Opel Combo gegen Citroën Berlingo Was ist das bessere Familienauto?

Für große und kleine Familien: die Hochdachkombis von Opel und Citroën

(Foto: Opel/Citroën)

Citroën Berlingo und Opel Combo sind fast baugleich. Beide bieten vor allem eins: Platz ohne Ende. Dennoch lohnt es sich, bei einigen Details genauer hinzuschauen.

Von Marco Völklein

An einem kleinen Detail im Innenraum lässt sich schon gut erkennen, für welche Zielgruppe Opel Combo und Citroën Berlingo vorwiegend konzipiert wurden. Über dem Innenspiegel an der Frontscheibe haben die Entwickler einen zusätzlichen, kleinen Spiegel installiert, mit dem sich das Treiben auf der Rückbank gut im Blick behalten lässt. Vater oder Mutter am Lenkrad, wahlweise auch die Großeltern oder der Patenonkel - sie alle haben über den zusätzlichen Spiegel den Nachwuchs in der zweiten Reihe zumindest optisch stets unter Kontrolle. Schade nur, dass der kleine Kontrollassistent nicht serienmäßig vorgesehen ist, sondern Aufpreis kostet.

Ansonsten aber haben die Ingenieure bei der Entwicklung der beiden nahezu baugleichen Autos auf eine möglichst maximale Familientauglichkeit bereits ab Werk geachtet. So bieten die Hochdachkombis vor allem eines: Platz ohne Ende. Bei umgeklappter Rücksitzbank bieten Combo wie Berlingo laut ADAC-Messung 2126 Liter Fassungsvermögen, bleibt die Bank wie sie ist, lassen sich immer noch 597 Liter Gepäck verstauen. Und diese Werte gelten nur für die 4,40 Meter lange Standardversion der beiden Brüder.

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Wir haben zwei Modelle verglichen: Der Fiat Tipo bietet überraschend viel Platz, der Škoda Fabia Combi wirkt dafür hochwertiger und verbraucht weniger Sprit.

Es gibt aber auch noch eine XL-Ausgabe mit einer Länge von 4,75 Metern. Da ist mehr als genügend Stauraum - entweder fürs Gepäck oder für zwei weitere Mitfahrer, sofern die 950 Euro teuren Zusatzsitze für die dritte Reihe geordert werden. Die gibt es zwar auch für die Combo- und Berlingo-Varianten mit kurzem Radstand, bequemer ist es allerdings für alle Beteiligten, wenn man sich bei drei Sitzreihen für das längere Familienmobil entscheidet.

Der Opel Combo Life kommt etwas bieder daher.

(Foto: Opel)

Ausdrücklich zu loben ist zudem das Klappkonzept für die Sitze in der zweiten Reihe. Denn die senken sich beim Umklappen automatisch etwas in Richtung Fußraum ab, sodass eine nahezu ebene und gut nutzbare Ladefläche entsteht. In Internetforen äußert sich so manches Familienoberhaupt zudem begeistert darüber, dass auf der breit angelegten Rückbank drei Kindersitze locker nebeneinander Platz finden, ohne dass man diese aufwendig ineinander verweben oder verschachteln müsste wie bei so manch klassischem, enger geschnittenen Kombi.

Große Unterschiede zwischen den beiden Modellen lassen sich ohnehin kaum feststellen, schließlich hat die Citroën-Mutter PSA den Familienvan zusammen mit den Opelanern entwickelt - und zwar lange bevor die Franzosen die Übernahme der deutschen Traditionsmarke angepeilt hatten. Das Vorgängermodell hatte Opel noch zusammen mit Fiat gebaut, damals basierte der Combo auf dem Fiat Doblo. Nun also machen die Rüsselsheimer mit den Franzosen gemeinsame Sache; die wiederum steuern neben dem Citroën Berlingo auch noch den Peugeot Rifter bei. So kann jede Marke eine Familienkutsche anbieten, die Unterschiede zwischen den drei Autos indes sind minimal.

So lassen sich zum Beispiel im Innenraum des Opel einige Schalter ausmachen, die im Citroën an anderer Stelle angeordnet sind. Und auch die Ablagemöglichkeiten sind im einen Fahrzeug leicht anders konzipiert als im anderen; dennoch bieten beide Autos auch in dieser Hinsicht mehr als genug Stauraum für Warnwesten, CD-Sammlung, Autoatlanten sowie die Kuscheltücher, -decken und -tiere der Fond-Passagiere. Äußerlich wiederum wurde versucht, zumindest die Frontpartie den jeweiligen Markenstilen anzugleichen: Der Opel kommt eher betont sachlich, mit einem gewissen Handwerker-Charme fast schon etwas bieder daher, der Citroën hingegen weist die von anderen Modellen bekannten Elemente wie den schmalen Kühlergrill und die schlitzäugigen Frontscheinwerfer auf. Wer die Autos hingegen von hinten oder der Seite betrachtet, kann eigentlich keinerlei Unterschied entdecken. Etwas klobig und äußerst kantig - das kommt einem als Erstes in den Sinn.

Die Citroën-Designer haben sich beim Berlingo an der relativ markanten Formensprache der Marke orientiert.

(Foto: )

Unter dem Blech aber unterschieden sich die beiden SZ-Testfahrzeuge: Während beim Berlingo ein 110 PS starker 1,2-Liter-Turbobenziner mit Sechs-GangSchaltgetriebe werkelte, trieb den Combo ein 1,5-Liter-Diesel mit 130 PS und Acht-Gang-Automatik an (beide mit der Abgasnorm Euro 6d-temp). Fahrdynamisch hatte da der Opel auch dank der Automatik leicht die Nase vorn, er beschleunigte etwas zügiger und fuhr sich einfach flüssiger. In den Kurven kamen beide relativ rasch an ihre Grenzen, beide Autos sind recht weich gefedert und neigen sich bei schneller Kurvenfahrt merklich zur Seite.

Beim Verbrauch wiederum hatte der Combo einen leichten Vorteil gegenüber dem Berlingo-Benziner: Der Diesel im Opel schluckte bei den Testfahrten in und um München auf 100 Kilometer knapp 6,7 Liter, der Benziner im Berlingo verlangte nach etwas mehr als 6,9 Liter auf 100 Kilometer. Preislich liegen beide Fahrzeuge eng beieinander: Der günstigste Combo steht mit mindestens 19 995 Euro in der Preisliste, für den Berlingo verlangt der Citroën-Händler wenigstens 21 500 Euro.

Erfreulich: Sowohl der Combo wie auch der Berlingo belästigen ihre Insassen mit erstaunlich wenig Lärm, der Benziner noch einen Tick weniger als der Selbstzünder. Selbst bei höherem Tempo blieb der Geräuschpegel im Innenraum angenehm niedrig. Es kann also gut sein, dass beim Familienausflug das Gequengel von der Rückbank künftig etwas lauter erscheint als in den Autos, mit denen man bislang so unterwegs war. Wer dann wissen will, was los ist da hinten - ein Blick in den Kontrollspiegel genügt.

Das Fahrzeuge wurde der Redaktion im Rahmen des Tests von den Herstellern zur Verfügung gestellt.

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