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Eurobike-Fahrradtrends:Elektrisch, praktisch, gut

Die größte Bike-Messe der Welt zeigt in diesem Jahr, dass Fahrräder mittlerweile eine ernsthafte Konkurrenz zum Auto sind - als Pendlermobil, Transporter oder Taxi. Das sind die wichtigsten Neuheiten.

Von Felix Reek

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Eurobike 2019

Quelle: dpa

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Die Eurobike (4. bis 7. September) am Bodensee ist für die Fahrradhersteller das, was die IAA lange Zeit für das Auto war: der wichtigste Branchentreffpunkt, auf dem sie ihre Neuheiten den Kunden vorstellen können. Doch während Frankfurt damit kämpft, dass immer mehr Hersteller der Messe fernbleiben, boomt der Fahrrad-Sektor, 1400 Aussteller sind es in diesem Jahr in Friedrichshafen. Das liegt auch daran, dass sich das Fahrrad in den letzten Jahren zu einer ernsthaften Alternative zum Autofahren entwickelt hat. Immer mehr Angebote zielen darauf ab.

Wie zum Beispiel der Trend zum Lastenfahrrad. Mit ihm lässt sich der Einkauf erledigen oder die Kinder in die Krippe transportieren. Oft sind die Cargo-Bikes allerdings sehr groß und sperrig, ein Nachteil auf den oft noch schmalen Radwegen. Der deutsche Hersteller Muli Cycles hat dafür das e-Muli Steps (im Bild) entwickelt. Es ist mit zwei Metern kaum länger als ein normales Fahrrad, kann zwei Kinder transportieren oder bis zu 100 Liter Gepäck. Der Korb lässt sich zudem zusammenklappen, wenn er nicht genutzt wird. Unterstützt wird der Radler durch einen Shimano StePS 6100 Elektromotor. Reichweite und Preis sind allerdings noch nicht bekannt, das e-Muli kommt Mitte 2020 auf den Markt.

Eurobike 2019

Quelle: Messe Friedrichshafen

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Doch nicht nur als Familienfahrzeug soll das Fahrrad das Auto ablösen. Der dänische Hersteller Triobike sieht in den Lastenfahrrädern auch eine Möglichkeit zur Personenbeförderung. Statt eines Gepäckkorbes gibt es bei dem Modell Taxi eine Couch samt Dach - eine Art fahrender Strandkorb. Unter der Sitzbank lässt sich zudem das Gepäck der Passagiere verstauen. Da das Taxi ziemlich schwer ist, sitzt entweder am Heck oder am Tretlager ein Brose Drive S Elektromotor. Der Preis: 8400 Euro.

Urban Mobility Media Days

Quelle: Anja Koehler; Eurobike

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A-N.T.'s Vision ist das Fahrrad als Transporter-Ersatz. Auf einer zweispurigen Vorderachse befindet sich eine Ladefläche, die bis zu 100 Kilogramm Last verträgt, auf dem Gepäckträger am Hinterrad können weitere 60 Kilogramm verstaut werden.

Je nach Einsatzgebiet lässt sich die Hauptladefläche anpassen. Denkbar ist eine Postbox für Briefträger, ein Werkzeugschrank für Handwerker oder auch ein Muldenkipper für Bauarbeiter, je nachdem, was der Kunde wünscht. Da das A-N.T. Cargo 280 Kilogramm schwer ist, unterstützt den Fahrer ein Elektromotor bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Somit ist es auch für Radwege freigegeben.

SKODA zeigt innovatives Zweiradkonzept KLEMENT

Quelle: obs

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Ein weiterer Schwerpunkt in Friedrichshafen sind Fahrräder, die für Berufspendler attraktiv sind. Die beliebten Pedelecs haben sich mittlerweile im Massenmarkt durchgesetzt, wer allerdings längere Strecken zurücklegen muss, braucht etwas, das schneller ist. Die Lösung sind S-Pedelecs oder auch E-Bikes, die dank Elektromotor bis zu 45 km/h erreichen.

In dieses Segment fällt auch das Skoda Klement. Es verbindet Eigenschaften eines Fahrrades mit denen eines Elektrorollers. Kette und Pedale gibt es nicht, die Füße stehen auf zwei Ablageflächen, während ein Elektromotor das E-Bike beschleunigt. Reichweiten von bis zu 62 Kilometer sollen so möglich sein. Noch ist das Klement ein Prototyp, die Serienversion könnte in ein bis zwei Jahren folgen.

Eurobike 2019

Quelle: Messe Friedrichshafen

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E-Scooter sind seit ihrer Zulassung in Deutschland ein Streitthema. Auch, weil viele sie als reine Spaßmobile abtun. Dem will das britische Start-up AER entgegen wirken. Ihr Roller 557 richtet sich explizit an Erwachsene. Die Reifen sind größer, der Komfort dadurch besser. Es ist kein Fortbewegungsmittel für die "letzte Meile", sondern eher eine Alternative zum Fahrrad. Ausgeliefert werden soll der AER 557 ab Januar 2020.

