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Caravan:Ein Anhänger für die Weiten des Wilden Westens

Hymer Touring

Als "cute", ziemlich niedlich, wird mancher Amerikaner den Reiseanhänger bezeichnen.

(Foto: Hymer)

Hymer will mit dem Retro-Camper Touring den Markt in Nordamerika aufmischen - und hofft auf Wachstum durch autonomes Fahren.

Er ist klein, knuffig - und er entspricht so gar nicht dem, was man mit Campingmobilen in den USA verbindet. Hymer, der deutsche Marktführer bei Wohnanhängern und Reisemobilen aus dem oberschwäbischen Bad Waldsee, setzt bei der Expansion in Nordamerika auf das Modell Touring Travel, einen Wohnanhänger mit knapp sechs Metern Länge und etwas mehr als zwei Metern Breite. Und einem Aufstelldach, damit man überhaupt darin stehen kann. "Cute", also niedlich, wird mancher Amerikaner den Hänger finden.

Aber wird er ihn auch kaufen? Martin Brandt, seit zwei Jahren Chef der Erwin Hymer Group, ist davon überzeugt. Deutsche Autobauer wie BMW oder Mercedes hätten gezeigt, dass es in Amerika "eine Affinität für europäisches Design gibt", sagt Brandt. Klar, im Mittleren Westen interessiere sich so gut wie niemand für einen Mini-Wohnanhänger mit ausklappbaren Betten, der seit 1957 für den europäischen Markt gebaut wird. "Es gibt aber auch andere Regionen", sagt Brandt. In Kalifornien oder an der Ostküste komme der Retro-Stil des Touring an. Und um sich den Kundenwünschen anzupassen, baut Hymer in Nordamerika Extras wie Klimaanlage und Mikrowelle serienmäßig ein. Ende September haben die Oberschwaben in Cambridge, Kanada, ein neues Werk eröffnet, ihr mittlerweile drittes in Nordamerika. 3000 Einheiten des Tourings will Brandt vom Jahr 2020 an dort absetzen; bei einem Gesamtmarkt von zuletzt insgesamt 430 000 Freizeitfahrzeugen bewegt sich der Hersteller damit dennoch in einer Nische.

Das autonome Fahren passe perfekt zu den Angeboten der Wohnmobil- und Caravanhersteller

In der Hymer-Gruppe, zu der unter anderem Marken wie Bürstner, Dethleffs, Niesmann + Bischoff, Laika oder Carado zählen, spielen die Nordamerikaner mit der 2016 gekauften Marke Roadtrek zudem noch eine weitere wichtige Rolle. Denn auch die Reisemobilbranche befasst sich intensiv mit dem autonomen Fahren - "wir vielleicht sogar noch etwas intensiver als so mancher Automobilhersteller", sagt Brandt. Denn von der Grundidee her passe das autonome Fahren perfekt zu den Angeboten der Wohnmobil- und Caravanhersteller. Schließlich verkaufe die Branche seit jeher den Traum vom "Reinsetzen und losfahren", sagt Brandt. Mit der Möglichkeit, sich künftig autonom quasi im eigenen Wohnzimmer direkt ans Urlaubsziel chauffieren zu lassen, "nehmen wir den Kunden auch noch den letzten Stress", glaubt er. Die Käufer legten "weniger Wert aufs Fahren, sondern vielmehr aufs Wohnen".

Zusammen mit Forschern der Waterloo University, etwa 100 Kilometer westlich von Toronto gelegen, werde man demnächst Fahrzeuge auf Level-vier-Basis testen, sagt Brandt - also mit Reisemobilen, bei denen das System dauerhaft die Führung übernimmt und der Fahrer nur noch dann eingreifen muss, wenn es die Fahraufgaben nicht mehr bewältigt. Gleichwohl wissen Brandt und seine Leute, dass da noch einige Fragen zu beantworten sind. Etwa die nach der Sicherheit bei einem Crash, wenn die Insassen künftig die Fahrtzeit nutzen sollten, um sich zum Beispiel schlafen zu legen oder in der Bordküche etwas zuzubereiten. Dann könnten Systeme wie ein Raum-Airbag oder spezielle Crash-Shelter für den nötigen Schutz sorgen. "Wir stehen da noch sehr am Anfang", räumt Brandt ein.

Ein Ende des derzeitigen Booms bei Wohnmobilen und -anhängern sieht Brandt jedenfalls noch nicht. Zuletzt hatte die Branche europaweit etwa 185 000 Fahrzeuge verkauft; vor der Wirtschaftskrise 2008 und 2009 lag der Wert bei mehr als 200 000. In den nächsten zwei, drei Jahren seien daher weitere Absatzsteigerungen drin, auf 210 000 oder 215 000 Einheiten - wenngleich sich viele Camper beschweren, dass es auf den Stellplätzen immer enger wird. Noch habe die Branche das volle Potenzial nicht annähernd ausgeschöpft, glaubt Brandt: Bislang werbe man vorwiegend in Camperkreisen um bekannte Käufergruppen; viele Interessenten außerhalb spreche man noch gar nicht an - allein schon, weil viele Hersteller hart an der Kapazitätsgrenze produzieren. Doch das werde nicht so bleiben, sagt Brandt. Diese Zielgruppen zu umwerben, "das wird der nächste Schritt sein".

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