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Alternatives Mobilitätskonzept:Wie viele Privat-Pkw ersetzt Carsharing wirklich?

Das ist so, obwohl von der Bundesregierung die Notwendigkeit spezieller Parkplätze für gemeinschaftlich genutzte Autos erkannt worden ist. "Mit Carsharing können wir einen Teil unserer Verkehrsprobleme lösen", sagt Norbert Barthle, Staatssekretär im Verkehrsministerium. In Bremen schaffe ein Carsharing-Fahrzeug laut Befragung von Kunden zurzeit durchschnittlich 15 private Pkw ab, betont der dortige Umweltsenator Joachim Lohse.

Wissenschaftliche Untersuchungen gelangen zu dem Ergebnis, dass mindestens drei private Pkw durch ein Carsharing-Fahrzeuge ersetzt werden. Führende Verkehrspolitiker sind sich daher im Grundsatz einig, dass es spezielle Parkplätze für das Carsharing geben sollte.

Es droht ein jahrelanger Gesetzgebungsprozess

Doch der Weg zu reservierten Parkplätzen ist weit: Der Bund muss erst eine Muster-Gesetzgebung verabschieden. Diese soll danach in den 16 Bundesländern jeweils einzeln in die Landesstraßengesetze überführt werden. Die Lobbyisten vom Bundesverband Carsharing ahnen, was ihnen bevorsteht: "Ein Prozess, der im ungünstigsten Fall noch Jahre in Anspruch nehmen kann."

Zäh läuft es auch bei der Infrastruktur für Elektroautos. Sie sind für Kurzstrecken besonders geeignet und gelten daher als die idealen Fahrzeuge für das Carsharing in großen Städten. Zwar ist die Einweihung von Ladestationen noch jedesmal ein Medienereignis, bei dem sich beispielsweise kürzlich in München der Oberbürgermeister, ein BMW-Vorstand und weitere Honoratioren bei der Einweihung von vier (!) Straßenlaternen fotografieren ließen, die "im Rahmen einer ersten Pilotphase" als Stromtankstellen eingeweiht wurden.

Drivenow-Elektroautos fahren vor allem in Kopenhagen

Allerdings: Die bei derlei Anlässen entstehenden Bilder lenken eher ab von der Realität. Deutschland ist tiefste Provinz, was die Infrastruktur für Elektromobilität betrifft. So gibt es in Berlin als Hauptstadt aller Stromtankstellen Deutschlands knapp 200 Zapfsäulen und Pläne für 600 Stationen.

In München mussten sich bislang 85 Elektroautos gerade einmal 35 Tankstellen teilen. Kein Wunder also, dass von den 840 Elektroautos der Carsharing-Firma Drivenow knapp die Hälfte in Kopenhagen unterwegs ist. Denn dort konnte das gemeinsam von BMW und Sixt betriebene Unternehmen eine Hinterlassenschaft von Better Place übernehmen. Das israelische Start-up von Shai Agassi hatte die dänische Hauptstadt mit einer vergleichsweise phänomenalen Infrastruktur versorgt und war dann dramatisch pleitegegangen.

Auf den Spuren von Better Place rollen nun also 400 BMW-Elektroautos für Drivenow durch Kopenhagen. Insgesamt betreibt Drivenow ein Fünftel seiner Flotte von 4500 Fahrzeugen elektrisch. "Wenn die Ladeinfrastruktur nicht kommt, wird es schwierig, diesen Anteil zu halten", sagt Drivenow-CEO Sebastian Hofelich. Der frühere BMW-Manager sieht in den Elektromobilen beim Carsharing ein Stück "Aufklärungsarbeit im Alltag". Potenzielle Käufer können schon mal Probe fahren und die besondere Dynamik des elektrischen Antriebs erleben. "Wir sind die Piloten der E-Mobilität."

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