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Boatsharing:Segelvereine boykottieren das Konzept

So pfiffig die wegweisende Idee und so clever die Technik gelöst ist - die eine oder andere Hürde müssen die Bootschafter noch nehmen. Erstens bricht das Konzept mit der herkömmlichen Vorstellung von Besitz nach dem bekannten Motto: "Mein Haus, mein Auto, mein Boot". Ähnlich wie das Auto dient der Wassersport manchen Menschen nach wie vor zur sozialen Distinktion. Luxus möchte man herzeigen, nicht teilen. Folglich werden viele Bootseigner ihr Boot lieber wie gehabt am Liegeplatz dümpeln lassen, als es zu verleihen. Zweitens blockieren Segelvereine, die sich als traditionsverbundene, gegenüber Nichtmitgliedern abgeschottete Zirkel sehen, das Konzept geradezu. Deren Sorge: Da könnte ja jeder ohne Aufnahmeantrag, Bürgen, Aufnahmegebühr, Vereinsbeiträge, Probezeit, Arbeitsdienst und die vereinsüblichen Fraternisierungen durchs Clubgatter kommen und einfach segeln gehen. Diese Erfahrung macht Bootschaft gerade mit dem Fruchtzwerg einem Drachen, der im Hamburger Segel Club liegt.

Drittens setzt es einen pfleglichen Umgang mit dem geliehenen Boot voraus und darauf, das Schäden gemeldet werden. "Unsere Kunden haben uns während der vergangenen Segelsaison fünf Sachen zum Zugvogel mitgeteilt. Es waren alles Petitessen wie ein verlorener Schäkel oder Splint, ein gebrochenes Paddel und Lackschäden" berichtet Sorowka. "Das sind alles Kleinigkeiten, die zur laufenden Instandhaltung gehören und entweder mit einem Griff in die Schraubenkiste daheim, mit dem Kauf eines neuen Paddels, oder den Winter über im Rahmen der üblichen Arbeiten behoben werden." Aus den 30 registrierten Mitgliedern in 2011 sind dieses Jahr zweihundert geworden. Dreißig davon segeln regelmäßig. Bootschaft bietet mittlerweile neun Boote von Kiel über Hamburg und Roermond/Holland bis nach Friedrichshafen am Bodensee an. Die Segelstunde kostet von zehn Euro an aufwärts. Das ist spottbillig und lohnt sich für Wiederholungstäter wie Bootseigner. Der Aufwand hält sich für den Bootseigner mit etwa 300 Euro für den GPS Tracker, Batterie und Solarzelle in Grenzen.

Zur Segelsaison 2013 stehen eine Jolle auf der Müritz, Jollenkreuzer in Berlin und Kajütboote auf der Ostsee zur Verfügung. Und natürlich suchen die beiden Studenten ständig nach weiteren Bootseignern, die ihre Jolle oder Yacht ab und an nicht nur selbst segeln, sondern auch segeln lassen wollen.

www.bootschaft.net