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Fahrraddiebstahl:Grüne Boxen gegen Fahrraddiebe

Eröffnung einer abschließbaren Fahrradabstellbox

Die Gründerin Claudine Oldengott vor ihrem "Fahrrad Hostel". Auf die Idee kam sie, nachdem ihr in Berlin drei Räder gestohlen worden waren.

(Foto: Rainer Jensen/dpa)
  • In Berlin wurden 2015 so viele Fahrräder gestohlen wie noch nie. Zudem gibt es eine hohe Dunkelziffer und eine sehr geringe Aufklärungsquote.
  • Ein Start-up will den Raddiebstahl mit grünen Containern eindämmen. Bis Jahresende soll es in Berlin 300 davon geben.

In Berlin zu leben bedeutet auch, alle paar Monate vor die Haustür zu treten oder aus dem Büro zu kommen, und das Fahrrad ist weg. Die Zahl der Räder, die in Berlin geklaut werden, hat absolutes Hauptstadt-Niveau erreicht, 32 244 waren es allein im vergangenen Jahr. Das sind zudem fast fünf Prozent mehr als noch 2014 - ein neuer Rekord. Wobei die Statistik nur die angezeigten Diebstähle erfasst. Die Dunkelziffer dürfte ein Vielfaches betragen, denn in Berlin nimmt man ein gestohlenes Rad inzwischen meistens nur achselzuckend hin wie einen Regenschauer: Es trifft jeden unweigerlich.

Dennoch gibt es wenig, das die Berliner ähnlich aufregt. Stundenlang kann man sich auf Partys über geklaute Fahrräder unterhalten, und immer wird jemand eine noch schlimmere Geschichte auf Lager haben. Da ist der junge Vater, dem das 4000-Euro-Rennrad aus dem Keller gestohlen wurde, und ein paar Monate später kamen die Einbrecher wieder. So, als ob sie genau wussten, dass bei einem Radsportler bald wieder etwas zu holen sein würde. Es gibt Geschichten von Dieben, die Schlösser an fremden Fahrrädern anbringen, um die Räder irgendwann in aller Ruhe abzuflexen. Oder von Leuten, die ihre Handynummer auf dem Sattel hinterlassen und dann behaupten, das fremde Fahrrad gehöre eigentlich ihnen. Und da sind noch all jene, die nachts nach Hause müssen, sich das nächstbeste Rad schnappen und irgendwo hinwerfen. Als im Winter der Landwehrkanal zugefroren war, sah man auf der Eisdecke immer wieder Fahrräder liegen.

Kaum einer der Diebstähle wird aufgeklärt

Wer all die Räder stiehlt, ist schwer zu sagen. Der Berliner Polizei zufolge kommen ganz unterschiedliche Täter infrage. Organisierte Banden oder Drogenabhängige, die Geld brauchen. Manche sind Gelegenheitsdiebe, andere leben davon, gestohlene Räder im Mauerpark oder auf Flohmärkten zu verkaufen. Nur eines ist bei allen Geschichten gleich: Bestraft wird kaum jemand. Im vergangenen Jahr wurden der Berliner Kriminalstatistik zufolge gerade einmal 3,9 Prozent der Fälle aufgeklärt. In Berlin einen Täter zu fassen ist also ungefähr so aussichtsreich wie in dem italienischen Filmklassiker "Fahrraddiebe", in dem ein Plakatkleber zu Fuß durch ganz Rom zieht, um den Mann zu suchen, der sein Rad geklaut hat.

Aber Berlin wäre nicht Berlin, wenn man nicht aus der Not ein Start-up machen könnte. Genauer gesagt "Fahrrad Hostels". Das sind knallgrüne Häuschen mit Türen, die von außen aussehen wie öffentliche Toiletten, im Inneren aber zehn Boxen à 0,7 Quadratmeter bieten, um ein Rad hochkant hineinzustellen und abzuschließen. Auf- und zuriegeln lässt sich das Ganze per Handy-App. Die erste Stunde kostet einen Euro, danach wird es günstiger. Für einen ganzen Tag überweist man drei Euro.