Pilotversuch Grüner Pfeil nur für Radfahrer

Seit Mitte der Neunzigerjahre ist der Grünpfeil an vielen Ampeln auch in den westlichen Bundesländern im Einsatz.

(Foto: dpa)

In neun deutschen Städten startet ein Pilotversuch: An ausgewählten Kreuzungen dürfen Fahrradfahrer künftig bei Rot trotzdem rechts abbiegen. Autofahrer müssen hingegen auf Grün warten.

Von Christina Müller

Ein grüner Pfeil zum Abbiegen nur für Radfahrer - das wird im Laufe des Jahres in neun deutschen Städten getestet. Die Bundesanstalt für Straßenwesen startet damit ein Pilotprojekt, das bereits seit über einem Jahr angekündigt wurde.

Vergleichbar mit dem grünen Pfeil für Autofahrer wird den Radfahrern an 40 ausgewählten Kreuzungen das Rechtsabbiegen nach vorherigem Anhalten gestattet, wie es von Seiten der Behörde heißt. Neu ist, dass dieses Verkehrszeichen durch den Zusatz "nur Radverkehr" dies ausschließlich den Radfahrern gestattet. Autofahrer müssen warten, bis die Ampel auf Grün springt. Die bisherige Regelung mit dem Grünpfeil für Rechtsabbieger gab es in der DDR bereits seit 1978, in die bundesdeutsche Straßenverkehrsordnung wurde sie 1994 aufgenommen.

Eigentlich sollte das Rechtsabbiegen trotz roter Ampel den Verkehrsfluss verbessern. Eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) aus 2015 ergab allerdings, dass der Grünpfeil unterm Strich nicht zu weniger Staus führt, dafür aber Fußgänger und Radfahrer behindern oder gar gefährden kann. Der UDV folgerte deshalb: "Der Grünpfeil ist rein objektiv betrachtet ein überflüssiges Verkehrszeichen."

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Der Fußgänger-Fachverband Fuss e.V. wird sogar noch deutlicher und stellte im Oktober 2018 fest: "Viele Pfeile dürften nach den Vorschriften zu ihrem Einsatz gar nicht hängen. Mehr als drei Viertel der Autofahrer brechen am Grünpfeil die Sicherheitsregeln. Das macht Grünpfeil-Ampeln zu chronischen und brandgefährlichen Konflikt- und Unfallstellen." Untermauert wird dies durch eine Studie, bei der Fuss e.V. 505 Kreuzungen in fünf Großstädten untersucht hatte. Das Ergebnis: An den Kreuzungen mit Grünpfeil passierten in drei Jahren im Schnitt 20 Unfälle mit Personenschaden, an den Ampeln mit strikter Rot-Regelung waren es dagegen nur 14.

Bundesweit wird der grüne Pfeil für Radfahrer in Bamberg, Darmstadt, Düsseldorf, Köln, Münster, Leipzig, Stuttgart und Reutlingen an 40 Kreuzungen getestet. Auch in München sollen neun Ampeln das Zusatzschild für Radfahrer bekommen. Der Pilotversuch ist auf ein Jahr angelegt. Sollte es gut funktionieren und Radfahrern das Vorankommen erleichtern, muss das Bundesverkehrsministerium entscheiden, ob der grüne Pfeil für Radfahrer dauerhaft eingeführt wird. Ob die Regelung für Autofahrer komplett abgeschafft wird, ist ebenfalls offen. Laut Schätzungen des UDV gibt es derzeit in Deutschland noch rund 5000 grüne Pfeile.

In anderen Ländern ist die Vorfahrt für Radfahrer schon lange über einen Pilotversuch hinaus: Die in den USA erstmals eingeführte Regel ist mittlerweile auch in Frankreich, Holland und Belgien Praxis. Im US-Bundesstaat Idaho etwa dürfen Radfahrer rote Ampeln wie Stoppschilder behandeln. Und auch in Paris gilt: An den mit Schildern markierten Ampeln können Radler bei Rot rechts abbiegen, wenn sie angehalten und sich umgeschaut haben. Stadtweit bekamen deshalb 1800 Ampeln ein Vorfahrt-achten-Zusatzschild mit Fahrradsymbol.

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