Elektromobilität:Die Umbaukosten bleiben meist am Mieter hängen

Auch Mieter stoßen auf viele Widerstände, wenn sie ihren gemieteten Garagenstellplatz fürs E-Auto ans Stromnetz anschließen wollen. Sie haben ebenfalls keine gesetzlichen Ansprüche und hängen vom Okay des Eigentümers ab, berichtet Ulrich Ropertz, Jurist und Sprecher des Deutschen Mieterbundes in Berlin. Das Mietrecht hinkt - wie das WEG-Recht - der aktuellen Entwicklung schlicht hinterher. Will ein Mieter seine Wohnung barrierefrei ausbauen, kann er sich auf Sonderregeln berufen. Doch für das Aufladen des E-Autos daheim gibt es keine.

Wer seinen Vermieter dennoch dazu bringt, einem Umbau der Tiefgarage oder des Carports zuzustimmen, wird das in der Regel selbst bezahlen müssen. Plus die Stromkosten, die auf dem Extra-Garagenzähler dann auflaufen. "Ein Umbau kann teuer werden, je nach Aufwand kann das einige Tausend Euro kosten", sagt Happ. Der Stromversorger muss auch mitspielen. Zieht der Mieter irgendwann einmal aus, läuft er auch noch Gefahr, die Ladestation auf seine Kosten wieder ausbauen zu müssen, ähnlich wie bei Umbauten in der Wohnung selbst.

Der Umbau kann sich für Eigentümer und Mieter rechnen

Ropertz rät interessierten Mietern, sich die Zustimmung des Vermieters auf jeden Fall schriftlich geben zu lassen und zu vereinbaren, dass der Stromanschluss in der Garage auch nach einem Auszug bleiben darf. Möglich ist auch, mit dem Vermieter eine angemessene Entschädigung festzulegen, für den Fall, dass die Installation zurückbleibt. Eigentlich könnten sich Vermieter mithilfe modernisierter Garagen einen Wettbewerbsvorteil am Wohnungsmarkt verschaffen, sind Experten überzeugt. Was die 22 Millionen Mietverhältnisse bundesweit angeht, haben bislang aber nur wenige das erkannt.

Dabei können Vermieter ihre Aufwendungen zur Ausstattung von Garagen mit Elektrizität steuerlich abschreiben, wie Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) erläutert. Ein Umbau der selbstgenutzten Garage, in dem das Privatauto steht, kann sich aber auch für Eigentümer wie Mieter rechnen. Der Handwerkerlohn darf als haushaltsnahe Dienstleistung in die Steuererklärung hinein und drückt direkt die Steuerlast.

Gesetzesinitiativen sollen die Lage verbessern

Für E-Auto-Fans, die bislang am Unwillen ihrer Nachbarn oder Vermieter gescheitert sind, gibt eine neue Bundesratsinitiative von Bayern und Sachsen wenigstens Anlass zur Hoffnung. Ziel des Gesetzentwurfs der beiden Länder: Zum einen im Wohnungseigentumsgesetz das Mitspracherecht der Miteigentümer neu zu regeln. Wer sich eine Ladestation in die Garage bauen möchte, soll künftig nicht mehr von der Zustimmung der Nachbarn abhängig sein. Eine Blockade solle nur noch in Ausnahmefällen zulässig sein, wie Stürzer erklärt. Zum anderen soll auch das Mietrecht entsprechend aktualisiert werden. Über eine Sonderregelung könnten Mieter dann vom Eigentümer verlangen, dass er die Steckdose für das elektrische Fahrzeug erlaubt.

Ob der Gesetzentwurf im Bundestag in dieser Form durchgehe, sei allerdings offen, betont Happ. Die Bundesregierung arbeitet anscheinend an einem eigenen Gesetzentwurf. Es ist also nicht absehbar, wann es mit der Lademisere in deutschen Tiefgaragen vorbei ist.

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