Die coolsten DDR-Autos (1) Rennpappe im Ruhrpott

20 Jahre Deutsche Einheit: Wir blicken zurück auf die Kultautos des Ostens. Der Trabi wurde zum Symbol der Mangelwirtschaft, doch seine Fans lieben ihn noch heute. Und das sogar tief im Westen.

Von Sebastian Viehmann

Ein Trabi steht an einer Kreuzung. Die Ampel wird grün, der Trabifahrer gibt Gas, doch sein Auto kommt nicht vom Fleck. Warum? Ganz einfach - der Mercedes hinter ihm hat die Lüftung eingeschaltet. Solche Witze schossen 1990 wie Pilze aus dem Boden.

Die coolsten DDR-Autos (1): Trabi

Rennpappe im Ruhrpott

Der Trabant war damals für viele Menschen nur ein rollender Scherz, ein Verkehrshindernis, ein nervender Zweitakt-Stinker. Auf den Autobahnen waren Wessis am Volant schnell genervt von den Trabi-Kolonnen, die sich schon von weitem durch bläulichen Rauch und Zweitakt-Mief ankündigten.

Selbst viele Neubürger aus dem Osten, die im sozialistischen Mangelstaat DDR manchmal Jahrzehnte auf einen Trabi warten mussten, hatten nach der Wende die Nase voll. Wenn die einst heiß begehrte "Post aus Zwickau" kam und man den Trabi abholen durfte, hieß es nur: Wohin jetzt mit der Kiste? Denn in der eigenen Einfahrt standen längst Golf oder Kadett. Kein Wunder also, dass der Trabi selbst mit einem neuen Viertaktmotor aus dem VW Polo unverkäuflich war und der einstige Stolz des VEB Sachsenring schließlich abgewickelt wurde.

Doch der kleine Wagen mit seiner baumwollverstärkten Duroplast-Karosserie und dem typischen "Rend-Deng-Deng"-Sound des 26 PS starken Zweitakters erweist sich als erstaunlich zäh. Der Trabi stellt mit rund 34.000 Exemplaren nach dem VW Käfer den größten Oldtimer-Bestand auf deutschen Straßen. Und das nicht nur in Berlin, Leipzig oder Dresden: Sogar tief im Westen hat sich eine eingefleischte Fangemeinde der kultigen Rennpappe verschrieben.

"Dieses Auto ist so einfach und billig", schwärmt Thomas Wentker vom nordrhein-westfälischen Trabant-Club Sputnik. Sein Trabant 601 Universal wurde noch im Jahr 1990 gebaut, es ist einer der letzten. Regelmäßig fährt Wentker mit seiner Familie und den Freunden des Trabi-Clubs auf Tour - natürlich mit dem "Qek Junior" im Schlepptau, einem 300 Kilo leichten Wohnwagen.

Die Mitglieder des Trabant-Club Sputnik kommen aus ganz Nordrhein-Westfalen, aus Ruhrgebiet und Münsterland, aus Bochum, Düsseldorf oder Ascheberg. Sie fahren zu Trabi-Treffen und versammeln sich gemütlich am Schrauber-Stammtisch. "Meinen ersten Trabi habe ich umsonst bekommen", erinnert sich Clubmitglied Timo Jürgenschellert, "der Besitzer hat mir Papiere und Schlüssel in die Hand gedrückt und wollte schon wieder die Tür zumachen."

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