bedeckt München 22°
vgwortpixel

Autohersteller:Schon lange unter Verdacht

VW stoppt Dieselwagen-Verkauf in den USA

Eine Sonde misst im Auspuff die Abgaswerte.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)
  • Experten warnen seit Langem vor Tricksereien der Autokonzerne, wenn es um Abgastests und Verbrauch geht.
  • Die Frage sei nicht, welche Hersteller dies praktizieren, sondern welche nicht.
  • Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Im Sommer 2011 war es der BMW 116i. Alle Tests hatte der Wagen mühelos absolviert, Schadstoffe, Verbrauch - all das schien makellos. Dann testete der ADAC den Wagen, im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Nur testeten die Prüfer ihn nicht mit den üblichen Test-Geschwindigkeiten, sondern ein klein wenig anders. Prompt stiegen die Stickoxid-Emissionen rapide - um mehr als das 30-Fache. "Für uns war damals schon klar, dass da betrogen wird", sagt Jürgen Resch, Chef der Umwelthilfe. "Aber weder das Verkehrsministerium noch das Kraftfahrtbundesamt haben darauf reagiert."

Diese Erfahrung macht Axel Friedrich schon seit Langem. Jahrelang leitete er die Verkehrsabteilung im Umweltbundesamt, stets warnte er vor Tricksereien beim sogenannten Europäischen Fahrzyklus - jenem Test, mit dem Autos die Einhaltung von Verbrauchs- und Schadstoffnormen nachweisen müssen. "Unter Fachleuten ist schon lange bekannt, dass die Fahrzeuge eine eigene Zykluserkennung haben", sagt er. Und dank einer ausgefeilten Computertechnik sei das in den neueren Modellen nicht einmal sonderlich schwer. So kann das Navigationsgerät erkennen, ob das Fahrzeug trotz schneller Fahrt auf der Stelle steht - also im Prüfstand. Auch der Airbag-Sensor misst, ob das Fahrzeug in Bewegung ist, und das ABS-System erkennt mühelos, ob sich zwei Räder drehen oder vier. "Die Frage ist nicht, welche Hersteller das machen", sagt Friedrich, "sondern welche darauf verzichten."

VW Was VW-Kunden jetzt wissen müssen
Fragen und Antworten
Diesel von Volkswagen

Was VW-Kunden jetzt wissen müssen

Elf Millionen Autos sind vom Skandal um die Dieselmotoren von Volkswagen betroffen. Was kommt jetzt auf Verbraucher zu, die ein solches Modell gekauft haben?   Von Felix Reek

Es müsse "Vertrauen zurückgewonnen werden"

Die Bundesregierung weist bislang jeden Verdacht zurück, man habe schon längst von der Existenz solcher Spezial-Software gewusst. Entsprechende Vorwürfe der Grünen seien "falsch und unanständig", sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Nun soll eine Expertenkommission überprüfen, ob die Autos von Volkswagen "den deutschen und europäischen Regeln entsprechen". Erst einmal müsse mit viel Transparenz, "Vertrauen zurückgewonnen werden". Auch die Autoindustrie selbst will daran mitwirken, in einer Erklärung zeigte sie sich am Mittwoch noch einmal zutiefst betroffen. Allerdings dürfe man auch nicht vergessen, dass Verbrauch und Emissionen auf der Straße "erheblichen Schwankungen" unterlägen. Eine Abweichung von den Normwerten sei "schon aus physikalischen Gründen nicht zu vermeiden und auch rechtmäßig".

Dabei gab es auch in der Bundesregierung schon länger Zweifel, ob hier bloße Physik am Werk ist. Im Bundesumweltministerium hatten Beamte bereits früh einen Manipulationsverdacht, um die Jahrtausendwende. "Ich erinnere mich an kritische Stimmen, die so etwas vermutet hatten", sagt Uwe Lahl, langjähriger Abteilungsleiter für Immissionsschutz und Verkehr in dem Ministerium. "Aber Anhaltspunkte konnten wir nicht finden und daher wurde es auch nicht weiter verfolgt." Wer so einen Verdacht äußerte, dem sei rasch Verfolgungswahn attestiert worden. Heute ist Lahl Amtschef von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in Baden-Württemberg. Diesen Freitag sind die Technikleiter der baden-württembergischen Autofirmen eingeladen, man gehe ohne Vorverurteilung in dieses Gespräch, sagt Lahl. "Wir hoffen sehr darauf, dass die Manipulationen nicht auch von anderen Autofirmen betrieben wurden."