Besuch beim Aston-Martin-Restaurateur Aus dem Showcar wird das hässliche Entlein

Der EML 132 diente in den nächsten beiden Jahren als Versuchskaninchen und wurde Schritt für Schritt verbessert. 1938 sorgte Sutherland dafür, dass der Wagen eine neu konstruierte Karosse bekam. Erstmals in der Geschichte der Marke verwendete Aston Martin einen Stahlrohrrahmen statt der damals üblichen Holzträger. Da man allerdings nur wenig Erfahrung im Biegen von Blech hatte, war das Ergebnis, nun ja, gewöhnungsbedürftig. Schnell erhielt der Prototyp den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Donald Duck", das hässliche Entlein.

Für Aston Martin lieferte der rollende Bewohner von Entenhausen aber wichtige Erkenntnisse in Bezug auf spätere Modelle. Der mittig verbaute Tank führte zum Beispiel dazu, dass der EML 132 einen für damalige Verhältnisse riesigen Kofferraum besaß. Andere Ideen setzten sich nicht durch: Per Handpumpe im Wageninneren ließen sich entweder zwei oder alle vier Räder vom Boden anheben, um Reifen zu wechseln. Für mehr Durchzug im Wageninneren sorgten Einlässe unter dem Dach und eine fehlende Heckscheibe.

Eine spezielle Hydraulik hob den Aston Marton EML 132 für den Reifenwechsel an.

(Foto: Felix Reek)

Sutherland war am Ende so zufrieden mit den Änderungen, dass er erklärte, der "Donald Duck" habe der Marke gezeigt, "wo die Zukunft liegt". Ein Journalist stimmte 1940 in "The Autocar" zu: "Die ausgeprägte Zuverlässigkeit und Präzision der Lenkung sind auffällig. Sie fühlt sich robuster und zuverlässiger an, als bei den besten offenen Modellen, die ich je gefahren bin."

Alle Daten wurden geheim gehalten

1942 verkauft Gordon Sutherland das Auto und nach ein paar Besitzerwechseln verliert sich seine Spur Ende der 1950-er Jahre. Informationen gibt es kaum, bei Prototypen aus diesen Jahren wurden alle Daten geheim gehalten. Mitte der 1980er-Jahre entdeckt ein deutscher Antiquitätenhändler aus Paderborn das Auto in einer Scheune. Zunächst will er es selbst restaurieren, doch als er sich gleichzeitig ein Landgut zulegt, geht ihm das Geld aus. 1989 verkauft er es an Norbert Hieber. Wo das Auto die Jahrzehnte davor verbracht hat, weiß keiner von beiden.

Zwischen 3000 und 3500 Arbeitsstunden hat Hieber seitdem in den EML 32 investiert, immer wenn er etwas Zeit hatte. In zwei bis drei Monaten könnte das Projekt abgeschlossen sein, wenn ihn nicht ständig neue Aufträge davon abhalten würden. So bleibt der "Donald Duck" ein Langzeit-Hobby. Wenn auch kein uneigennütziges. Auf die Frage, was der Prototyp wert ist, wenn er vollständig restauriert ist, antwortet Hieber: "Tja ... das kann man gar nicht abschätzen." Für einen Aston Martin Atom, den Nachfolger des EML 132 und ebenfalls ein Einzelstück, wurde auf einer Auktion schon einmal eine Million Euro geboten. "Wir haben ihn immer als Rente angesehen", sagt Hieber, grinst und legt die Hand auf den Kotflügel. Auch wenn ihm nach so langer Zeit der Abschied schwer fallen würde.