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Tempolimit:ADAC weicht Haltung zu Tempolimit auf

Tempolimit: 130-Schild auf A24 in Mecklenburg-Vorpommern

Die Diskussion um ein Tempolimit auf Autobahnen "wird emotional geführt und polarisiert bei den Mitgliedern", sagt ADAC-Vizepräsident Hillebrand.

(Foto: Jens Büttner/dpa)
  • Der ADAC wehrt sich seit Jahrzehnten gegen ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen.
  • Nun schwächt er seine Haltung ab. Man sei "nicht mehr grundsätzlich" dagegen, sondern lege sich aktuell nicht fest.
  • Einer aktuellen Umfrage zufolge spricht sich die Mehrheit der Bevölkerung für ein Tempolimit aus.

Es ist eines der größten Reizthemen in der Verkehrspolitik: ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Nun könnte eine der Bastionen gegen eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung ins Wanken geraten - der einflussreiche ADAC, mit gut 21 Millionen Mitgliedern der größte Automobilclub Deutschlands. Der ADAC sei "nicht mehr grundsätzlich" gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung, sagte der Vizepräsident Verkehr, Gerhard Hillebrand, der Deutschen Presse-Agentur vor dem 58. Verkehrsgerichtstag in Goslar (29. bis 31. Januar). Ein Schwerpunkt dort: Aggressivität im Straßenverkehr.

Der Satz von Hillebrand lässt aufhorchen. Denn jahrzehntelang war der ADAC als klarer Gegner eines Tempolimits bekannt. Nun rückt er von seinem strikten Nein ab - ein Ja bedeutet das aber auch nicht. Die Diskussion werde emotional geführt und polarisiere bei den Mitgliedern, erläutert Hillebrand. "Deshalb legt sich der ADAC in der Frage aktuell nicht fest." In einer Umfrage unter Mitgliedern hatten 50 Prozent gegen ein Tempolimit votiert und 45 Prozent dafür. Eine Versachlichung sei dringend erforderlich. Die Auswirkungen eines Tempolimits sollten dringend in einer umfassenden Studie geklärt werden. "Diese würde eine belastbare Entscheidungsgrundlage liefern."

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In einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins spricht sich die Mehrheit der Bevölkerung für ein Tempolimit aus. 56 Prozent der 1000 befragten Führerscheinbesitzer sehen in einer generellen Geschwindigkeitsbeschränkung eine wirkungsvolle Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit.

Die Debatte um ein Tempolimit in Deutschland hatte Ende 2019 wieder an Fahrt aufgenommen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte sich ablehnend geäußert: "Wir haben weit herausragendere Aufgaben, als dieses hoch emotionale Thema wieder und immer wieder ins Schaufenster zu stellen - für das es gar keine Mehrheiten gibt." Der Regierungspartner SPD hatte zuvor auf einem Parteitag ein Tempolimit von 130 auf Autobahnen gefordert und das mit Verkehrssicherheit und Klimaschutz begründet.

Die SPD legte nach den Scheuer-Aussagen nach. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, ein Tempolimit verringere die Unfälle mit Todesfolge und spare jährlich ein bis zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid.

© SZ.de/dpa/saul
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