Daysailer Das Nachmittagsboot

Wer nur wenig Zeit hat und trotzdem immer mal wieder für ein paar Stunden aufs Wasser möchte, für den sind sie genau richtig: Daysailer versprechen großes Vergnügen mit wenig Aufwand.

Von Erdmann Braschos

Sieht man sich in den Buchten, Segelvereinen und Häfen unserer Gewässer um, wo selbst an schönen Sonn- und Feiertagen eine riesige Flotte von Freizeitbooten unbenutzt unter der Plane an den Bojen oder Stegen schlummert, entsteht der Eindruck, Boote würden ähnlich wie Heimtrainer als Versprechen eines anderen, aktiven Lebens gekauft, das nicht eingelöst wird.

Für den Spaß zwischendurch

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In einem großen Yachthafen wurde einmal über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet, dass die dort vertäuten Boote im wesentlichen zwei Mal in der Segelsaison, nämlich im Frühjahr aus dem Winterlager an den Steg und im Herbst wieder zurück an Land bewegt werden.

Liegt das an der Überalterung der Klientel, lassen wirtschaftliche Entwicklung und ökonomischer Druck jüngeren Bootseignern keine Freizeit mehr? Vielleicht erschöpft sich das Glück des Eigners nach dem Motto "mein Haus, mein Auto, mein Boot" auch in der Repräsentation.

Oder liegt es am Boot selbst? Bereits das zehn Meter lange Kajütboot heutiger Machart bietet als schwimmendes Wochenendhaus vier Kojen, Salon, Pantry, Toilettenraum, Einbaumaschine und Stehhöhe in allen Kabinen. Das Einsteigermodell der Großserienhersteller wiegt Werftangaben zufolge etwas mehr als fünf Tonnen und ist mit etwa 50 Quadratmetern besegelt.

Auf dem hochbordigen Gefährt findet der Segler keine Nähe zum Wasser. Er hat sich von dem entfernt, was er eigentlich sucht. Ein führender Bootskonstrukteur bemerkte einmal: "Ganz gleich, ob wir vom kleinen Kabinenkreuzer oder einem hochseetauglichen Renner reden - von wenigen Ausnahmen abgesehen sind alle Segelboote Daysailer. Auch mit der 25-Meter-Yacht wird Sonntag nach dem Frühstück abgelegt und am Nachmittag zurückgekehrt."

Höchste Zeit also, sich auf einen uralten Bootstyp zu besinnen, den es schon seit der Kaiserzeit gibt. Damals wurde er Nachmittagsboot genannt. Heute, da das Lifestyle-Thema Segeln ohne Anglizismen nicht mehr auskommt, heißt es natürlich Daysailer. Bei diesem Gefährt handelte es sich um ein etwa neun Meter langes, offenes Kielboot ohne Unterschlupf, Spritzkappe oder Kajüte - ein Gefährt für schöne Segelstunden.

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