Fahrrad-Test Als E-Bike kaum zu erkennen

Akku und Elektromotor des Drivetronic verbergen sich in den Radnaben.

(Foto: UNIT401_GERARD; Ridetronix)

Das "Tronicdrive" besitzt alle Vorteile eines Pedelecs. Und fährt sich auch ohne Motor wie ein normales Fahrrad. Wie ist das möglich?

Von Eva Stammberger

Die Ampel springt auf Grün. Und sofort zeigt sich der Vorteil des "Tronicdrive", das von dem Münchner Startup Ridetronic entwickelt wurde. Ein, zweimal in die Pedale getreten, schon lässt man andere Radler mühelos hinter sich. Neben dem Vorsprung erntet man auch einige ungläubige Blicke. Ein Mitradler schließt auf und fragt: "Ist das ein E-Bike?" Ist es. Aber man sieht es eben nicht. Auch nicht auf den zweiten Blick. Der Rahmen selbst unterscheidet sich nicht von dem normaler Fahrräder ohne Antrieb. Akku und Motor sitzen in der Vorder- und Hinterradnabe.

Die Idee zum Bike hatte einer der Firmengründer, Tom Janowski, vor etwa drei Jahren. Der Maschinenbauingenieur pendelte damals mit seinem Rad täglich von München nach Garching und ärgerte sich, dass er dort stets verschwitzt und außer Puste ankam. Die vorhandenen E-Bikes überzeugten ihn nicht - sie waren zu schwer, zu wenig ästhetisch - also entwickelte er mit seinem Arbeitskollegen Paul Klarhöfer, einem IT-Spezialisten, zusammen das Tronicdrive. Ein E-Bike, das mit 13 Kilogramm tatsächlich kaum mehr wiegt als ein herkömmliches Fahrrad. Geschafft hat das Unternehmen das durch eine besonders leichte Antriebseinheit - Akku und Elektromotor wiegen zusammen gerade einmal vier Kilo. Der Rahmen selbst ist aus Aluminium. Wie fährt es sich?

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Bis zu 80 Kilometer Reichweite

Im Münchner Olympiapark soll das Fahrrad zeigen, was das Tronicdrive im Vergleich zu herkömmlichen E-Bikes zu bieten hat. Da Akku und E-Motor klein und leicht sind, liefern sie naturgemäß weniger Power. Der Akku leistet knapp 250 Wattstunden, Ridetronic gibt die Reichweite mit bis zu 60 Kilometern in der höchsten und bis zu 80 Kilometern in der niedrigsten Antriebsstufe an. Einmal komplett aufladen dauert 2,5 Stunden.

Da in den Motor ein Drehmomentsensor integriert ist, passt sich das Rad von alleine und progressiv an die Belastung an - je stärker man tritt, desto mehr schiebt der Motor mit. Zusätzlich lässt sich das Bike über eine App steuern, dafür muss man allerdings das eigene Smartphone am Lenker befestigen, dann kommunizieren Handy und Bike über Bluetooth miteinander. Das funktioniert reibungslos, die App lässt sich intuitiv bedienen, wirkt aufgeräumt und gut durchdacht und hat neben Akkustand, Anzeige der Motorunterstützung auch eine Navigationsfunktion.

Ohne Motor-Unterstützung fährt es sich wie ein normales Fahrrad

Beim Härtetest am Olympiaberg überrascht das Tronicdrive mit ordentlichem Schub. Es könnte zwar etwas direkter ansprechen, aber die bis zu 14 Prozent Steigung hinauf unterstützt der Motor tadellos. Was auffällt: Auch unter Volllast ist der Antrieb kaum zu hören. Auf den nächsten Kilometern Fahrt komplett ohne Motorunterstützung (man kann diese einfach über die App ausschalten) zeigt sich eine weitere Stärke des Rades: Es fährt sich wie ein ganz normales Bike, weder ein erhöhter Tretwiderstand noch ein träges Fahrverhalten trüben den Fahrspaß wie bei anderen E-Bikes, die man mit abgeschalteter Unterstützung - oder leerem Akku - fährt. Dieser Vorteil soll der Firma vor allem unter radelnden Berufspendlern Kunden bescheren.

Das Tronicdrive ist nicht billig: Die Basisvariante ohne Gangschaltung mit Riemenantrieb kostet 2750 Euro, diverse Extras wie eine Shimano XT-Kettenschaltung, Schutzbleche, Lichtset oder Fahrradschloss lassen den Preis auf bis zu 3200 Euro ansteigen. Das ist üblich für ein City-E-Bike. Dafür überzeugt das Rad im Test nicht nur mit seinem Fahrverhalten, der Motor- und Akkuleistung und dem geringen Gewicht, auch Anbauteile wie Sattel, Griffe, Reifen und Scheibenbremsen sind durchweg hochwertig. Vor allem für Radpendler oder Vielfahrer, die in der Stadt schnell und komfortabel von A nach B kommen wollen, ist das Tronicdrive eine Überlegung wert - genau wie für all jene, denen E-Bikes bisher einfach zu schwer waren oder zu klobig aussahen.

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