um in der Ebene gut Tempo zu machen.

Das Rose Xeon CDX Cross-4400 Gravel ist ein feines sportliches Fahrrad für die Übergangszeit und bietet für 2799 Euro ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Ob das Gerät nun Gravel-Cross-Aero-Sonstwas-Bike heißt, sollte einen nicht weiter kümmern. Wer sich durch das Labyrinth der vielen Kategorien gekämpft hat, der sollte einfach eines machen: immer weiterfahren und sich nicht beirren lassen. Irgendwo tut sich schon der richtige Weg auf, über den dieses Rad so geschmeidig rollt, dass es eine Freude ist.

Das Testfahrrad wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

© SZ.de/reek/liv

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