Dienstwagen mit "Zaren-Motor" Rolls-Royce Phantom als Inspirationsquelle

Erste im Internet herumgeisternde Designentwürfe sehen dem Rolls-Royce Phantom - im Bild das Original - sehr ähnlich.

(Foto: dpa-tmn)

Welches Modell als Inspirationsquelle diente, ist leicht zu erkennen: der Rolls-Royce Phantom. Das Design von Karosserie, Front und sogar Rädern erinnert eklatant an die Produkte des britischen Nobelherstellers. Allerdings soll die russische Limousine noch größer sein als ihr englisches Pendant, das je nach Länge des Radstandes bis zu 6,09 Meter misst.

Glaubt man Nagaitsev, wird das Triebwerk der neuen Staatslimousine den Motoren ihrer Konkurrenten weit überlegen sein - jedenfalls in puncto Leistung. In seiner stärksten Ausführung soll der V12-Turbomotor mit sechs Litern Hubraum bis zu 850 PS entwickeln und seine Kraft an alle vier Räder verteilen. Folgerichtig trägt das mächtige Aggregat die Bezeichnung "Zaren-Motor". Es soll jedoch nicht nur die Limousine, sondern auch zum Konvoi gehörende Minivans und SUVs antreiben und später sogar in Flugzeugen und Militärgerät zum Einsatz kommen.

Entwicklungshilfe von Porsche

An der Entwicklung des Motors waren auch westliche Firmen beteiligt. NAMI-Ingenieure sollen sich in Österreich, Deutschland und England weitergebildet haben. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Porsche Engineering Group (PEG) zu, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Die im schwäbischen Weissach ansässige Tochter der Porsche AG entwickelt vorrangig die Sportwagen-Modelle der Muttergesellschaft, ist aber auch Dienstleister für andere Firmen. Porsche konzipierte gemeinsam mit Airbus Flugzeug-Cockpits, zusammen mit Linde Gabelstapler oder in Kooperation mit Harley-Davidson Motorradmotoren. Auch in der Zusammenarbeit mit russischen Firmen haben die Schwaben Erfahrung: Im Auftrag des größten Autoherstellers AvtoVAZ brachte Porsche in den Achtzigerjahren den Lada Samara zur Serienreife.

Probefahrt in Putins GAZ Wolga: Der damalige US-Präsident George W. Bush übernimmt das Steuer.

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Mit der neuen Staatslimousine als Flaggschiffprojekt will Russland seine Autoindustrie neu ordnen. Laut Industrie- und Handelsminister Denis Manturow soll eine ganze Fahrzeugpalette entstehen, die auch Kompaktwagen und Familienautos beinhaltet. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf bis zu 24 Milliarden Rubel, was derzeit etwa 442 Millionen Euro entspricht.

2017 sollen die ersten Exemplare der neuen Luxuslimousine produziert werden. Fraglich ist, ob Wladimir Putin danach wieder ausländische Staatschefs ans Steuer lassen wird. Umso wahrscheinlicher ist es jedoch, dass der Präsident vorher persönlich eine finale Abnahmefahrt durchführen wird. Besser, Putin gibt seinen Segen, bevor die Nobelkarosse ihren Dienst antritt. Ansonsten könnte das neue Prozessionsgefährt mit dem "Zaren-Motor" schneller als gedacht das Schicksal des alten ZIL ereilen.