Eurobike Pressekonferenz 2019

Quelle: Eurobike

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Zunehmend wichtiger wird auch die Digitalisierung im Bereich Fahrrad. Der Helm Lumos Matrix zum Beispiel ist mit insgesamt 99 LEDs ausgestattet, die unter anderem als Fahrradscheinwerfer, Blinker und Bremslicht dienen. Dabei lassen sich Leuchtmuster auf der Rückseite programmieren - sie blinken dann zum Beispiel wellen- oder kreisförmig. Weitere Möglichkeiten zur Kalibrierung gibt es bei dem zum Start 170 Euro teuren Helm nach der Synchronisation mit dem Smartphone.

Eurobike Pressekonferenz 2019

Quelle: Eurobike

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Im Falle eines Unfalls entscheiden oft Minuten. Da können einige wichtige Informationen Leben retten. Die soll der POC Tectal Race SPIN NFC (Preis: 250 Euro) liefern. In dem Helm steckt ein Chip mit medizinischen Daten zum Fahrer. Dazu muss nur ein NFC-fähiges Smartphone darüber gehalten werden, das Blutgruppe, Vorerkrankungen und andere wichtige Informationen für Rettungsdienste einliest.

EUROBIKE 2018

Quelle: Messe Friedrichshafen

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Ein Ursache für Unfälle ist oft die Benutzung von Smartphones auf dem Fahrrad. Mit einer Hand auf dem Handy tippen und mit der anderen versuchen zu steuern, das geht oft schief. Um das zu verhindern, hat das Kasseler Unternehmen Sminno die Freisprecheinrichtung CESAcruise S (Preis: 60 Euro) entwickelt, die mit der dazugehörigen App auf dem Smartphone kommuniziert. Das Cockpit-System erlaubt es so, Navigation, Musik und Fitness-Apps per Sprache zu steuern, um die Hände nicht vom Lenker nehmen zu müssen.

Eurobike Pressekonferenz 2019

Quelle: Eurobike

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Für Mountainbiker dürfte besonders das Fox Live Valve System interessant sein. Die Einheit analysiert den Untergrund und passt automatisch die Federungseinstellungen an. Ein Sensor an der Gabelbrücke und einer an der Kettenstrebe sammeln Informationen über die Bodenbeschaffenheit und geben sie an eine Recheneinheit am Hauptrahmen weiter. Zusätzlich erkennt das System, ob sich das Mountainbike beim Sprung in der Luft befindet.

Eurobike Pressekonferenz 2019

Quelle: Eurobike

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Neben Cargo-Bikes und Digitalisierung gibt es aber natürlich auch Fahrräder zu bewundern auf der Messe am Bodensee. Ein besonders schnörkelloses ist das Asfalt LR aus der Schweiz. "Ein E-Bike wie kein anderes" heißt es vollmundig auf der Webseite des Herstellers, doch das ist natürlich nicht ganz richtig. Pedelecs, die sich optisch an reduzierten Singlespeeds orientieren und den Akku im Rahmen integrieren, gibt es gerade zu Hauf - etwa das Coboc One eCycle, das Geos Gravel oder auch das von Joko Winterscheidt unterstütze Sushi Bike.

Das Besondere am Asfalt LR sind allerdings die zwei Batterie-Systeme. Eine Akku-Einheit befindet sich fest verbaut im Unterrohr, die zweite lässt sich über die Sattelstütze herausziehen. Dadurch verdoppelt sich die Reichweite von 60 auf 120 Kilometer. Das Pedelec lässt sich mittels einer Anzahlung von 1000 Schweizer Franken vorbestellen, danach sind noch einmal 1790 CHF fällig, umgerechnet insgesamt etwa 2600 Euro.

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Quelle: max.ones photography

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Ein "Drahtesel" ist dieses Fahrrad definitiv nicht. Die Österreicher My Esel zeigen in Friedrichshafen das E-Tour Diamant, ein Pedelec, dessen Rahmen ganz aus Holz gefertigt ist. Vorbehalte gegen das Material begegnen sie mit einer Garantie von fünf Jahren auf den Rahmen, vor Witterungseinflüssen schützt eine spezielle Lackierung.

Ohne Strom geht es aber auch bei My Esel nicht. An der Hinterradnabe des E-Tour Diamant sitzt ein 250 Watt starker Motor. Die Batterie befindet sich im Rahmen und soll eine Reichweite von bis zu 110 Kilometern ermöglichen. Das Pedelec ist in drei Rahmengrößen verfügbar und kostet rund 3500 Euro. Gegen einen Aufpreis von 500 Euro können sich Kunden einen Rahmen maßschneidern lassen.

Eurobike Pressekonferenz 2019

Quelle: Eurobike

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Der Rahmen des Urwahn Stadtfuchs (Preis: 4000 Euro) hingegen sieht aus, als habe er einer zu großen Belastung nicht standgehalten. Die markante Biegung des Sattelrohrs ist aber Absicht: Der nachgiebige Stahlrahmen sorgt dafür, dass der Hinterbau Unebenheiten abfedert. Auch sonst gibt es einige innovative Ideen: Die Beleuchtung ist im Rahmen integriert und wird von einem Nabendynamo mit Strom versorgt. Dafür gab es in diesem Jahr den Red Dot Design Award für das schönste Fahrrad.

© SZ.de/cku
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